Posts mit dem Label Abraxas werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Abraxas werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 1. Oktober 2024

David Crosby – If I Could Only Remember My Name (1971)

Das erste Soloalbum von David Crosby ist alles andere als ein Soloalbum. Viele Kollegen besuchten ihn während der Aufnahmen in den Wally Heider Studios in San Francisco und machten einfach mit – siehe die Liste unten. Musiker von den Grateful Dead, Jefferson Airplane und Santana sowie Neil Young und andere gaben sich die Klinke in die Hand und trugen zur Musik bei. Und so ist von dem vielleicht geplanten Folkrock gar nicht mehr viel übriggeblieben. Die Songs entwickeln sich zu eher rockigen Jamsessions, in denen es nicht immer geordnet zugeht, und driften gelegentlich in psychedelische Gefilde ab. Ich bin begeistert darüber, „If I Could Only Remember My Name“ entdeckt zu haben.



Kritiker konnten mit dieser seltsamen Musik seinerzeit nicht viel anfangen. Das änderte sich freilich im Laufe der Jahrzehnte und inzwischen ist die Scheibe hoch angesehen und gilt als wegweisend.


Wally Heider Studios? Falls es da bei dem einen oder anderen Fan klingelt … in diesen Studios entstand Santanas zweites Album „Abraxas“ (1970). Daher ist nicht verwunderlich, dass Michael Shrieve und Gregg Rolie an ihren Tatort zurückkehrten. Michael Shrieve hat Track 5 „What Are Their Names“ mitgeschrieben und spielt Schlagzeug. Bei Track 7 „Song with No Words (Tree with No Leaves)” ist er ebenfalls dabei und Gregg Rolie spielt das Piano. Daher hat sich das Album auch für meinen Santana-Blog qualifiziert. Die Congas in Track 1 „Music Is Love“ spielt allerdings niemand von Santana, sondern Neil Young.


Und hier die Credits, die ich im Internet recherchieren musste, da sie auf der CD fehlen:
  • David Crosby – vocals, guitars
  • Graham Nash – guitar, vocals („Music Is Love“/„Tamalpais High“/„Laughing“/„What Are Their Names“/„Traction in the Rain“/„Song with No Words“)
  • Jerry Garcia – electric guitar („Cowboy Movie“/„Tamalpais High“/„What Are Their Names“/„Song with No Words“); pedal steel guitar („Laughing“); guitars („Kids and Dogs“); vocal („What Are Their Names“)
  • Neil Young – guitars, vocals („Music Is Love“/„What Are Their Names“); bass, vibraphone, congas („Music Is Love“)
  • Jorma Kaukonen – electric guitar („Tamalpais High“/„Song with No Words“)
  • Laura Allan – autoharp, vocal („Traction in the Rain“)
  • Gregg Rolie – piano („Song with No Words“)
  • Phil Lesh – bass („Cowboy Movie“/„Tamalpais High“/„Laughing“/„What Are Their Names“); vocal („What Are Their Names“)
  • Jack Casady – bass („Song with No Words“)
  • Bill Kreutzmann – drums („Tamalpais High“/„Laughing“); tambourine („Cowboy Movie“)
  • Michael Shrieve – drums („What Are Their Names“/„Song with No Words“)
  • Mickey Hart – drums („Cowboy Movie“)
  • Joni Mitchell – vocals („Laughing“/„What Are Their Names“)
  • David Freiberg, Paul Kantner, Grace Slick – vocals („What Are Their Names“)

Sonntag, 26. November 2023

Santana – Black Magic Woman/Gypsy Queen (1970)

„Abraxas“, das zweite Album von Santana, erschien 1970. Es enthält mehrere Songs, die große Hits wurden, beispielsweise „Samba Pa Ti“, „Oye Como Va“ und „Black Magic Woman/Gypsy Queen“.

