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Sonntag, 26. November 2023

Santana – Black Magic Woman/Gypsy Queen (1970)

„Abraxas“, das zweite Album von Santana, erschien 1970. Es enthält mehrere Songs, die große Hits wurden, beispielsweise „Samba Pa Ti“, „Oye Como Va“ und „Black Magic Woman/Gypsy Queen“.

Santana – mit „Black Magic Woman/Gypsy Queen“ (1970)
Das von Peter Green (dem frühen Kopf und Mitbegründer von Fleetwood Mac) geschriebene „Black Magic Woman“ wirkt bei Fleetwood Mac recht herb und farblos. Bei Santana hingegen blüht es förmlich auf und ist ohne das geniale Keyboard-Intro von Gregg Rolie sowie das angehängte „Gypsy Queen“ von Gábor Szabó kaum noch vorstellbar. Die fabelhafte Kopplung dieser beiden Coverversionen erfreut uns auf diversen Livealben und natürlich in den meisten Konzerten. Selbst die Jazzsängerin und Pianistin Patricia Barber spielt ihre moderne Interpretation von „Black Magic Woman“ in der Santana-Version mit dem Rolie-Intro und – als ginge es nicht anders – dem angehängten „Gypsy Queen“.

„Peter Green erhält die Tantiemen“, stellt Carlos fest. „Doch es ist jetzt unser ‚Black Magic Woman‘. Für mich kommt ‚Black Magic Woman‘ von ‚All Your Love (I Miss Loving)‘ [singt es vor]. Für mich ist es dasselbe Ding, nur mit einem anderen Text. Mindestens zwei- oder dreimal im Jahr überweise ich einen nennenswerten Betrag an Otis Rush. Ich muss … und ich werde es weiterhin tun, um den Song zu ehren, den ich jeden Abend spiele“.

Otis Rush – mit „All Your Love (I Miss Loving)“ (1958)
„Michael Shrieve [Schlagzeug] stieß mich auf diesen Song“, erinnert sich Gregg Rolie. „Er wusste, dass ich ein Fan von Peter Green war, als er bei den Bluesbreakers den Song ‚Supernatural‘ spielte. Er war ein außergewöhnlicher Gitarrist – das ist er noch immer. Michael brachte mir also ein Fleetwood-Mac-Album [vermutlich ‚English Rose‘] mit und fragte, ob es mir gefällt. Ich pickte mir diesen Song heraus und liebte ihn. Bei meiner Keyboard-Eröffnung spielte ich die Noten A, C und D. Und Carlos meinte: ‚Nimm ein H dazu‘.“ Die Folge von 13 Keyboardtönen (C-D-A-C-D-A-H-D-C-D-A-C-D) wird mehrfach wiederholt. Es geht jeweils um den siebten Ton, bei dem ein H das ursprüngliche C ersetzt. „Ich fragte mich erst, was das soll. Doch tatsächlich veränderte dieses simple H alles und machte daraus unser Markenzeichen“.

© Pearce Marchbank, Ellen Dale: „Santana“ (28 Songs) (1974)
„Es ist zunächst ein Piano-Intro mit Becken, die Michael Shrieve und ich uns ausdachten“, erklärt Michael Carabello [Congas] weiter. Dann setzt die Percussion ein, die den Beat aufgreift, der direkt vorher schon „Singing Winds, Crying Beasts“ antreibt. „Es ist ein hübscher kleiner brasilianischer Beat, den ich damals als Teenager bei den Congasessions im Aquatic Park gelernt habe. Und Michael Shrieve begleitet ihn mit seinen Becken instinktiv ebenfalls in brasilianischer Weise“.

„Wir haben es nie arrangiert“, so Carlos. „Es ergab sich einfach so. Ich habe nie geahnt, dass es ein so wichtiger Bestandteil unserer Identität werden würde. Das einzige Arrangement bestand darin, zu spielen. Niemand hat es im engeren Sinne für die Band arrangiert. Wir sagten, lasst uns dies ausprobieren, ich spiele das und du versuchst jenes – so ungefähr“.

Fleetwood Mac – mit „Black Magic Woman“ (1968)
Und Gregg Rolie: „Ich liebte den Song und ich liebe ihn noch immer. Okay, heute fühlt es sich ein bisschen anders an, doch er ist ein Stück von mir. Und wenn ich den Song nach vierzig Jahren noch immer gerne spiele, muss er wirklich etwas ganz Besonderes an sich haben. Es ist seine Einfachheit. Es ist ein rundherum guter Song mit einer Blues-Basis, die absolut mir entspricht und die jeder versteht. ‚Black Magic Woman‘ ist das einzige Stück, das ich in meiner Zeit bei Santana nur einmal gesungen habe. Mit anderen Worten: Ihr hört, was ich beim ersten Mal gesungen habe. Ich habe absolut nichts daran geändert. Ich habe zwei Strophen gesungen, dann ging etwas im Studio kaputt, was sie reparieren mussten. Vielleicht zwanzig Minuten später kam ich zurück, sang die letzte Strophe und das war‘s“.

