Posts mit dem Label Journey werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Journey werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 15. Februar 2026

Das Geheimnis des „Song of the Wind“ von „Viva Santana!“ (2 CDs 1988)

Im Oktober 1988 erscheint „Viva Santana!“. Es enthält viele große Hits und diverse bislang unveröffentlichte Live-Mitschnitte von Santana. Dem Album liegt ein umfangreiches Booklet bei, in dem Carlos Santana Geschichten und Gedanken zu den von ihm ausgewählten Stücken teilt. Allerdings scheint nicht jede Information zu stimmen … und so schwebt manches Fragezeichen im Raum (mehr hier).


Eines davon betrifft den „Song of the Wind“. Er wird wohl – anders als angegeben – nicht im Frühjahr 1977 in Paris aufgenommen, denn 1977 gibt es kein Santana-Konzert in Paris. Außerdem gehört der Song in jener Zeit nicht zum üblichen Tourprogramm. Allerdings sind Ausnahmen bei Santana immer möglich. Am 14. November 1976 in Edinburgh etwa findet sich der „Song of the Wind“ sogar gemeinsam mit „Just in Time to See the Sun“ – ebenfalls von „Caravanserai“ (1972) – auf der Set List. Und besser noch … Gastmusiker sind die ehemaligen Santana- und aktuellen Journey-Mitglieder Gregg Rolie und Neal Schon, was bei vielen Fans das Herz höherschlagen lässt. Denn Santana wird auf der Europa-Etappe der „Amigos“-Tour vom 5. November bis 15. Dezember 1976 – also auch vom 5. bis 7. Dezember in Paris – von Journey als Special Guests begleitet. Daher vermute ich, dass dieser Mitschnitt tatsächlich von einem jener gemeinsamen Auftritte auf der Europa-Tour und vielleicht eben doch aus Paris stammt. Und dass wir hier Gregg Rolie und Neal Schon hören, wie 1972 im Original. Das wäre freilich ein Highlight, welches uns ruhig hätte verraten werden dürfen.

Booklet zum CD-Set „Viva Santana!“, S. 30
Auf „Caravanserai“ ist es praktisch unmöglich, die phänomenalen Gitarrensoli den beiden Gitarristen Carlos und Neal zuzuordnen. Bei dieser Version stehen wir vor derselben Herausforderung. Dennoch will ich es einmal wagen und bitte andere Fans ausdrücklich darum, mich gegebenenfalls zu korrigieren, zumal meine Theorie (dass Neal Schon und Gregg Rolie hier mitwirken) immerhin falsch sein kann. Schaut und horcht doch gerne mal in eure Archive … vielleicht kriegen wir das Geheimnis gelüftet.

Ich denke, nach wenigen Akkorden von Carlos spielt Neal sein erstes Solo von 0:25 bis 1:35. Dann übernimmt Carlos von 1:39 bis 3:48. Ab 3:49 wechselt die Gitarrenarbeit fast unmerklich wieder zu Neal. Und ab 4:44 ist deutlich zu vernehmen, dass zwei Gitarren im Spiel sind, doch da wird der Song schon ausgeblendet und läuft nur noch wenige Sekunden lang. Wow, was für ein Erlebnis!

Mittwoch, 12. Juli 2023

Neal Schon & Gregg Rolie – Journey Through Time (2023)

Nach den Aufnahmen für „Caravanserai“ (1972) verließen Neal Schon (Gitarre) und Gregg Rolie (Hammondorgel und Gesang) Santana, um 1973 ihr neues Projekt Journey zu gründen. Neal Schon wirkt als einziges Mitglied ohne Unterbrechung noch heute bei Journey. Gregg Rolie stieg 1980 aus, weil er von Tourneen die Nase voll hatte, eine Familie gründen und Soloprojekte verfolgen wollte.


Über die Jahre trafen die beiden immer wieder für gemeinsame Projekte wie „Abraxas Pool“ (1997), „Santana IV“ (2016) oder bei Soloalben aufeinander. Und dann, am 9. Februar 2018, kam es zu einem Benefiz-Konzert im The Independent in San Francisco zugunsten der Opfer der verheerenden Brände in der North Bay im Oktober 2017. Weitere Mitwirkende waren Deen Castronovo von Journey (Schlagzeug und Lead Vocals), Marco Mendoza von Thin Lizzy und Whitesnake (Bass, Lead und Background Vocals) sowie John Varn (Keyboards und Background Vocals). Mit Deen Castronovo ist Neal Schon bereits 1993 bei Paul Rodgers & Company aufgetreten.