Santana – mit „Black Magic Woman/Gypsy Queen“ (1970)
Das von Peter Green (dem frühen Kopf und Mitbegründer von Fleetwood Mac) geschriebene „Black Magic Woman“ wirkt bei Fleetwood Mac recht herb und farblos. Bei Santana hingegen blüht es förmlich auf und ist ohne das geniale Keyboard-Intro von Gregg Rolie sowie das angehängte „Gypsy Queen“ von Gábor Szabó kaum noch vorstellbar. Die fabelhafte Kopplung dieser beiden Coverversionen erfreut uns auf diversen Livealben und natürlich in den meisten Konzerten. Selbst die Jazzsängerin und Pianistin Patricia Barber spielt ihre moderne Interpretation von „Black Magic Woman“ in der Santana-Version mit dem Rolie-Intro und – als ginge es nicht anders – dem angehängten „Gypsy Queen“.

„Peter Green erhält die Tantiemen“, stellt Carlos fest. „Doch es ist jetzt unser ‚Black Magic Woman‘. Für mich kommt ‚Black Magic Woman‘ von ‚All Your Love (I Miss Loving)‘ [singt es vor]. Für mich ist es dasselbe Ding, nur mit einem anderen Text. Mindestens zwei- oder dreimal im Jahr überweise ich einen nennenswerten Betrag an Otis Rush. Ich muss … und ich werde es weiterhin tun, um den Song zu ehren, den ich jeden Abend spiele“.

Otis Rush – mit „All Your Love (I Miss Loving)“ (1958)
„Michael Shrieve [Schlagzeug] stieß mich auf diesen Song“, erinnert sich Gregg Rolie. „Er wusste, dass ich ein Fan von Peter Green war, als er bei den Bluesbreakers den Song ‚Supernatural‘ spielte. Er war ein außergewöhnlicher Gitarrist – das ist er noch immer. Michael brachte mir also ein Fleetwood-Mac-Album [vermutlich ‚English Rose‘] mit und fragte, ob es mir gefällt. Ich pickte mir diesen Song heraus und liebte ihn. Bei meiner Keyboard-Eröffnung spielte ich die Noten A, C und D. Und Carlos meinte: ‚Nimm ein H dazu‘.“ Die Folge von 13 Keyboardtönen (C-D-A-C-D-A-H-D-C-D-A-C-D) wird mehrfach wiederholt. Es geht jeweils um den siebten Ton, bei dem ein H das ursprüngliche C ersetzt. „Ich fragte mich erst, was das soll. Doch tatsächlich veränderte dieses simple H alles und machte daraus unser Markenzeichen“.

© Pearce Marchbank, Ellen Dale: „Santana“ (28 Songs) (1974)
„Es ist zunächst ein Piano-Intro mit Becken, die Michael Shrieve und ich uns ausdachten“, erklärt Michael Carabello [Congas] weiter. Dann setzt die Percussion ein, die den Beat aufgreift, der direkt vorher schon „Singing Winds, Crying Beasts“ antreibt. „Es ist ein hübscher kleiner brasilianischer Beat, den ich damals als Teenager bei den Congasessions im Aquatic Park gelernt habe. Und Michael Shrieve begleitet ihn mit seinen Becken instinktiv ebenfalls in brasilianischer Weise“.

„Wir haben es nie arrangiert“, so Carlos. „Es ergab sich einfach so. Ich habe nie geahnt, dass es ein so wichtiger Bestandteil unserer Identität werden würde. Das einzige Arrangement bestand darin, zu spielen. Niemand hat es im engeren Sinne für die Band arrangiert. Wir sagten, lasst uns dies ausprobieren, ich spiele das und du versuchst jenes – so ungefähr“.

Fleetwood Mac – mit „Black Magic Woman“ (1968)
Und Gregg Rolie: „Ich liebte den Song und ich liebe ihn noch immer. Okay, heute fühlt es sich ein bisschen anders an, doch er ist ein Stück von mir. Und wenn ich den Song nach vierzig Jahren noch immer gerne spiele, muss er wirklich etwas ganz Besonderes an sich haben. Es ist seine Einfachheit. Es ist ein rundherum guter Song mit einer Blues-Basis, die absolut mir entspricht und die jeder versteht. ‚Black Magic Woman‘ ist das einzige Stück, das ich in meiner Zeit bei Santana nur einmal gesungen habe. Mit anderen Worten: Ihr hört, was ich beim ersten Mal gesungen habe. Ich habe absolut nichts daran geändert. Ich habe zwei Strophen gesungen, dann ging etwas im Studio kaputt, was sie reparieren mussten. Vielleicht zwanzig Minuten später kam ich zurück, sang die letzte Strophe und das war‘s“.