Gábor Szabó – mit „Gypsy Queen“ (1966)
Für „nie arrangiert“ ist das Arrangement herausragend. Besondere Aufmerksamkeit verdient die zwölfsekündige Brücke zu „Gypsy Queen“, die es in sich hat. Großartig ist etwa, wie David Brown mit seinem Bass entspannt den Tempowechsel begleitet. Der Bass-Lick aus acht absteigenden Tönen am Ende von „Black Magic Woman“ stammt aus dem Original von „Gypsy Queen“ auf dem Album „Spellbinder“, wo Szabó ihn zum Ende hin dreimal in ähnlicher Weise seiner Gitarre entlockt.

Jimi Hendrix – mit „3rd Stone from the Sun“ (1967)
Noch während der Bridge und genau einen Takt, bevor Carlos das „Gypsy Queen“ anstimmt (ab 3:43), startet ein anhaltender Groove wie bei „3rd Stone from the Sun“ von Jimi Hendrix. Es ist die Passage auf dem Hendrix-Album „Are You Experienced?“ mit dem treibenden Bass von Noel Redding und dem filigranen Schlagzeug von Mitch Mitchell (ab 2:30). Jahre später bestätigt Carlos: „‚Gypsy Queen‘ ist purer Gábor Szabó mit einem bisschen Jimi“. Wobei man darüber diskutieren kann, ob der Grundrhythmus in Santanas „Gypsy Queen“ sich eher an Gábor Szabós Vorlage oder ebenfalls an „3rd Stone from the Sun“ orientiert. Tatsächlich ist es wohl ein Mix von beidem – und beides passt unglaublich gut zusammen. Mir scheint, dass der Groove mit Reddings Basslauf nach der Bridge einfach von David Brown beibehalten und Szabós Melodie hinzugefügt wird. Und die feinziselierten Drum Pattern von Mitchell teilen nun Congas, Timbales und Schlagzeug gekonnt untereinander auf. Carabello, „Chepito“ und Shrieve – jeder erhält seinen eigenen Einsatz. Das Ergebnis ist jedenfalls richtig stark und unterstreicht die Klasse und den Teamgeist dieser Percussionsection. Je mehr ich mir dieser feinen Details bewusstwerde, desto größer wird mein Respekt vor der kreativen Leistung der Santana-Musiker und desto mehr schätze ich dieses Meisterwerk.

Mittwoch, 26. Juli 2023

Jose „Chepito“ Areas – Jose „Chepito“ Areas (CD 2020)

Das 1974 veröffentlichte Soloalbum des großartigen Santana-Timbaleros José „Chepito“ Areas (bei Santana blieb er von 1969–1977) habe ich bereits 2011 vorgestellt (hier). Es gab seit jeher nur die Vinyl-Ausgabe.



Dies änderte sich am 23. September 2020 mit der in Japan hergestellten Blu-spec CD 2. So heißt das Format, welches mit einem blauen statt mit einem roten Laser gebrannt wird und daher eine höhere Auflösung hat. Die Scheibe sollte dennoch auf jedem herkömmlichen CD-Spieler laufen.




Sie steckt wie die LP in einer Papphülle und kommt optisch wie eine kleine Vinylplatte daher. Ausgestattet ist sie zudem mit einem 24-seitigen Booklet. Leider vermag ich die umfangreichen Liner Notes nicht zu lesen, da sie japanisch geschrieben sind. Bei der Musik hingegen gibt es keine Extras. Es sind einfach die neun Titel wie auf der LP. Daher muss ich meiner erwähnten Rezension auch nichts hinzufügen und kann die feine Musik genießen …

Donnerstag, 30. März 2023

Wie die Band SANTANA zu ihrem Namen kam

Die Anfänge von Santana liegen im Jahr 1966, als die Musiker Carlos Santana (Gitarre), Michael Carabello (Congas), Gregg Rolie (Hammondorgel und Gesang), Tom Fraser (Rhythmusgitarre), Danny Haro (Schlagzeug) und Gus Rodriguez (Bass) sich zusammentun.

Eines Tages im Februar 1967 ruft jemand aus dem Fillmore an, wie Carabello erzählt, und sagt, dass sie die Band gerne an einem Dienstagabend sehen möchten. Dienstags dürfen lokale Musiker vor Publikum spielen. Und er fragt, wie seine Band überhaupt heißt – doch sie hat noch keinen Namen. Michael überlegt schnell: „Hmmm, Carabello Band … ich weiß nicht. Wie wäre es mit Santana Blues Band?“, denn sie sind große Fans der Butterfield Blues Band. Nach Carabellos Schilderung ist der erste Bandname also eine spontane Eingebung am Telefon.

Das „offizielle“ Gründungsdatum der Santana Blues Band liegt somit im Februar 1967.