Ein Mitschnitt dieses Konzerts wurde am 26. Mai 2023 auf 3 CDs, DVD und Blu-ray veröffentlicht. Darauf befinden sich 29 Songs, nach anderer Zählung sogar 31, denn Track 15 ist ein Dreier-Medley. Es wird dargeboten als Solo von Neal Schon mit Gitarre und Background Vocals und Deen Castronovo nur mit Lead Vocals. Die anderen Musiker verlassen unterdessen die Bühne und das Ende ist durchaus berührend.


Die Spielzeit beträgt 2:41:52. „Journey Through Time“ als Titel ist Programm. Denn 29 von 31 Stücken stammen von Journey, und davon wiederum 24 aus der Zeit mit Gregg Rolie, also von den ersten sechs Alben bis „Departure“. Insofern ist dies quasi eine abendfüllende Journey-Show und dürfte für Fans dieser Band wohl unverzichtbar sein.

Die letzten beiden Titel „Black Magic Woman“ (8:45) und „Oye Como Va“ (4:31) vom Santana-Album „Abraxas“ bilden den krönenden Abschluss. „Black Magic Woman“ kommt in einer Version daher, die man nicht sofort erkennt. Anstelle des Rolie-Intros übernimmt Neal Schon den Einstieg in ein leicht jazziges Arrangement. „Gypsy Queen“ folgt und auch „3rd Stone from the Sun“ von Jimi Hendrix wird eingebaut. Das Ensemble gerät in Flow und liefert eine hörenswerte Interpretation mit spannenden Details ab. So imitieren kurze Beatboxing-Einlagen von Marco Mendoza die fehlende Percussion. Und wie von „Abraxas“ gewohnt schließt sich „Oye Como Va“ an. Klasse!

Insgesamt ist dies eine sehr schöne Aufnahme. Wenn ich etwas bemäkeln will, dann die unruhige und stockende Kameraführung. Das ist freilich eher ein optisches Problem. Die Musik ist wunderbar und von Journey wurden feine Stücke ausgewählt – von Santana sowieso.

Und hier eine Liste aller Songs mit dem jeweiligen Herkunftsalbum:
  1. I‘m Gonna Leave You („Look into the Future“, 1976)
  2. Look into the Future („Look into the Future“, 1976)
  3. Kohoutek („Journey“, 1975)
  4. Daydream („Evolution“, 1979)
  5. La Do Da („Infinity“, 1978)
  6. Line of Fire („Departure“, 1980)
  7. Walk‘s Like a Lady („Departure“, 1980)
  8. Feelin‘ That Way („Infinity“, 1978)
  9. Anytime („Look into the Future“, 1976)
  10. Lights („Infinity“, 1978)
  11. Still They Ride („Escape“, 1981)
  12. Separate Ways („Frontiers“, 1983)
  13. Lovin‘, Touchin‘, Squeezin‘ („Evolution“, 1979)
  14. Wheel in the Sky („Infinity“, 1978)
  15. Patiently („Infinity“, 1978) / Trial by Fire („Trial by Fire“, 1996) / Stay Awhile („Departure“, 1980)
  16. Mystery Mountain („Journey“, 1975)
  17. Of a Lifetime („Journey“, 1975)
  18. Just the Same Way („Evolution“, 1979)
  19. Lovin‘ You Is Easy („Evolution“, 1979)
  20. Lady Luck („Evolution“, 1979)
  21. You‘re on Your Own („Look into the Future“, 1976)
  22. Hustler („Next“, 1977)
  23. Nickel and Dime („Next“, 1977)
  24. People („Next“, 1977)
  25. Mother Father („Escape“, 1981)
  26. Any Way You Want It („Departure“, 1980)
  27. Don‘t Stop Believin‘ („Escape“, 1981)
  28. Black Magic Woman („Abraxas“, 1970)
  29. Oye Como Va („Abraxas“, 1970)
In einem langen Interview mit Narada Michael Walden (Musikproduzent, ehemaliger Schlagzeuger beim Mahavishnu Orchestra, ab 2020 vorübergehend auch bei Journey) erzählt Neal Schon von den harten Anfängen der Band (ab 34:40): „Der Start von Journey war viel Arbeit, Mann. Wir haben uns drei Jahre lang unter schwierigsten Bedingungen den Hintern aufgerissen. Wir reisten in unserem Kombi – fünf, sechs, sieben Leute in einem Wagen. Ein Typ – John Villanueva [Roadie – er hatte die Idee für den Bandnamen] war es wohl – saß hinten im Gepäckraum. Wir fuhren Stunden um Stunden und Aynsley Dunbar steuerte den Wagen (…). Wir fuhren den ganzen Tag, um gerade noch rechtzeitig zu unserem Gig zu kommen. Wir sprangen aus dem Auto, direkt auf die Bühne. Kein Soundcheck. Wir spielten, sprangen zurück ins Auto und brausten zur nächsten Stadt, wo wir am nächsten Tag auftreten mussten. Meist fuhren wir, bis der Morgen dämmerte, und irrten dann auf der Suche nach einem Hotel umher … so ungefähr lief es drei Jahre lang.

