Sonntag, 26. Juli 2020

Peter Green gestorben

Gestern ist der begnadete Gitarrist Peter Green (29. Oktober 1946 – 25. Juli 2020) von uns gegangen. Er wurde 73 Jahre alt. Von ihm stammt der Song „Black Magic Woman“, einer der wichtigsten Hits von Santana.

Peter Green beeinflusste Carlos Santana in dessen Frühphase sehr: „Er hatte bereits seinen eigenen Stil – legato. Er ließ die Noten einfach hängen. Sein Sound nahm mich echt in den Schwitzkasten und ließ mich nicht mehr los. Und diese Töne! In dem Stück ‚The Supernatural‘ – nicht zu verwechseln mit meinem Album ‚Supernatural‘ – war Greens Gitarrensound haarscharf am Feedback. Dieses Stück hat bei mir definitiv Eindruck hinterlassen. Ich glaube, das war der erste instrumentale Blues, der zeigte, dass eine Gitarre problemlos die Leadstimme sein kann – und dass Sänger manchmal total überflüssig sind. Ich liebte diesen Klang“ (Carlos Santana: Der Klang der Welt, 2015, S. 160). Stücke wie „Samba Pa Ti“ zeugen davon.



Peter Green hatte kein leichtes Leben, aber er bescherte uns wunderbare Musik. In den Sechzigern mit John Mayall & The Bluesbreakers (aus der Zeit stammt „The Supernatural“) und Fleetwood Mac („Black Magic Woman“), später dann solo und mit diversen Projekten wie seiner Splinter Group. Herausragend finde ich sein Album „In The Skies“ (1979). Mag es ihm In The Skies jetzt gut gehen …

Samstag, 25. Juli 2020

Santana – Borboletta (Blue Vinyl 2020)

Vierzig Jahre nach ihrem Debüt, am 24. Oktober 2014, wird die LP „Borboletta“ in 180-Gramm-Vinyl als Limited Edition von der Plattenfirma Friday Music neu aufgelegt. Ähnlich ergeht es in dieser Zeit etlichen Santana-Alben – für mich eine erfreuliche Renaissance der Schallplatten mit ihren großformatigen, aufklappbaren Plattenhüllen.




Einige Jahre weiter lässt sich das Label besondere Gimmicks einfallen. Am 20. März 2020 und damit für das genannte Jubiläum eigentlich etwas verspätet erscheint „Borboletta“ erneut als LP, diesmal aber als „180 Gram Audiophile Vinyl 45th Anniversary Super Limited Edition“ mit dem ursprünglichen Gatefold Cover und wahlweise in Platinum Swirl (silbernem) oder Translucent Blue (transparent-blauem) Vinyl.

Das Mastering soll verbessert worden sein – Audiophil eben. Hmmm … schwierig zu beurteilen … da kann man sich viel einbilden, wenn man will. Ich habe diese LP und die CD parallel gehört und ständig hin und her geschaltet und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass die LP etwas voller, klarer, reiner und differenzierter klingt als die CD. Im Vergleich zur LP tönt mir die CD tatsächlich ein wenig matschig. Dabei ist die LP ungewöhnlich leise produziert – der Lautstärkeregler muss also weit hochgedreht werden, um auf denselben Level zu kommen. Dennoch bin ich alles in allem sehr erfreut über dieses schöne Sammlerstück.

Dienstag, 23. Juni 2020

Raul Rekow & Karl Perazzo – Just Another Day In The Park (CD 2003)

Im Aquatic Park in San Francisco trafen sich schon in den Sechzigerjahren die örtlichen Percussionspieler, um gemeinsam zu jammen. Michael Carabello, Gründungsmitglied von Santana, erinnert sich: „Ich spielte also am Sonntagnachmittag auf den Stufen im Aquatic Park mit den anderen Congaspielern und Typen, die Weinflaschen mit irgendwelchen Stöcken als Cowbells nutzten…“. Es war gewissermaßen eine Freiluft-Musikschule und Talentbörse. Wer für seine Band einen Perkussionisten suchte, ging einfach hin, schaute sich um und sprach einen von ihnen an. Vermutlich bezieht sich „Just Another Day In The Park“ auf den Aquatic Park.