Gábor Szabó – mit „Gypsy Queen“ (1966)
Für „nie arrangiert“ ist das Arrangement herausragend. Besondere Aufmerksamkeit verdient die zwölfsekündige Brücke zu „Gypsy Queen“, die es in sich hat. Großartig ist etwa, wie David Brown mit seinem Bass entspannt den Tempowechsel begleitet. Der Bass-Lick aus acht absteigenden Tönen am Ende von „Black Magic Woman“ stammt aus dem Original von „Gypsy Queen“ auf dem Album „Spellbinder“, wo Szabó ihn zum Ende hin dreimal in ähnlicher Weise seiner Gitarre entlockt.

Jimi Hendrix – mit „3rd Stone from the Sun“ (1967)
Noch während der Bridge und genau einen Takt, bevor Carlos das „Gypsy Queen“ anstimmt (ab 3:43), startet ein anhaltender Groove wie bei „3rd Stone from the Sun“ von Jimi Hendrix. Es ist die Passage auf dem Hendrix-Album „Are You Experienced?“ mit dem treibenden Bass von Noel Redding und dem filigranen Schlagzeug von Mitch Mitchell (ab 2:30). Jahre später bestätigt Carlos: „‚Gypsy Queen‘ ist purer Gábor Szabó mit einem bisschen Jimi“. Wobei man darüber diskutieren kann, ob der Grundrhythmus in Santanas „Gypsy Queen“ sich eher an Gábor Szabós Vorlage oder ebenfalls an „3rd Stone from the Sun“ orientiert. Tatsächlich ist es wohl ein Mix von beidem – und beides passt unglaublich gut zusammen. Mir scheint, dass der Groove mit Reddings Basslauf nach der Bridge einfach von David Brown beibehalten und Szabós Melodie hinzugefügt wird. Und die feinziselierten Drum Pattern von Mitchell teilen nun Congas, Timbales und Schlagzeug gekonnt untereinander auf. Carabello, „Chepito“ und Shrieve – jeder erhält seinen eigenen Einsatz. Das Ergebnis ist jedenfalls richtig stark und unterstreicht die Klasse und den Teamgeist dieser Percussionsection. Je mehr ich mir dieser feinen Details bewusstwerde, desto größer wird mein Respekt vor der kreativen Leistung der Santana-Musiker und desto mehr schätze ich dieses Meisterwerk.

Freitag, 23. Oktober 2020

Santana – Abraxas (Limited Edition) (SACD 2020)

Für den 28. Oktober 2020 – also quasi zum 50-jährigen Jubiläum – ist eine Limited Edition von Santanas zweitem Album „Abraxas“ (1970) angekündigt. Sie erscheint als Multichannel-Hybrid-SACD mit Quadrophonic Sound im 7-Inch-Format, importiert aus JapanDie Größenangabe bezieht sich natürlich nur auf die Box und nicht auf den Tonträger, der selbstverständlich in jeden CD-Spieler passt.


Hier soll das Quadrophonic-LP-Design aus Japan originalgetreu nachgebildet worden sein. Enthalten sind auch Drucke japanischer Single-Cover und eines Werbeplakats. Klingt teuer … und ist teuer. Auf der Scheibe werden sich vermutlich nur die neun Tracks des Originalalbums befinden.


Eine ebensolche Ausgabe des Debütalbums „Santana“ (1969) als 7-Inch-SACD mit beiliegenden Drucken und ebenfalls neun Tracks erschien bereits am 23. September 2020.

Sonntag, 9. Februar 2020

Michael Carabello – The Primitive Medicine Sessions Vol. 1 (2018)

Michael Carabello war der allererste Congaspieler bei Santana. Er war überhaupt der erste Musiker der Band vom Debütalbum und von Woodstock, der auf Carlos Santana traf und mit ihm Musik machte. Die anderen – Gregg Rolie, David Brown, José „Chepito“ Areas und Michael Schrieve – fanden erst im Lauf der Zeit zu Santana. Es dauerte wohl fast drei Jahre, bis sie alle glücklich versammelt waren. Neal Schon kam zum dritten Album hinzu.