Der erste offizielle Auftritt der Santana Blues Band unter diesem Namen findet am 1. März 1967 im „The Ark“ in Sausalito statt – einem zum Tanzschuppen umgebauten Fährschiff, das vertäut im Hafen liegt. Für den zweiten Auftritt am 17. März in der Winchester Cathedral in Redwood City wird „Santana Blues“ bereits auf einem Konzertplakat angekündigt. Hier erhält die Band eine Gage in Höhe von 75 Dollar. Im Publikum befindet sich ein junger Schlagzeuger namens Michael Shrieve, der sofort den Wunsch verspürt, irgendwann bei dieser Band einzusteigen.

Am 17. Juni 1967 ist die Santana Blues Band – wie schon am Vortag – als Vorgruppe für The Who gebucht. Doch Danny und Gus sind nicht mit dem erforderlichen Engagement bei der Sache – sie kommen zu ihrem Auftritt im Fillmore zu spät, weil sie ihren Eltern noch helfen müssen. Carlos ist richtig sauer und Bill Graham kocht. Ein Jahr lang dürfen sie nicht im Fillmore auftreten. Dazu Carlos: „Die Santana Blues Band stand auf Bills schwarzer Liste. Ich konnte es nicht fassen. Ich hatte nie einen Gig verpasst! Verspätungen waren kein Teil meiner DNS. Meine Mom und mein Dad hatten mir eingebläut, was Pünktlichkeit bedeutet: eine halbe Stunde zu früh zu kommen, wenn man eine Verabredung hat. So denke ich heute noch, und meine Band weiß das“.

Die Verspätungen haben weitere Konsequenzen. So etwas geht einfach nicht! Obwohl Danny und Gus seine ältesten Freunde sind, muss Carlos sich von ihnen trennen, wenn er als Musiker vorankommen will – eine schmerzhafte Entscheidung. Auch Tom Fraser scheidet aus. Michael Carabello macht vorübergehend Platz für Marcus Malone. Das Schlagzeug übernimmt Bob Livingston und am Bass kommt David Brown hinzu.

Gregg Rolle, David Brown, Carlos Santana, Bob Livingston, Marcus Malone
(Foto aus der Legacy Edition von „Santana“)
Nach genau einem Jahr endet der Bann von Bill Graham. Als sie am 16. Juni 1968 endlich wieder im Fillmore auftreten dürfen, legen sie das „Blues Band“ im Namen ab, nennen sich fortan also einfach Santana.

1969, während der Arbeit am Debütalbum und noch vor Woodstock, verlassen Marcus Malone und Bob Livingston die Band. Michael Carabello kehrt zurück. Michael Shrieve (Schlagzeug) und José „Chepito“ Areas (Timbales und Percussion) sorgen für einen Qualitätssprung.

Die Band trägt zwar Carlos‘ Namen. Musikalischer Chef scheint freilich oftmals Gregg Rolie zu sein, dessen Hammond B3 Orgel gemeinsam mit seinem Gesang viele Songs dominiert. Seine Bedeutung kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Man muss eigentlich nur genau hinhören, um das zu erkennen. Ein Jammer, dass viele denken, Carlos hätte bei den frühen Hits gesungen – und dass sie Greggs Namen nicht einmal kennen. Das findet er selbst nicht wirklich fair. In einem Interview 50 Jahre später (2019) meint er: „Hast du irgendwelche unserer Auftritte gesehen? Warst du jemals bei einem Konzert? Es ist immer dasselbe. Wir haben uns Santana genannt, weil das ein cooler Name ist, der sich gut liest und der ausdrückt, was damals geschah. Ja, Carlos stand vorne in der Mitte. Und so dachte jeder, dass er der Chef sei. Doch das stimmt nicht. Die Band war wirklich eine Band. Deshalb klappte es so gut“.

Was wäre wohl geschehen, wenn die Band sich ursprünglich nach einem anderen Mitglied der Gruppe benannt hätte – beispielsweise The Rolies oder Carabello Band? Ich denke Carlos hat großes Glück, dass Santana seinen Namen trägt, den er einfach mitnehmen kann, als die anderen sich nach und nach aus der Band verabschieden. Das schafft Kontinuität. Und so erbt Carlos gewissermaßen den gemeinschaftlich erarbeiteten Ruhm der ersten Jahre und kann darauf aufbauen. Wäre ein anderer Musiker der Namenspatron gewesen, hätte Carlos nach dessen Abgang für seine verbleibende Formation womöglich einen neuen Namen finden müssen. Das hätte definitiv einen Bruch bedeutet und der direkte Bezug zu Woodstock und den ersten drei Alben bis zur Trennung wäre dabei verloren gegangen.

Offen gestanden bin ich froh, dass uns ein derartiger Wirrwarr erspart geblieben ist und dass die Geschichte so lief, wie wir sie kennen.

Anmerkung: In meinem Buch „Sechs Jahrzehnte SANTANA“ erzähle ich diese Geschichte noch wesentlich ausführlicher.