Perkussionisten fast unter sich
Viele Jahre lang haben Raul Rekow (Congas, Percussion, Vocals) und Karl Perazzo (Timbales, Percussion, Vocals) gemeinsam bei Santana gespielt. Karl spielt dort noch immer, Raul starb traurigerweise 2015. Mittendrin haben sie diese CD aufgenommen, ein Bonbon für Freunde der Perkussion. Und damit kann man tatsächlich ein Album füllen. Wer es noch nicht wusste, darf staunen, wie klangvoll und abwechslungsreich Percussion ist, wenn zudem noch einige Chants die Rhythmen ergänzen. Sehr afrikanisch, wie die Wurzeln dieser Musik. Mehr braucht es eigentlich nicht.

Gibt es aber trotzdem. Auf „Llego Mi Guajira“, dem fünften von neun Songs, gesellen sich tatsächlich weitere Instrumente hinzu, beispielsweise die Trompete von Bill Ortiz, ebenfalls Santana, und obendrein Bass und Keyboards. Sie zaubern ein begeisterndes Salsastück. Andere Instrumente sind nur noch in der zweiten Hälfte von „Suena La Campana“ zu hören.

Ansonsten ist „Just Another Day In The Park“ Percussion pur. Wie an einem Sonntagnachmittag im Aquatic Park. Hören und genießen! Ach ja … eines der ersten reinen Perkussionsalben war 1959 „Drums Of Passion“, das Debütalbum des gebürtigen Nigerianers Michael Babatunde Olatunji – er gilt daher auch als Vater der Weltmusik. Darauf befindet sich ein zehn Jahre später als Coverversion relativ bekannt gewordenes Stück namens „Jin Go Lo Ba“ …

Anmerkung: Wenn ich zwischen den Schreibweisen mit c und k hin und her springe, ist das übrigens kein Versehen, sondern es dient der Abwechslung. Percussion mit c wird englisch, Perkussion mit k deutsch ausgesprochen. Geht beides.

Montag, 22. Juni 2020

Neal Schon – I On U (CD 2005)

Eigentlich spielte Neal Schon nur zwei Studioalben mit Santana ein – „Santana III“ (1971) und „Caravanserai“ (1972). Dann gründete er gemeinsam mit Gregg Rolie die Band Journey. Doch Santana war eben der Beginn seiner Musikerkarriere und dafür bleibt er in Erinnerung. Erst wieder 2016 war er als Initiator des Projekts „Santana IV“ dabei.


Dazwischen schuf er neben seinen Journey-Aktivitäten diverse Soloalben. „I On U“ ist eins davon – unverkennbar ein Gitarrenalbum, aber Neal Schon spielt auch Bass und Synthesizer. Ihn begleiten Omar Hakim (Drums), Igor Len (Keyboards) und Gary Cirimelli (Drum Programming) – das war’s auch schon. Die Musik ist rockig, intensiv und manchmal etwas exotisch. Gelegentlich perlen die Gitarrentöne in für Neal Schon ungewöhnlicher Klarheit aus den Lautsprechern, dann röhren sie wieder, wie von ihm gewohnt.

Auf wen auch immer der Gitarrist sein Auge geworfen hat („Eye On You“) … mir gefällt die meist ziemlich gelöst und heiter klingende Scheibe. Und daher empfehle ich sie gerne weiter …

Donnerstag, 18. Juni 2020

Michael Shrieve – Fascination (CD 1994)

Von Michael Shrieve sind wir abwechslungsreiche Projekte gewohnt. Diesmal spielt der Schlagzeuger mit Bill Frisell (Gitarre) und Wayne Horvitz (Orgel). Das Trio liefert entspannte, bisweilen etwas schräge Jazznummern ab, die aber genau deshalb auch eine gewissen Spannung aufweisen und irgendwie … faszinierend und ein bisschen herb klingen.


Im längsten Stück „The Great Ambassador“ (9:14) etwa – man merkt ihm seine Länge nicht an – treibt Shrieve mit präzisem Spiel Frisell und Horvitz an, ihre Ideen zu präsentieren. „Living With The Law“ ist eher verspielt und melodisch. Die Drums sind stets sehr präsent. Anflüge von Easy Listening gibt es häufig, doch im Spannungsfeld zwischen Entspannung und Spannung passiert einfach zuviel, als dass die Aufmerksamkeit sich in die Hängematte legen könnte.