Das großartige Eröffnungsstück „Singing Winds, Crying Beasts“ auf dem zweiten Album „Abraxas“ stammt von Michael Carabello. Im Woodstock-Film fällt er durch seinen Afro-Haarschnitt und seinen Fu-Manchu-Bart auf. Beide sind lange verschwunden. Congas spielt er noch immer. Er ist nach wie vor mit Carlos Santana und anderen Musikern der frühen Band (Gregg Rolie, Michael Shrieve, Neal Schon) befreundet und war auch bei „Santana IV“ (2016) und weiteren gemeinsamen Projekten dabei.


Am 31. Oktober 2018 veröffentlichte er ein Solo-Album: „The Primitive Medicine Sessions Vol. 1“. Naja, Album ist übertrieben. Es sind vier Songs, die auch nur auf diversen Plattformen als Download zur Verfügung stehen. Aber sie lohnen sich: „Es‘ Sae“ heizt kräftig los – ein Rausch mit spanischer Flamencogitarre, Kastagnetten und einem Gesang, der irgendwo zwischen Spanien, Arabien und Persien anzusiedeln ist. „Cry Of The Whale“ driftet sphärisch in Jazz und Ambient Music, ist aber ebenfalls von einem flotten Rhythmus getrieben. Da Angaben zu den Musikern leider fehlen, kann ich nur vermuten, dass wir an der Gitarre hier und auf den nächsten beiden Stücken Neal Schon hören. „Something Must Change“ ist eine berührende Ballade mit inspirierender Gitarre und sehr ansprechenden Vocals – ein kritischer Blick auf den Umgang der Gesellschaft mit Obdachlosen. „Cafe Bello“ groovt rockig und extrem tanzbar vor sich hin.

Das sind vier wirklich feine und abwechslungsreiche Stücke, unbedingt empfehlenswert. Bedauerlich ist lediglich, dass ich keine weiteren Infos finde. „Primitive Medicine, Vol. 2“ erscheint übrigens 2022.

Freitag, 18. Januar 2019

Kommt eine 50th Anniversary Collector’s Edition von „Abraxas“?

2020 wird „Abraxas“ ein halbes Jahrhundert alt (zur Symbolik des Covers siehe hier). Dürfen wir zu diesem Jubiläum auf eine Sammlerbox mit allerlei Zusatzmaterial hoffen?


Von „Santana“ (1969) und „Santana 3“ (1971) gab die Plattenfirma jeweils zum 35. Jubiläum (2004 und 2006) eine Legacy Edition mit 2 CDs heraus. Neben Bonus Tracks auf CD 1 wurden auf CD 2 Live-Mitschnitte und andere Aufnahmen hinzugefügt.

Von „Abraxas“ (1970) folgte bislang nichts dergleichen. Dabei enthält dieses Meisterwerk mit „Black Magic Woman/Gypsy Queen“, „Oye Como Va“ und „Samba Pa Ti“ einige der wichtigsten und nachhaltigsten Hits der Band.

Ich denke, dass die Plattenfirma für dieses Album andere Pläne hat. Und daher erwarte ich für 2020 oder sogar schon für Herbst 2019 eine üppig ausgestattete Box mit reichlich Zusatzmaterial und einem Konzertmitschnitt aus jener Zeit auf DVD. Ob das wohl klappt?

Nachtrag vom 23. Oktober 2020: Eine Legacy Edition wird es nicht geben, dafür aber eine SACD mit besonderer Ausstattung.

Samstag, 31. Dezember 2016

Neue Wanduhr

Seit gestern haben meine Frau und ich eine neue Wanduhr (zum Vergrößern könnt ihr auf das Bild klicken). Sie hat einen Durchmesser von 29 Zentimetern und hängt natürlich im Wohnzimmer, wo die gute Musik läuft. Mit diesem Schmuckstück können wir gut gelaunt ins neue Jahr starten… :-)


Das Zifferblatt aus Glas zeigt einen Ausschnitt aus dem Bild "Annunciation" von Mati Klarwein, welches durch das Cover von Santanas zweitem Album "Abraxas" bekannt wurde. Mehr zum Inhalt und der Symbolik des Bildes habe ich in einem älteren Post geschrieben.