Freitag, 16. September 2022

Santana Lineups

Die Band Santana hat im Laufe ihrer Geschichte viele personelle Wechsel durchgemacht. Über die Jahrzehnte gaben sich mehr als 80 Musiker plus unzählige Gäste die Klinke in die Hand. Manche Bandmitglieder blieben nur wenige Wochen, andere waren zwanzig, dreißig Jahre und länger dabei, teils mit Unterbrechungen. Die Abbildungen mit dem „Santana-Stammbaum“ – „Santana Changes“ genannt – habe ich dem Booklet zum Album „Viva Santana!“ (1988) entnommen. Sie erstrecken sich über sechs Seiten und visualisieren (mit kleinen Lücken) den Wandel der Band von 1966 bis 1987. Danach ging es natürlich ebenso weiter. Die dünn gedruckten Namen [Bilder zum Vergrößern anklicken] mögen schwer zu erkennen sein, aber man erhält doch einen Eindruck von der Vielfalt und der Fluktuation.






Ein Leser meines neuen Buches „Sechs Jahrzehnte SANTANA fragte mich nach meiner Lieblingsformation von Santana, worüber ich mir noch keine Gedanken gemacht hatte. Ich hole das hiermit nach, möchte aber betonen, dass es eine sehr subjektive Bewertung ist. Es würde wohl für jeden Fan eine große Rolle spielen, wann sie oder er sich für die Band zu interessieren begann und welche Musiker bei den ersten Konzerten auf der Bühne standen. So hätte das „Lotus“-Lineup weit oben auf meiner Liste landen können, wenn ich einige Jahre früher zu dieser Musik gefunden hätte. Habe ich aber nicht, und so sind Leon Thomas, Richard Kermode und Doug Rauch leider an mir vorbeigezogen. Außerdem hängt die Bewertung manchmal an einzelnen Musikern, die man sehr schätzt.

Nun aber zur Beantwortung der eigentlich kaum beantwortbaren Frage. Mein Lieblingsalbum ist „Caravanserai . Daher könnte dieses Lineup – es wäre Santana #7 – mein Favorit sein. 1972 erlebte Santana jedoch den ersten tiefgreifenden Umbruch. Wer gehörte zu Santana und wer nicht? Hier ist die Grenze zwischen aktuellen und künftigen Bandmitgliedern sowie Gastmusikern schwer zu ziehen. Daher lasse ich diese grandiose, doch kurzlebige Konstellation mal außen vor.

So ist meine Nummer Eins die Woodstock-Formation mit Carlos Santana, José „Chepito“ Areas, Michael Carabello, David Brown, Gregg Rolie und Michael Shrieve (siehe das Cover von „Tanglewood 1970“ – im Stammbaum ist es Santana #2). Dies war zwar nicht die älteste, aber dennoch sozusagen die Ur-Besetzung, welche die ersten beiden Alben eingespielt und den musikalischen und kommerziellen Durchbruch geschafft hat. Sie machte Santana weltweit bekannt.

Auch die „Moonflower“-Belegschaft (Carlos Santana, Tom Coster, Graham Lear, Raul Rekow, Greg Walker, David Margen, Pete Escovedo, José „Chepito“ Areas, Pablo Tellez, Tommy Coster Jr. = Santana #24) gefällt mir sehr gut. Die Musik des Albums überzeugt durch ihre warme, freundlich-entspannte Ausstrahlung.

An dritter Stelle folgt womöglich die „Zebop!“-Band (Carlos Santana, Alex Ligertwood, Richard Baker, David Margen, Graham Lear, Orestes Vilato, Raul Rekow, Armando Peraza = Santana #28), die ich bei meinem ersten Konzert 1980 erleben durfte (Alan Pasqua und Chris Solberg waren zu dem Zeitpunkt schon wieder weg). Mein erstes Santana-Konzert war halt ein einschneidendes Erlebnis, das mich beeindruckte und prägte.

Insgesamt spielten und spielen seit jeher viele herausragende und anerkannte Musiker bei Santana. Spätestens nach meinem ersten Konzert habe ich die Band freilich nicht mehr als stabile Formation wahrgenommen (was sie auch vorher nicht war), weil ich den ständigen Wandel nun von Tour zu Tour selbst miterlebte. Jede Besetzung zerrinnt zwischen den Fingern, wenn man sie festhalten möchte.

Und so ist Santana wie ein Fluss aus wunderbar klingender Musik, in den ich gern eintauche (am liebsten täglich), um ein musikalisches Bad zu nehmen, der aber nie wieder derselbe ist (Heraklit von Ephesos: „Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen …“). Deshalb will ich kein weiteres Lineup hervorheben. Auch die oben genannten sind letztlich nur Momentaufnahmen. Und Alben konservieren einzelne dieser Momente für den späteren Genuss.

Sonntag, 3. Januar 2021

Gene Ammons – Brother Jug! (1970)

Auf „Santana 3“ (1971) befindet sich das Stück „Jungle Strut“. Darin brüllen die Gitarren von Carlos Santana und Neal Schon gewaltig um die Wette, verflochten mit der Orgel (Gregg Rolie) und kontrastiert von heller, frischer Percussion (Michael Carabello, José „Chepito“ Areas) und Drums (Michael Shrieve) sowie dem munteren Bass (David Brown).