Ich habe mir die CD wegen Michael Shrieve spontan zugelegt und bin wirklich angetan von diesem Kauf. Mit dem wunderbaren, über acht Minuten lang geheimnisvoll in der See dräuenden „Soundings In Fathoms“ („Wassertiefe in Faden“ – gemeint ist das nautische Längen- und vor allem Tiefenmaß Faden oder Klafter) klingt das Album so aus, dass ich es gleich wieder von Neuem starten könnte …

Donnerstag, 28. Mai 2020

Neal Schon – Electric World (2 CDs 1998)

Mit „Electric World“ legt Gitarrist Neal Schon, der seine Karriere 1971 bei Santana begann und 1973 Journey gründete, ein Soloalbum hin, wie ich es nicht erwartet habe. Mit melodischem Spiel bewegt er sich in der Nähe der Jazzfusion-Musik, irgendwo zwischen Larry Coryell und Weather Report.


Die anderen Musiker sind Walfredo Reyes Jr. (Schlagzeug und Percussion), Alphonso Johnson (Bass) und Michael Carabello (Percussion), die wir allesamt von Santana kennen. Weiterhin Zakir Hussein (Tablas und andere indische Percussion), Igor Len und Kit Walker (Keyboards und diversen Programmierungen), Steve Smith (Schlagzeug) – und bei manchen der 21 Songs spielt Neal Schon sämtliche Instrumente gleich selbst.

Ruhig und ziemlich entspannt läuft die Musik vor sich hin, ohne eintönig zu sein. Denn immer wieder überraschen Einlagen, die beispielsweise aus dem Orient oder aus Andalusien stammen könnten. Alles in allem: ein schönes Album.

Montag, 25. Mai 2020

Mr Hermano – Free As The Morning Sun (CD 2001)

Mr Hermano ist ein Projekt des Songschreibers, DJs, Multiinstrumentalisten und Produzenten Ben Mitchell. Unter diesem Namen bietet er eine hörenswerte und gute Laune verbreitende Version von „Free As The Morning Sun“ im Deep-House-Sound (und daneben in diversen Mixes/Edits) an, bei der vermutlich kaum ein Hörer auf die Idee kommt, dass Carlos Santana den Song geschrieben haben könnte.


Das Stück stammt von einem schönen Soloalbum von Devadip Carlos Santana aus dem Jahr 1979 namens „Oneness. Silver Dreams – Golden Reality“ („Devadip“ ist der Sanskrit-Name, den ihm sein damaliger Guru verliehen hat).


Die Coverversion wird einer der größten Erfolge von Mr Hermano. So fröhlich und mitreißend sie auch wirken mag – an das Original von „Free As The Morning Sun“ mit der Stimme von Greg Walker und der Santana-Percussion kommt sie nicht heran. Dieses klingt zarter, filigraner und dadurch einfach überlegen. Es liefert die musikalische Untermalung für einen perfekten Start in den Tag …

… was nichts daran ändert, dass mir neben dem einen Song auch das restliche Album von Mr Hermano gut gefällt.

Sonntag, 24. Mai 2020

Miles Davis with Benny Rietveld – Live Around The World (CD 1996)

Während der Aufnahmen zum Album „Spirits Dancing In The Flesh“ (1990) findet der in den Niederlanden geborene und später auf Hawaii lebende Bassist Benny Rietveld zu Santana. Bis heute gehört er der Band an.

Benny Rietveld 2010
Weniger bekannt dürfte sein, dass er kurz zuvor – nämlich 1988/89 – Miles Davis auf dessen Welttournee begleitete. Dokumentiert ist dies auf der 1996 erschienenen CD „Miles Davis. Live Around The World“.


Benny Rietveld wirkt bei acht von elf Tracks mit, darunter wunderbaren Songs wie „In A Silent Way“, „Human Nature“, „Amandla“ und „Time After Time“. Miles Davis ist gut drauf, lacht sogar bisweilen.

Nicht dabei ist der Bassist beim letzten Stück „Hannibal“. Dies stammt allerdings auch nicht von der genannten Tour, sondern von Miles Davis‘ letztem Auftritt in der Hollywood Bowl am 25. August 1991. Hier klinge die Trompete wie nicht mehr von dieser Welt – da können sich schon die Nackenhaare aufstellen, heißt es in den Liner Notes. Wenige Tage später erleidet der Musiker einen Schlaganfall. Am 28. September 1991 verstirbt Miles Davis.

Montag, 18. Mai 2020

Michael Shrieve & David Beal – The Big Picture (CD 1989)

Dieses Album ist Steve Lammé gewidmet, dem Erfinder des Elektronischen Schlagzeugs. Es ermöglicht Schlagzeugern, praktisch jeden aufgenommenen Ton abzuspielen, indem sie entsprechend programmierte Sensorflächen anstelle von Schlagfellen betätigen. Dadurch können sie Melodien und vielfältige Klänge erzeugen und erhalten ein erheblich erweitertes Spektrum an Möglichkeiten.