Als ich nach dem Aufhängen der Uhr die entsprechende CD hören wollte, fand ich die Picture-CD sehr passend. Hier wurde ebenfalls versucht, das Eckige ins Runde zu bringen. Nur muss ich gestehen, dass mir der Bildausschnitt der Uhr besser gefällt. Was meint ihr?

Samstag, 23. April 2016

Black Magic Woman

Der 23. April ist der "Tag des deutschen Bieres". Aber was hat Bier mit Santana zu tun? Eigentlich eher wenig, stimmt. Bis auf dieses hier (siehe Foto), von dem Freunde mir eine Flasche mitgebracht haben, da sie wissen, welche Musik ich am liebsten mag. Okay, es ist kein deutsches Bier, aber diesen Tag nehme ich zum Anlass, darüber zu berichten.


Es heißt "Black Magic Woman", stammt von der dänischen Brauerei Hornbeer aus Kirke Hyllinge, enthält 10 Prozent Alkohol und ist sehr schwarz, sehr bitter und zugleich sehr vollmundig. Um sich auf diese schwarzmagische Frau einzulassen, braucht es schon echte Wikinger, die so schnell nix umhaut.

Das auf dem Etikett verwendete Bild stammt übrigens von der dänischen Malerin Gunhild Rasmussen.

Samstag, 14. März 2015

Die Symbolik von Abraxas (1970)

"Abraxas" das zweite Album von Santana, erschien 1970. Bemerkenswert ist das etwas mystische Cover, für das ein Werk des 1932 in Hamburg geborenen Künstlers Mati Klarwein ausgewählt wurde. Das Bild mit dem Titel "Annonciation" (Ankündigung) entstand 1962 und ist eine provokative Interpretation des Moments, in dem Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria die Geburt Jesu ankündigt. Da ich im Besitz eines großformatigen Kunstdrucks (plattensigniert, Auflage 9.800 Exemplare) bin, den ich einscannen konnte, lassen sich Details hier viel klarer erkennen als auf dem vergleichsweise grob gedruckten Plattencover.


"Annonciation" war zunächst Bestandteil des "Aleph Sanctuary", eines würfelförmigen, als Tempel aller Religionen gedachten Raumes mit 68 Bildern, darunter auch einigen biblischen Motiven wie diesem. Congaspieler Michael Carabello hatte sowohl die Idee für das Cover, als auch für den Albumtitel "Abraxas". Neben dem Cover für Miles Davis' "Bitches Brew" hat es wohl am meisten zu Klarweins internationalem Bekanntheitsgrad beigetragen.

"Annonciation" steckt voller Symbole und humorvoller Ideen. Auf einige von ihnen möchte ich in diesem Beitrag gerne einmal hinweisen.

Frauen und Mati


Klarwein verwendete keine Fotos als Vorlagen für seine Frauenbilder. Er brauchte die erotische Spannung echter Modelle in seinem Atelier. Für den roten, tätowierten Engel Gabriel posierte eine Frau mit ihrem linken Knie auf einem Stuhl, die sich an einem Band festhielt, welches von der Decke hing. Es war ein Bauernmädchen aus Guadeloupe, keine Tänzerin (wie der Maler betont). Durchtrainiert war sie vom Gemüse schleppen. Klarwein entdeckte sie in einer Kunstschule, wo sie für Studenten Modell saß.


Mit dem rechten Zeigefinger deutet der Engel zum Himmel auf das Aleph-Symbol, den ersten Buchstaben des hebräischen Alphabets, welches für den Anfang steht. Die Conga dient der Ankündigung, denn Trommeln benutzte man in Afrika seit jeher zur Kommunikation.


Die dunkelhäutige, nackte Maria – als Modell diente eine Muse Klarweins – ist umgeben von Zeichen der Fruchtbarkeit wie dem geöffneten Ei, aus dem Blumen sprießen, und üppigen Früchten. Die weiße Taube vor ihr steht für Reinheit, für die unbefleckte Empfängnis. Dass die Conga eine Linie zwischen dem Schoß der Maria und dem Kopf mit Hut (Josef) bildet, ist kein Zufall.