Als wir schließlich Lynnyrd Skynnyrd trafen und [Manager] Herbie Herbert uns als Vorgruppe unterbrachte, fanden wir ein Publikum, das uns akzeptierte und den Durchbruch bescherte. Ich dachte: Endlich versteht uns jemand! Bis dahin spielten wir für jeden von Cheech & Chong bis Kiss. Und mit Mahavishnu. Mann, wir haben für euch gespielt! [Narada: „Ja, es war fantastisch, in San Diego.“] Die Leute standen nicht immer hinter uns. Wir waren damals ziemlich anders. Wir waren nicht Song-orientiert, sondern jammten lieber. Aber plötzlich, bei Lynnyrd Skynnyrd, stimmte die Chemie mit dem Publikum. Deren Fans mochten die Gitarre und das Schlagzeug und die Energie der ausgedehnten Jams, weil sie die langen Passagen mit doppelten Gitarren und ihren doppelten Gitarrensoli kannten – das waren schließlich wichtige Bestandteile von deren Energie. Wir begannen also bei ihnen zu spielen und durften noch vor ihrem Auftritt drei richtig starke und begeistert aufgenommene Zugaben abliefern – bei fast jedem Konzert. Ich dachte: Ja, das ist es!“

Montag, 22. Juni 2020

Neal Schon – I On U (CD 2005)

Eigentlich spielte Neal Schon nur zwei Studioalben mit Santana ein – „Santana III“ (1971) und „Caravanserai“ (1972). Dann gründete er gemeinsam mit Gregg Rolie die Band Journey. Doch Santana war eben der Beginn seiner Musikerkarriere und dafür bleibt er in Erinnerung. Erst wieder 2016 war er als Initiator des Projekts „Santana IV“ dabei.


Dazwischen schuf er neben seinen Journey-Aktivitäten diverse Soloalben. „I On U“ ist eins davon – unverkennbar ein Gitarrenalbum, aber Neal Schon spielt auch Bass und Synthesizer. Ihn begleiten Omar Hakim (Drums), Igor Len (Keyboards) und Gary Cirimelli (Drum Programming) – das war’s auch schon. Die Musik ist rockig, intensiv und manchmal etwas exotisch. Gelegentlich perlen die Gitarrentöne in für Neal Schon ungewöhnlicher Klarheit aus den Lautsprechern, dann röhren sie wieder, wie von ihm gewohnt.

Auf wen auch immer der Gitarrist sein Auge geworfen hat („Eye On You“) … mir gefällt die meist ziemlich gelöst und heiter klingende Scheibe. Und daher empfehle ich sie gerne weiter …

Sonntag, 1. Januar 2017

Santana – Santana IV (2016)

Warum heißt dieses Album “Santana IV”, wenn es nach meiner persönlichen Zählweise bereits das vierundvierzigste und nach offizieller Zählung ungefähr das werweißwievielte ist? Nun, nach Jahrzehnten hat sich die alte Santana-Formation wieder zusammengefunden, die nach dem dritten Album “Santana III” 1971 im Knatsch auseinander gegangen ist. Das sind Carlos Santana (Gitarre, Gesang), Gregg Rolie (Hammondorgel, Keyboards, Gesang), Michael Shrieve (Schlagzeug), Michael Carabello (Congas, Percussion, Gesang) und Neal Schon (Gitarre, Gesang). Also trägt ihr Folgealbum ungeachtet der zwischenzeitlich verflossenen Jahrzehnte die Nummer Vier. Hier spielt allerdings nicht ganz die damalige Besetzung. Bassist David Brown starb am 4. September 2000 nach langer Krankheit an Leber- und Nierenversagen – Spätfolgen seines exzessiven Drogenkonsums. Timbalero José “Chepito” Areas fehlt aus mir nicht bekannten Gründen. Die beiden werden ersetzt durch die aktuellen und mittlerweile auch schon langjährigen Santana-Mitglieder Benny Rietveld (Bass) und Karl Perazzo (Timbales, Percussion, Gesang). Hinzu kommt bei zwei Songs Ronald Isley (Gesang) von den Isley Brothers.