Genau dies nutzen Michael Shrieve und David Beal. „The Big Picture“ ist fast ein reines Percussion-Album, obwohl die Songs durchaus melodiös und teils ein wenig sphärisch klingen. Bei einem Stück sind Streicher hinzugemischt. Weitere Overdubs stammen unter anderem von den Perkussionisten Michael Carabello und Victor Pantoja, die wir – wie Michael Shrieve – von Santana kennen.

Daneben spielen Shrieve und Beal auch gewöhnliche, akustische Drums. So kommt die Musik zwar ein bisschen avantgardistisch und experimentell rüber, ist aber durchaus gefällig und gut hörbar. Melodiöse Drums begleiten rhythmische Drums – ganz einfach.

Freitag, 15. Mai 2020

Jorge Santana gestorben

Gestern, am 14. Mai 2020, ist Jorge Santana im Alter von 68 Jahren gestorben.

Wie sein älterer Bruder Carlos spielte er Gitarre. Er war Mitbegründer der Latinrock-Gruppe Malo, trat auch bei den Fania All-Stars auf und tourte ab und zu mit Santana. Jorge Santana veröffentlichte zudem einige Solo-Alben.

Donnerstag, 7. Mai 2020

Alle Santana-Songs: 675 Titel auf 50 Alben aus 50 Jahren

Auf welchem Santana-Album wurde der Song „The Creator Has A Master Plan“ hinzugefügt? Wie viele Versionen von „Black Magic Woman“ gibt es auf offiziellen Tonträgern? Solche Fragen tauchen immer wieder auf. Da wäre eine komplette Übersicht hilfreich.

Hier finden Sie die Songs von 50 Alben aus 50 Jahren. Das sind immerhin 675 Titel, alphabetisch aufgelistet mitsamt dem jeweiligen Album. Ausgewertet habe ich alle offiziellen (sowie einige weitere) CDs und LPs – vom Debütalbum (1969) bis einschließlich „Africa Speaks" (2019), darunter auch Sondereditionen mit Bonus Tracks, soweit mir bekannt und in meiner Sammlung vorhanden. Reine Best-Of-Scheiben habe ich ignoriert – sie würden die Liste nur unnötig aufblähen. Einige Compilations mit neuen Songs sind allerdings dabei. Und Live-Mitschnitte sowieso.

Dass es nun genau 50 Alben aus 50 Jahren sind hat sich ohne Absicht freundlicherweise einfach so ergeben. Es sind die folgenden Alben, die ich in meinem Buch „Carlos Santana und Band“ vorgestellt habe, ergänzt um seitdem hinzugekommene Neuerscheinungen (*):

1. Santana: Santana
2. Santana: The Woodstock Experience*
3. Santana: Abraxas
4. Santana: Tanglewood 1970*
5. Santana: Santana III
6. Carlos Santana, Buddy Miles: Carlos Santana & Buddy Miles! Live!
7. Santana: Caravanserai
8. Carlos Santana, Mahavishnu John McLaughlin: Love Devotion Surrender
9. Santana: Welcome
10. Santana: Lotus (Complete Edition*)
11. Devadip Carlos Santana, Turiyah Alice Coltrane: Illuminations
12. Santana: Borboletta
13. Santana: Amigos
14. Santana: Festivál
15. Santana: Moonflower
16. Greg Errico, Carlos Santana, Herbie Hancock, Lee Oskar: Giants
17. Santana: Inner Secrets
18. Carlos Santana: Oneness
19. Santana: Marathon
20. Devadip Carlos Santana: The Swing Of Delight
21. Santana: Zebop!
22. Santana: Shangó
23. Carlos Santana: Havana Moon
24. Santana: Beyond Appearances
25. Santana: Freedom
26. Santana: Blues For Salvador
27. Santana: Viva Santana!
28. Santana: Spirits Dancing In The Flesh
29. Santana: Milagro
30. Santana: Sacred Fire
31. Carlos Santana, Jorge Santana, Carlos Hernandez: Santana Brothers
32. Santana: Dance Of The Rainbow Serpent
33. Santana: Live At The Fillmore '68
34. Santana: Supernatural
35. Carlos Santana, Bill Laswell: Divine Light
36. Santana: Shaman
37. Santana: Ceremony
38. Santana: Food For Thought
39. Santana: All That I Am
40. Carlos Santana, Wayne Shorter: Live From The 1988 Montreux Jazz Festival
41. Santana: Ultimate Santana
42. Santana: Guitar Heaven*
43. Santana: Shape Shifter*
44. Santana: Corazon*
45. Santana: Corazon • Live From Mexico 2014*
46. Santana: Santana IV*
47. Santana: Santana IV • Live At The House Of Blues, Las Vegas*
48. The Isley Brothers & Santana: Power Of Peace*
49. Santana: In Search Of Mona Lisa*
50. Santana: Africa Speaks*