Den zum Zeitpunkt der Aufnahmen 17-jährigen Neal nahmen sie bereits ein Jahr zuvor (während der Arbeit an „Abraxas“) unter ihre Fittiche. Fast hätte Eric Clapton das jugendliche Talent dabei für Derek And The Dominos abgeworben. Laut Carlos holten sie ihn, um „mehr Feuer in die Band zu bringen, unseren Sound und unsere Energie zu verbessern. Und das Feuer, das Neal mitbrachte, war weiße, weiße Hitze“. „Jungle Strut“ unterstreicht deutlich, was Carlos mit dieser Aussage meint.


Das Original stammt vom Jazz-Saxophonisten Gene Ammons. Der gilt als Mitbegründer des Soul Jazz – einem Genre, bei dem besonders gerne Saxophon und Hammondorgel kombiniert werden. Eugene „Jug“ Ammons nahm sein Album „Brother Jug!“ im November 1969 gleich nach dem Absitzen einer siebenjährigen Haftstrafe wegen Drogenbesitzes auf (es erschien 1970). Sein „Jungle Strut“ mit coolen Drums ist ziemlich relaxt, könnte fast als Smooth Jazz durchgehen, würde es dank Tenorsaxophon, Hammond B3 und WahWah-Gitarre nicht doch etwas zu flott grooven.

Aber „Brother Jug!“ hat noch mehr zu bieten. Es enthält sechs Titel und beginnt mit „Son Of A Preacher Man“, in der Interpretation von Dusty Springfield zwar überaus bekannt, ohne Gesang hier indes kaum wiederzuerkennen. Weitere Songs sind „Didn‘t We“ (1986 von Lee Greenwood gecovert); das ziemlich rockige „He‘s A Real Gone Guy”; „Blue Velvet“ – die Liste der Interpreten reicht von Tony Bennett (1951) über Bobby Vinton (1963) und Lana Del Rey (2012) bis zu Kylie Minogue (2019); das fast neunminütige, mit den Congas des Conga-Pioniers Cándido angereicherte „Ger-Ru“ – und eben „Jungle Strut“.



Carlos entdeckt das Stück auf einer Liste mit seiner Lieblingsmusik, stellt es den Kollegen vor und sie sind ebenfalls der Ansicht, dass es irgendwie zu Santana passe. Von der Band mit eigenem Intro versehen – der Gene-Ammons-Song beginnt erst nach 38 Sekunden – erkennt man es freilich kaum wieder. Was sie aus der Vorlage gemacht haben ist unglaublich. Sie spielen es nicht unbedingt schneller, aber um Längen intensiver, machen einen ungestümen Rausch daraus, der sich wunderbar in das Gesamtkunstwerk „Santana 3“ einfügt.

Freitag, 25. Dezember 2020

Santana – Fillmore East 1971 (CD 2020)

Bill Graham schließt das New Yorker Fillmore East wenige Tage vor dem Fillmore West, nämlich am 27. Juni 1971. Heute befinden sich im Gebäudekomplex Apartments und im ehemaligen Eingangsbereich eine Bankfiliale. Nur eine Gedenktafel links davon, ein mit Mosaik verzierter Mast am Straßenrand und viele wunderbare, im Fillmore East aufgenommene Livealben erinnern an die legendäre Konzerthalle. 2020 kommt eine weitere Veröffentlichung hinzu – diesmal von Santana.


Denn Anfang April 1971, unmittelbar bevor es nach Europa geht, spielt Santana an drei Abenden im Fillmore East. Der letzte Auftritt vom 3. April, damals vom Radiosender WNEW-FM live übertragen, wird uns nun mit passabler Tonqualität auf dieser CD präsentiert.

Angaben zu den Musikern fehlen. Vermutlich spielt hier die seinerzeitige Santana-Belegschaft. „Chepito“, der wegen einer Erkrankung vorübergehend durch Coke Escovedo vertreten wurde, ist dem Vernehmen nach wieder dabei und Coke ebenso, was einmal mehr für ein imposantes Percussion-Spektakel sorgt. Damit dies auch wirklich gebührend zur Geltung kommt, bildet „Soul Sacrifice“ mit einem knackigen Intro hier den Opener.

Da das dritte Album erst im Oktober erscheinen wird, sind „Jungle Strut“, „Toussaint L‘Overture“ und „Everybody‘s Everything“ neu für das Publikum. „Jungle Strut“ mit zwei Lead-Gitarren von Carlos Santana und Neal Schon neben der heißen Orgel von Gregg Rolie macht ordentlich Dampf, so dass die anschließende Stille im Publikum eigentlich nur mit Sprachlosigkeit erklärt werden kann. Und so ruft Rolie etwas erstaunt „Why is so quiet?“

Es folgt die als Dreierpack sich etablierende Sequenz „Black Magic Woman/Gypsy Queen/Oye Como Va“ mit einem Aussetzer bei „Black Magic Woman“ (Funkstille von 1:10 bis 1:16). Beim Übergang zu „Gypsy Queen“ setzt der Bass etwas zu früh ein, was aber eher den Hörer als die Band irritiert.