Über das Zerbrechen der Band 1971 erzählt Carlos Santana in seiner Biografie (S. 297 f): “Ich spürte, dass es schmerzliche Reibereien zwischen einigen Mitgliedern gab, und ich bin sicher, die anderen spürten es ebenfalls. Was dann geschah, musste geschehen. Wenn etwas vorbei ist, dann ist es vorbei. (…) Anfangs hatten wir einander unterstützt, dann hatten wir einander toleriert und schließlich waren wir zwei Bands in einer gewesen, mit musikalischen und philosophischen Konflikten. Auf der einen Seite standen Gregg und Neal, die mehr Rocktitel spielen wollten, und auf der anderen Seite Shrieve und ich. Chepito ging immer seinen eigenen Weg – er widmete sich seinen eigenen Zerstreuungen und kümmerte sich nie wirklich darum, was die Band tat oder wohin sie ging. Er schrieb Songs, und sein Sound wird immer ein wichtiger Teil der Band sein. Doch bei allen Veränderungen, die es bei Santana gab, schien er immer auf der Spielerbank zu sitzen. Er nahm nie richtig am Spiel teil.”

Neal Schon und Gregg Rolie gründen die sehr erfolgreiche Rockband Journey. “Shrieve und ich glichen eher Gärtnern, die wollten, dass unsere Musik sich ein bisschen entspannte und von selbst wuchs. Wir hörten Jazz und dachten über Jazz und Rhythmen nach” (Carlos Santana, S. 298). Daraus entwickeln sich die wunderbaren Alben “Caravanserai” (1972), “Welcome” (1973) und “Borboletta” (1974). Aber das ist eine andere Geschichte. Darüber verlieren die Musiker sich jedoch nie aus den Augen. Zuletzt touren Santana und Journey sogar gemeinsam durch die USA getourt. Und so kommt es zu diesem neuen Projekt "Santana IV".

“Yambu” führt uns gleich zu den afrikanischen Wurzeln der Musik. Beim rockigen “Shake It” schimmert der Journey-Einfluss durch. “Anywhere You Want To Go” lässt mich endlich an die alte Santana-Band denken. Wobei der Sound natürlich nicht derselbe sein kann, weil beispielsweise Carlos Santana andere Gitarren und Verstärker verwendet und insgesamt einen anderen Sound schätzt als seinerzeit. Mit Blick auf Gregg Rolie lässt sich hingegen erfreut feststellen: Hammond B3 bleibt Hammond B3. “Santana IV” hat mit “Santana III” auch gemeinsam, dass Neal Schons Gitarre überwiegend aus dem linken und Carlos’ Gitarre aus dem rechten Lautsprecher kommt.

“Fillmore East”, der längste Titel, blendet ein und schwebt luftig und filigran vor sich hin – etwa im Stil der ausgedehnten Jams, die Santana in ihrer Frühzeit – noch vor Woodstock und dem ersten Album – in Bill Grahams Fillmore Auditorium hingelegt haben – ein großartiger Song. Wobei das Fillmore East freilich nicht wie das Fillmore Auditorium und das spätere Fillmore West in San Francisco, sondern in New York beheimatet war. “Love Makes The World Go Round” ist wieder eine Rocknummer mit viel Percussion und der Stimme von Ronald Isley. Ebenso “Freedom In Your Mind”, welches in der zweiten Hälfte durch feurige Soli von Gregg Rolie, Neal Schon und Carlos Santana gewürzt wird. “Choo Choo/All Aboard” schlägt vom Rhythmus her in der Nähe von “Jingo” seine Zelte auf. Das verträumte und ergreifende “Sueños” (Träume), eingangs mit akustischer Gitarre gespielt, lässt mich an ”En Aranjuez Con Tu Amor” vom Album ”Santana Brothers” denken. Es nimmt zwischendurch orchestrale Züge an, bis zum Ende hin Gregg Rolies Klavier beinahe zärtlich erklingt.

Mit “Caminando” wird es wieder rockig. So hat Santana sich zuletzt oft angehört. “Blues Magic” ist, wie der Name verrät, ein Blues, sehr intensiv und für mich mit einem Hauch von Peter Greens “Black Magic Woman” beseelt. Selbst der Gesang erinnert an Peter Green. “Echizo” ist ein weiteres Beispiel für Songs, wie ich sie auf diesem Album erhofft habe. Da scheint der alte Santana-Geist aufzuerstehen. “Leave Me Alone” schlägt in dieselbe Kerbe. “You And I” ist zunächst langsam, nimmt in der Mitte aber Tempo auf und bleibt durchgängig gefühlvoll. “Come As You Are” spielt mit fröhlichen Soca-Elementen aus der Karibik. “Forgiveness” irrt melancholisch und ein wenig konturlos umher, wiederum mit Jam-Charakter, aber viel düsterer als “Fillmore East”.