Viel Spaß beim Stöbern.

Donnerstag, 23. April 2020

Gregg Rolie – Roots (CD 2001)

Gregg Rolie war schon bei den frühesten Anfängen Santanas mit von der Partie. Seine Hammond-B3 und sein Gesang prägten die Musik maßgeblich. Nach „Caravanserai“ verließen er und Neal Schon Santana, um Journey zu gründen. Später startete Gregg Rolie eine erfolgreiche Solo-Karriere. Seit einigen Jahren ist er zudem Dauergast bei dem Ex-Beatle Ringo And His All Starr’s.


„Roots“ erschien 2001. Der Titel scheint Programm zu sein. Wer Rolies Wurzeln bei Santana sucht, wird leicht fündig. Mitwirkende auf diesem Album sind nämlich unter anderem Michael Carabello (Congas, Percussion), Neal Schon (Lead Guitar bei „Breakin‘ My Heart“), Alphonso Johnson (Bass Guitar) und Adrian Areas (der Sohn von José „Chepito“ Areas – Timbales, Bongos, Percussion).


Die Musik ist meist nicht so weit weg von Santana, man lausche nur „Down To Rio“, „Ordinary Man“, „Going Home“ (was auch der Abraxas Pool spielt), „Breakin‘ My Heart“ und dem wunderbaren „Orient Express“. Das ist einfach feine, gefühlvolle, warme und fröhliche Musik. Bei „Roots“ fühlt sich ein Santana-Fan wirklich wie zu Hause – ein sehr schönes Album.

Dienstag, 21. April 2020

Michael Shrieve, Kevin Shrieve, Klaus Schulze – Transfer Station Blue (CD 1986)

Michael Shrieve dürfte wohl so ziemlich jeder von seinem legendären Schlagzeugsolo bei „Soul Sacrifice“ im Woodstock-Film kennen. Sein Einfluss auf Carlos Santana kann kaum überschätzt werden, denn er weckte Carlos' Interesse für Jazzmusiker wie Miles Davis und John Coltrane. Vermutlich ist es vor allem Michael Shrieve zu verdanken, dass Santana die wunderbaren Alben „Caravanserai“, „Welcome“ und „Borboletta“ erschaffen konnte. Bezeichnend ist, dass diese inspirierte und spirituelle Phase ihr jähes Ende fand, als er sich nach „Borboletta“ spontan verabschiedete.

Michael Shrieve verließ Santana 1974 für eine Solo-Karriere, die ihn in recht unterschiedliche Bereiche der Musik führte. Er begleitete diverse Jazzmusiker, die Rolling Stones, ehemalige Santana-Kollegen und driftete beispielsweise auch in elektronische Sphären wie das Projekt Go mit Stomu Yamashta, Steve Winwood, Al Di Meola und Klaus Schulze oder weitere Projekte mit dem deutschen Elektroniker Klaus Schulze. Hierzu gehört „Transfer Station Blue“.


Auf dieser CD spielen also Michael Shrieve (Schlagzeug, Timbales, Simmons Electronic Drums), Kevin Shrieve (Gitarren, Wurlitzer Electronic Piano), Klaus Schulze (Synthesizers: Yamaha C.S. 80, Fairlight GDS, PPG Wave 2.3) sowie auf dem Titelsong Will Lee (Bass), Sammy Figueroa (Congas) und Hiram Bullock (Rhythmusgitarre).

Die Titel sind „Communiqué: ‚Approach Spiral‘“ (13:28), „Nucleotide” (4:48), „Transfer Station Blue“ (12:08) und „View From The Window“ (7:17). Alles klingt vor allem nach Klaus Schulze – entspannende Ambient Music mit spannenden Schlagzeug-Akzenten. Der Titelsong gerät sogar fast ein wenig rockig. Ein sehr schönes Album.