„Waiting“ weist in der Mitte ein auffälliges Timbales-Solo auf. Bei „Samba Pa Ti“ gibt es einige Unaufmerksamkeiten. „Toussaint L‘Overture“ ist besonders nah an der späteren Albumversion und springt direkt in „Evil Ways“, bei dem mittendrin das Publikum zum Tanzen animiert wird und die Band locker improvisiert.

„Everybody‘s Everything“ serviert uns ein ungewöhnliches Cuica-Solo. Dieses brasilianische Instrument, hier begleitet vor allem von den Cowbells, wird uns – wesentlich ausgefeilter gespielt – auf „Caravanserai“ wieder begegnen. „Gumbo“ als gewaltiges Finale beschließt einmal mehr das Konzert und das Album.

Sonntag, 1. Januar 2017

Santana – Santana IV (2016)

Warum heißt dieses Album “Santana IV”, wenn es nach meiner persönlichen Zählweise bereits das vierundvierzigste und nach offizieller Zählung ungefähr das werweißwievielte ist? Nun, nach Jahrzehnten hat sich die alte Santana-Formation wieder zusammengefunden, die nach dem dritten Album “Santana III” 1971 im Knatsch auseinander gegangen ist. Das sind Carlos Santana (Gitarre, Gesang), Gregg Rolie (Hammondorgel, Keyboards, Gesang), Michael Shrieve (Schlagzeug), Michael Carabello (Congas, Percussion, Gesang) und Neal Schon (Gitarre, Gesang). Also trägt ihr Folgealbum ungeachtet der zwischenzeitlich verflossenen Jahrzehnte die Nummer Vier. Hier spielt allerdings nicht ganz die damalige Besetzung. Bassist David Brown starb am 4. September 2000 nach langer Krankheit an Leber- und Nierenversagen – Spätfolgen seines exzessiven Drogenkonsums. Timbalero José “Chepito” Areas fehlt aus mir nicht bekannten Gründen. Die beiden werden ersetzt durch die aktuellen und mittlerweile auch schon langjährigen Santana-Mitglieder Benny Rietveld (Bass) und Karl Perazzo (Timbales, Percussion, Gesang). Hinzu kommt bei zwei Songs Ronald Isley (Gesang) von den Isley Brothers.


Über das Zerbrechen der Band 1971 erzählt Carlos Santana in seiner Biografie (S. 297 f): “Ich spürte, dass es schmerzliche Reibereien zwischen einigen Mitgliedern gab, und ich bin sicher, die anderen spürten es ebenfalls. Was dann geschah, musste geschehen. Wenn etwas vorbei ist, dann ist es vorbei. (…) Anfangs hatten wir einander unterstützt, dann hatten wir einander toleriert und schließlich waren wir zwei Bands in einer gewesen, mit musikalischen und philosophischen Konflikten. Auf der einen Seite standen Gregg und Neal, die mehr Rocktitel spielen wollten, und auf der anderen Seite Shrieve und ich. Chepito ging immer seinen eigenen Weg – er widmete sich seinen eigenen Zerstreuungen und kümmerte sich nie wirklich darum, was die Band tat oder wohin sie ging. Er schrieb Songs, und sein Sound wird immer ein wichtiger Teil der Band sein. Doch bei allen Veränderungen, die es bei Santana gab, schien er immer auf der Spielerbank zu sitzen. Er nahm nie richtig am Spiel teil.”

Neal Schon und Gregg Rolie gründen die sehr erfolgreiche Rockband Journey. “Shrieve und ich glichen eher Gärtnern, die wollten, dass unsere Musik sich ein bisschen entspannte und von selbst wuchs. Wir hörten Jazz und dachten über Jazz und Rhythmen nach” (Carlos Santana, S. 298). Daraus entwickeln sich die wunderbaren Alben “Caravanserai” (1972), “Welcome” (1973) und “Borboletta” (1974). Aber das ist eine andere Geschichte. Darüber verlieren die Musiker sich jedoch nie aus den Augen. Zuletzt touren Santana und Journey sogar gemeinsam durch die USA getourt. Und so kommt es zu diesem neuen Projekt "Santana IV".

“Yambu” führt uns gleich zu den afrikanischen Wurzeln der Musik. Beim rockigen “Shake It” schimmert der Journey-Einfluss durch. “Anywhere You Want To Go” lässt mich endlich an die alte Santana-Band denken. Wobei der Sound natürlich nicht derselbe sein kann, weil beispielsweise Carlos Santana andere Gitarren und Verstärker verwendet und insgesamt einen anderen Sound schätzt als seinerzeit. Mit Blick auf Gregg Rolie lässt sich hingegen erfreut feststellen: Hammond B3 bleibt Hammond B3. “Santana IV” hat mit “Santana III” auch gemeinsam, dass Neal Schons Gitarre überwiegend aus dem linken und Carlos’ Gitarre aus dem rechten Lautsprecher kommt.