Dass “Santana IV” nahtlos an “Santana III” anknüpft, war angesichts der langen Pause und der individuellen Wege dieser Musiker nicht unbedingt zu erwarten, ist bis zu einem gewissen Grad aber überraschend gut gelungen. Herausgekommen ist ein sehr schönes und frisches Album, das vielleicht nicht alle, doch viele Wünsche erfüllt und einige echte Leckerbissen bietet. Ich bin sehr erfreut, dass die alten Freunde auf Anregung und unter dem Drängen von Neal Schon wieder gemeinsam ins Studio gegangen sind und solch harmonische Musik geschaffen haben. Ein ähnliches Projekt – allerdings ohne Carlos – hat es übrigens 1997 mit “Abraxas Pool” bereits gegeben.


Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass das Cover mit dem Löwenkopf und der Figur in der Mitte (von der Nase des Löwen aufwärts) die Grafik des Santana-Debütalbums von Lee Conklin (1969) aufgreift, in dem sich neben einer Gestalt sieben weitere Köpfe verstecken. Bei “Santana IV“ freilich stellt die Figur einen Engel dar …

Dienstag, 15. März 2011

Abraxas Pool – Abraxas Pool (1997)

Santana ist im Fillmore groß geworden, gefördert vom Freund und langjährigen Manager Bill Graham. Das ursprüngliche Fillmore in San Francisco schloss jedoch im Sommer 1971, um an einem anderen Standort als Fillmore West neu aufzumachen. In New York hatte Graham außerdem das Fillmore East gegründet. Das letzte Konzert im Original-Fillmore ging am 4. Juli 1971 über die Bühne. Auszüge sind auf dem Album "The Last Days Of Fillmore" zu hören, darunter auch zwei Songs von Santana.

Der komplette Auftritt von Santana ist auf CD 2 der Legacy Edition von "Santana 3" zu hören. Es war nicht nur der letzte Tag im Fillmore, sondern auch das letzte Konzert dieser Santana-Formation, die sich wenig später auflöste.



Umso erfreulicher ist, dass fast die gleiche Crew 1997 erneut zusammen kam, um unter dem Namen Abraxas Pool das gleichnamige und wirklich tolle, sehr nach den alten Santana klingende Album zu produzieren: Gregg Rolie (Gesang und Keyboards), Michael Shrieve (Schlagzeug), Michael Carabello (Congas), Jose "Chepito" Areas (Timbales) und Neal Schon (Gitarre). Es fehlen lediglich der schwer kranke Bassist David Brown (ersetzt durch Alphonso Johnson) – und Carlos Santana.

Genießen wir diese Musik, die im erdigen, fetten Sound vor sich hin groovt. Da erinnert "Baila Mi Cha-Cha" an "Guajira", "Guajirona" an "Oye Como Va", "Don't Give Up" zitiert das "Jingo"-Intro und das Percussion-Feuerwerk "Ya Llego" ist ein zweites "El Nicoya". Und dann folgt auch noch das echte "Jingo", hier dem afrikanischen Stil seines Urhebers Babatunde Olatunji nachempfunden. "Szabo" ist eine verträumte Ballade, eine Hommage an Gabor Szabo. Und in den restlichen Songs hört man immer wieder echte oder gefühlte Zitate aus alten Santana-Titeln und fragt sich, woher man sie kennt. Aber es ist teilweise eher das Feeling, welches einfach passt und begeistert. Und mit der satten Hammondorgel von Gregg Rolie fühle ich als Santana-Fan mich wie zu Hause.

Natürlich fehlt die Gitarre von Carlos. Neal Schons Spiel ist aggressiver, wie seit jeher. Aber das ist okay. Wenn Carlos noch dabei gewesen wäre, hätten wir es ja nicht mit dem Abraxas Pool zu tun gehabt, sondern mit Santana selbst. Ein kleiner Unterschied darf also ruhig sein. Doch er ist wirklich sehr klein.

Und gelegentlich muss ich auch an Journey denken, wo Neal Schon und Gregg Rolie ebenfalls gemeinsam spielten. Das ist freilich eine andere Geschichte ...

Fazit: Wer die alten Santana-Alben mag, kann auf "Abraxas Pool" keinesfalls verzichten.