Dieser zeigt nämlich Mati Klarwein selbst, der nach eigenen Worten in dem Alter von Frauen besessen war.


Ein zweites Mal taucht sein Gesicht hinter der Mauerecke links von Marias Kopf auf.


Das Bild auf dem Tisch rechts von Maria zeigt den Kopf des Engels mit vertauschten Farben – blaue Haut und rote Tattoos – und auf dem Rahmen die Worte Abdul und Mati – so nannte Klarwein sich mit Vornamen. Die hebräische Inschrift rechts des Gesichts ist ein Zitat aus den Schriftrollen Salomons und lautet "Everything is Nonsense" (Buch Kohelet 1,2: "Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch.").

Die Wodaabe


Die drei herausgeputzten Menschen hinter dem linken Selbstporträt sind Wodaabe-Tänzer. Sie stehen für die Heiligen Drei Könige. Werner Herzog porträtierte sie 1990 im Dokumentarfilm "Wodaabe – Hirten der Sonne". Es handelt sich um ein Nomadenvolk, das überwiegend in Niger lebt.


Ihr traditioneller, jährlicher Höhepunkt ist ein mehrtägiges Brautwerbungsritual, bei dem die Männer sich aufwändig schminken und kleiden und in einem Tanzwettbewerb antreten, während die Frauen die Wahl haben. Besonders attraktiv sind Männer für die weibliche Jury, wenn sie ein Auge still halten und mit dem anderen rollen können, weshalb Klarwein sie mit entsprechenden Grimassen in Szene gesetzt hat.

Die Bucht


Unterhalb der Conga ist die Bucht von Deià (Cala de Deyà) auf Mallorca zu sehen.


Klarwein lebte mehrere Jahre lang auf der Insel (und starb dort 2002). Von seinem Atelier aus blickte er auf die hier eingefangene Bucht mit ihren Häusern und einem offenen Fischrestaurant sowie den Terrassenfeldern.

Der Name


"Abraxas" ist ein symbolträchtiger Begriff und der Name einer antiken Gottheit, nämlich des Herrn sämtlicher Himmel, von denen es nach gnostischem Glauben genau 365 gibt. Zu jedem gehört ein Tag des Jahreslaufs. Nicht zufällig hat das Wort "Abraxas" (vermutlich durch einen Buchstabendreher aus "Abrasax" entstanden) den Zahlenwert 365 im griechischen Alphabet (α + β + ρ + α + ξ + α + ς = 1 + 2 + 100 + 1 + 60 + 1 + 200 = 365) und besteht aus der magischen Menge von sieben Buchstaben.

"Abraxas" begegnet den Musikern in der Erzählung "Demian" von Hermann Hesse, einer damaligen Kultlektüre junger Amerikaner, die sie auf dem Cover sogar zitieren. Der Wortlaut im Original (6. Kapitel): "Ich stand davor und wurde vor innerer Anstrengung kalt bis in die Brust hinein. Ich fragte das Bild, ich klagte es an, ich liebkoste es, ich betete zu ihm; ich nannte es Mutter, ich nannte es Geliebte, nannte es Hure und Dirne, nannte es Abraxas". Mehrfach heißt es dort, dass Abraxas sowohl Gott als auch Teufel sei, dass er die lichte und die dunkle Welt in sich trage. Und indem Santana sich ausdrücklich auf dieses Buch und diese Gestalt bezieht, pflegt die Band unterschwellig ihr Image, aufregend anders, wild, exotisch, gar einen Hauch dämonisch zu sein – wie die afrikanischen Wurzeln ihrer Musik. Man kann es sich heutzutage kaum vorstellen, aber damals hat Santana tatsächlich dieses Flair um sich verbreitet.

Das Logo


Außerdem taucht auf "Abraxas" erstmals der ausdrucksvolle Santana-Schriftzug auf, fortan ein Erkennungszeichen der Band.


Er stammt von Robert Venosa, der später auch das Cover von "Oneness" und das Logo von Carlos Santanas kurzlebigem Plattenlabel "Guts & Grace" entwirft. Mehr darüber gibt es hier.