“Fillmore East”, der längste Titel, blendet ein und schwebt luftig und filigran vor sich hin – etwa im Stil der ausgedehnten Jams, die Santana in ihrer Frühzeit – noch vor Woodstock und dem ersten Album – in Bill Grahams Fillmore Auditorium hingelegt haben – ein großartiger Song. Wobei das Fillmore East freilich nicht wie das Fillmore Auditorium und das spätere Fillmore West in San Francisco, sondern in New York beheimatet war. “Love Makes The World Go Round” ist wieder eine Rocknummer mit viel Percussion und der Stimme von Ronald Isley. Ebenso “Freedom In Your Mind”, welches in der zweiten Hälfte durch feurige Soli von Gregg Rolie, Neal Schon und Carlos Santana gewürzt wird. “Choo Choo/All Aboard” schlägt vom Rhythmus her in der Nähe von “Jingo” seine Zelte auf. Das verträumte und ergreifende “Sueños” (Träume), eingangs mit akustischer Gitarre gespielt, lässt mich an ”En Aranjuez Con Tu Amor” vom Album ”Santana Brothers” denken. Es nimmt zwischendurch orchestrale Züge an, bis zum Ende hin Gregg Rolies Klavier beinahe zärtlich erklingt.

Mit “Caminando” wird es wieder rockig. So hat Santana sich zuletzt oft angehört. “Blues Magic” ist, wie der Name verrät, ein Blues, sehr intensiv und für mich mit einem Hauch von Peter Greens “Black Magic Woman” beseelt. Selbst der Gesang erinnert an Peter Green. “Echizo” ist ein weiteres Beispiel für Songs, wie ich sie auf diesem Album erhofft habe. Da scheint der alte Santana-Geist aufzuerstehen. “Leave Me Alone” schlägt in dieselbe Kerbe. “You And I” ist zunächst langsam, nimmt in der Mitte aber Tempo auf und bleibt durchgängig gefühlvoll. “Come As You Are” spielt mit fröhlichen Soca-Elementen aus der Karibik. “Forgiveness” irrt melancholisch und ein wenig konturlos umher, wiederum mit Jam-Charakter, aber viel düsterer als “Fillmore East”.

Dass “Santana IV” nahtlos an “Santana III” anknüpft, war angesichts der langen Pause und der individuellen Wege dieser Musiker nicht unbedingt zu erwarten, ist bis zu einem gewissen Grad aber überraschend gut gelungen. Herausgekommen ist ein sehr schönes und frisches Album, das vielleicht nicht alle, doch viele Wünsche erfüllt und einige echte Leckerbissen bietet. Ich bin sehr erfreut, dass die alten Freunde auf Anregung und unter dem Drängen von Neal Schon wieder gemeinsam ins Studio gegangen sind und solch harmonische Musik geschaffen haben. Ein ähnliches Projekt – allerdings ohne Carlos – hat es übrigens 1997 mit “Abraxas Pool” bereits gegeben.


Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass das Cover mit dem Löwenkopf und der Figur in der Mitte (von der Nase des Löwen aufwärts) die Grafik des Santana-Debütalbums von Lee Conklin (1969) aufgreift, in dem sich neben einer Gestalt sieben weitere Köpfe verstecken. Bei “Santana IV“ freilich stellt die Figur einen Engel dar …

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Jose "Chepito" Areas – Jose "Chepito" Areas (1974)

Auch Jose "Chepito" Areas, bei der ursprünglichen Santana-Band an Timbales, Percussion und Flügelhorn, wollte offensichtlich mal ein Solo-Album aufnehmen. Viele Freunde halfen ihm dabei. Mit von der Partie sind unter anderem Neal Schon (Gitarre), Hadley Caliman (Tenorsaxophon), Willie Colon (Congas), Tom Coster (Moog Synthesizer), Richard Kermode (Keyboards), Doug Rauch (Bass) und Gregg Errico (Schlagzeug). Areas selbst spielt Timbales, Congas, Percussion und Gesang.


Die LP enthält neun Titel im brodelnden Latin-Stil. Keine wirkliche Überraschung, aber richtig gut. "Guarafeo", "Funky Folsom", "Remember Me", "Bambeyoko", "Morning Star" (etwas ruhiger und leicht jazzig), "Buscando La Gente" (der Groove erinnert stark an "Fried Neckbones"), "Cerro Negro" (findet sich auf dem späteren Album "Giants" als "Pancho Villa"), "Terremoto" und "Guaguanco In Japan" (mit schönem Gitarrensolo).

Für Santana-Fans und Freunde afrokubanischer Rhythmen ist das kurzweilige Album uneingeschränkt zu empfehlen.

Hinweis: Als Blu–spec CD 2 (mehr hier) erschien das Album 2020 in Japan.