Montag, 20. April 2020

Neal Schon plays Jimi Hendrix: Paul Rodgers & Company – The Hendrix Set (EP 1993)

Am besten spielt natürlich Jimi Hendrix seine eigene Musik. Es gibt jedoch einige Gitarristen, die das ebenfalls prima hinbekommen, allen voran Gary Moore und Steve Ray Vaughan. Dass auch der Ex-Santana- und Ex-Journey-Gitarrist Neal Schon Hendrix-Titel im Repertoire hat, wurde mir erst kürzlich bewusst, als mir die CD (genau genommen EP, weil sie nur fünf Stücke enthält) „The Hendrix Set“ von Paul Rodgers And Company in die Hände fiel.


Paul Rodgers (Lead Vocals) kennen wir als Sänger von Free und Bad Company. And Company sind Neal Schon (Gitarre), Todd Jensen (Bass) und Deen Castronovo (Drums). Aufgenommen wurden die Songs live in Miami, Florida am 4. Juli 1993.


Die Stafette beginnt mit „Purple Haze“. Sehr anständig. „Stone Free“ wird etwa ab der Mitte zu einem Medley aus „3rd Stone Frome The Sun“ (Hendrix), „I Feel Free“ (Cream) und „Gypsy Queen“ (Santana – beginnend mit dem Übergang von „Black Magic Woman“ zu „Gypsy Queen“, der ja dem „3rd Stone“ entnommen ist). Klasse gemacht. „Little Wing“, „Manic Depression“ und „Foxy Lady“ lassen ebenfalls Hendrix wieder auferstehen. Neal Schon mischt zwar ein wenig seinen eigenen Sound hinein, spielt aber dennoch sehr Hendrix-mäßig. Auch die Kollegen machen ihre Sache gut. Und so ist diese Scheibe zwar hörens- und empfehlenswert, aber nicht mehr leicht zu finden.

Sonntag, 9. Februar 2020

Michael Carabello – The Primitive Medicine Sessions Vol. 1 (2018)

Michael Carabello war der allererste Congaspieler bei Santana. Er war überhaupt der erste Musiker der Band vom Debütalbum und von Woodstock, der auf Carlos Santana traf und mit ihm Musik machte. Die anderen – Gregg Rolie, David Brown, José „Chepito“ Areas und Michael Schrieve – fanden erst im Lauf der Zeit zu Santana. Es dauerte wohl fast drei Jahre, bis sie alle glücklich versammelt waren. Neal Schon kam zum dritten Album hinzu.

Das großartige Eröffnungsstück „Singing Winds, Crying Beasts“ auf dem zweiten Album „Abraxas“ stammt von Michael Carabello. Im Woodstock-Film fällt er durch seinen Afro-Haarschnitt und seinen Fu-Manchu-Bart auf. Beide sind lange verschwunden. Congas spielt er noch immer. Er ist nach wie vor mit Carlos Santana und anderen Musikern der frühen Band (Gregg Rolie, Michael Shrieve, Neal Schon) befreundet und war auch bei „Santana IV“ (2016) und weiteren gemeinsamen Projekten dabei.


Am 31. Oktober 2018 veröffentlichte er ein Solo-Album: „The Primitive Medicine Sessions Vol. 1“. Naja, Album ist übertrieben. Es sind vier Songs, die auch nur auf diversen Plattformen als Download zur Verfügung stehen. Aber sie lohnen sich: „Es‘ Sae“ heizt kräftig los – ein Rausch mit spanischer Flamencogitarre, Kastagnetten und einem Gesang, der irgendwo zwischen Spanien, Arabien und Persien anzusiedeln ist. „Cry Of The Whale“ driftet sphärisch in Jazz und Ambient Music, ist aber ebenfalls von einem flotten Rhythmus getrieben. Da Angaben zu den Musikern leider fehlen, kann ich nur vermuten, dass wir an der Gitarre hier und auf den nächsten beiden Stücken Neal Schon hören. „Something Must Change“ ist eine berührende Ballade mit inspirierender Gitarre und sehr ansprechenden Vocals – ein kritischer Blick auf den Umgang der Gesellschaft mit Obdachlosen. „Cafe Bello“ groovt rockig und extrem tanzbar vor sich hin.

Das sind vier wirklich feine und abwechslungsreiche Stücke, unbedingt empfehlenswert. Bedauerlich ist lediglich, dass ich keine weiteren Infos finde.