Dienstag, 15. März 2011

Abraxas Pool – Abraxas Pool (1997)

Santana ist im Fillmore groß geworden, gefördert vom Freund und langjährigen Manager Bill Graham. Das ursprüngliche Fillmore in San Francisco schloss jedoch im Sommer 1971, um an einem anderen Standort als Fillmore West neu aufzumachen. In New York hatte Graham außerdem das Fillmore East gegründet. Das letzte Konzert im Original-Fillmore ging am 4. Juli 1971 über die Bühne. Auszüge sind auf dem Album "The Last Days Of Fillmore" zu hören, darunter auch zwei Songs von Santana.

Der komplette Auftritt von Santana ist auf CD 2 der Legacy Edition von "Santana 3" zu hören. Es war nicht nur der letzte Tag im Fillmore, sondern auch das letzte Konzert dieser Santana-Formation, die sich wenig später auflöste.



Umso erfreulicher ist, dass fast die gleiche Crew 1997 erneut zusammen kam, um unter dem Namen Abraxas Pool das gleichnamige und wirklich tolle, sehr nach den alten Santana klingende Album zu produzieren: Gregg Rolie (Gesang und Keyboards), Michael Shrieve (Schlagzeug), Michael Carabello (Congas), Jose "Chepito" Areas (Timbales) und Neal Schon (Gitarre). Es fehlen lediglich der schwer kranke Bassist David Brown (ersetzt durch Alphonso Johnson) – und Carlos Santana.

Genießen wir diese Musik, die im erdigen, fetten Sound vor sich hin groovt. Da erinnert "Baila Mi Cha-Cha" an "Guajira", "Guajirona" an "Oye Como Va", "Don't Give Up" zitiert das "Jingo"-Intro und das Percussion-Feuerwerk "Ya Llego" ist ein zweites "El Nicoya". Und dann folgt auch noch das echte "Jingo", hier dem afrikanischen Stil seines Urhebers Babatunde Olatunji nachempfunden. "Szabo" ist eine verträumte Ballade, eine Hommage an Gabor Szabo. Und in den restlichen Songs hört man immer wieder echte oder gefühlte Zitate aus alten Santana-Titeln und fragt sich, woher man sie kennt. Aber es ist teilweise eher das Feeling, welches einfach passt und begeistert. Und mit der satten Hammondorgel von Gregg Rolie fühle ich als Santana-Fan mich wie zu Hause.

Natürlich fehlt die Gitarre von Carlos. Neal Schons Spiel ist aggressiver, wie seit jeher. Aber das ist okay. Wenn Carlos noch dabei gewesen wäre, hätten wir es ja nicht mit dem Abraxas Pool zu tun gehabt, sondern mit Santana selbst. Ein kleiner Unterschied darf also ruhig sein. Doch er ist wirklich sehr klein.

Und gelegentlich muss ich auch an Journey denken, wo Neal Schon und Gregg Rolie ebenfalls gemeinsam spielten. Das ist freilich eine andere Geschichte ...

Fazit: Wer die alten Santana-Alben mag, kann auf "Abraxas Pool" keinesfalls verzichten.

Dienstag, 15. Februar 2011

Luis Gasca – For Those Who Chant (1972)

"For Those Who Chant" wurde 2006 als Mini-LP-CD (CD im verkleinerten LP-Design mit aufklappbarer Papphülle) in Japan wieder veröffentlicht. Doch was hat dieses Album von Luis Gasca (Trompete, Flügelhorn) mit Santana zu tun?


Oh ... sehr viel. Denn fast die gesamte Santana-Band ist zu hören, nämlich Carlos Santana, Neal Schon, Gregg Rolie, Michael Shrieve, Mike Carabello und José "Chepito" Areas. Außerdem mehrere Musiker von Malo und Azteca, die aber auch bei Santana mitwirkten: Richard Kermode, Lenny White, Victor Pantoja, Coke Escovedo, Rico Reyes und Luis Gasca selbst. Obendrein sind Hadley Caliman, Joe Henderson, Stanley Clarke und weitere dabei.

Die Musik klingt ähnlich wie bei "Carlos Santana & Buddy Miles! Live!". Was wiederum kein Wunder ist, denn die Besetzungen sind weitgehend gleich, inklusive Luis Gasca. Diese Platte wurde im August 1971 aufgenommen, jene Anfang 1972.

Dies ist daher eine verkappte Santana-Veröffentlichung mit vier Songs, die zusammen 40 Minuten dauern. Jazzfusion-Improvisationen mit einem Hauch von "Bitches Brew", sehr intensiv und dicht.

Falls Titel 2 "La Raza" dem einen oder anderen Fan bekannt vorkommt ... er ist gar nicht so überraschend die Vorlage für den Song "For Those Who Chant", welcher auf der CD und DVD "Carlos Santana & Wayne Shorter Live At The 1988 Montreux Jazz Festival" und der DVD "At Budokan" (aufgenommen 1991 in Tokyo) zu hören und zu sehen ist.

Santana-Fans – insbesondere solche mit Interesse für Jazz – sollten dieser Scheibe durchaus etwas mehr Aufmerksamkeit widmen.