Freitag, 16. August 2019

Zu Santanas 50-jährigem Woodstock-Jubiläum

Es war der 16. August 1969, also heute vor genau fünfzig Jahren. Am zweiten Tag des legendären Woodstock-Festivals, einem Samstag, spielte Santana ab 14 Uhr – früher als geplant. Die chaotischen Zustände zwangen die Veranstalter zu kurzfristigen Verschiebungen, weil Künstler einfach nicht pünktlich eintrafen.

„Wir kamen per Hubschrauber an und organisationstechnisch war es ein Katastrophengebiet“, erzählt Carlos über das Festival. „Jeder, der etwas zu essen hatte, teilte es. Alle Schnellstraßen im Umkreis von ungefähr 80 Kilometern waren gesperrt. Es war wie in einem Orson-Welles-Film, wenn die Zeit stillsteht. Überall auf den Schnellstraßen parkten Autos. Die Normalos der Welt sind bis heute schockiert, dass so etwas stattfinden konnte. Und ohne Krawalle. Wir kamen etwa um elf Uhr morgens an, und zuerst sah ich Jerry Garcia. Wir blickten beide über dieses Meer aus lebendigen Leibern. ‚Mann, sieh dir das an.‘ Ich sage: ‚Einfach unglaublich.‘ Er sagt ‚Ich glaube, so was gibt’s nie wieder. Es heißt, das sind 450.000.‘ ‚Wow.‘ ‚Wann spielst du?‘ Ich sage: ‚Eigentlich sind wir so um vier Uhr nachmittags dran.‘ ‚Wir sollen nach euch spielen und gehen nicht vor zwei Uhr morgens rauf. Ihr werdet wohl nicht vor Mitternacht spielen.‘ So kam eins zum anderen, und ich nahm ein bisschen Meskalin. Ich dachte mir: ‚Wenn ich es jetzt nehme, bin ich wieder unten, wenn ich spielen soll und dann ist alles ok‘, so ungefähr. Ganz falsch! Kaum hatte ich es genommen und kam auf den Trip, sehe ich ein Gesicht vor mir, das mir sagt: ‚Ihr müsst jetzt auf die Bühne. Wenn ihr jetzt nicht spielt, dann überhaupt nicht, klar?‘“ (in: Woodstock. Chronik eines legendären Festivals, S. 122)

„Wir widersprachen nicht, wir griffen einfach nach unseren Instrumenten und gingen auf die Bühne. (…) Ich tat eben die ersten Schritte im ersten Stadium des LSD-Trips, in dem die Dinge schmelzen, wenn du sie betrachtest. Doch ich hatte schon früher im Drogenrausch gespielt, darum war ich mir sicher, dass ich es schaffen würde. Ich nahm die Gitarre und schloss sie an, aber ich weiß noch, dass ich dachte: ‚Was jetzt kommt, wird nicht das sein, was ich wirklich kann.‘ Wenn ein Trip plötzlich beginnt, gehst du mit Warpgeschwindigkeit auf die Reise, und die winzigsten Dinge nehmen kosmische Proportionen an. Auch das Gegenteil ist möglich, und auf einmal ist alles gleich groß. (…)

"The Woodstock Experience" – Box mit 2 CDs und Poster
Als wir die Bühne betraten, sahen wir, dass sie uns ganz nahe beieinander aufgestellt hatten. Das war großartig, weil wir das von zu Hause kannten. Unsere Roadies waren also durchgekommen. Ich glaube, das war das Beste, was uns an diesem Tag passierte: Wir konnten einander wirklich sehen und spüren und verirrten uns nicht. Dann kündigte uns jemand an, und wir sahen die riesige Menge vor uns. Unser Album sollte erst in der folgenden Woche herauskommen, und ‚Jingo‘ lief noch nicht im Radio. Wer nicht aus der Bay Area stammte oder für Columbia Records arbeitete, hatte also noch nie von uns gehört. Es war eine Sache, vor einer so gewaltigen Menschenmenge zu spielen, aber eine andere, ihr völlig unbekannt zu sein. Doch ich hatte andere Gedanken im Kopf.

Der Rest unseres Auftritts spielte sich wie im Nebel ab – im dicken Nebel. (…) Ich war high und dachte: ‚Gott, ich bitte dich nur um eines: dass ich im Takt bleibe und sauber spiele.‘ Ich konzentrierte mich auf die üblichen Gegenstände, die mir halfen, im Einklang mit der Band zu bleiben: Bass, Hi-Hat, kleine Trommel und Basstrommel. ‚Denk nicht an die Gitarre‘, sagte ich zu mir. ‚Beobachte sie nur.‘ Sie verwandelte sich in eine elektrische Schlange, die sich drehte und wand. Das bedeutete, dass die Saiten sich lockern würden, wenn ich die Gitarre nicht gerade hielt. Immer wieder befahl ich der Schlange, sich nicht zu bewegen, und betete dafür, dass sie sich nicht verstimmte.

Später sah ich mich auf Fotos und im Woodstock-Film. Die Grimassen, die ich beim Spielen schnitt, erinnerten mich daran, dass ich versuchte, die Schlange zum Stillhalten zu zwingen. (…) In Woodstock spielten wir nur fünfundvierzig Minuten, aber es fühlte sich doppelt so lange an. Jeder Ton, den ich spielte, schien als Blutkörperchen zu beginnen, das in einer Ader durch meinen Körper floss. Mir war, als spiele sich alles langsam ab; ich spürte, wie die Musik in mir aufstieg und aus meinen Fingern floss. Ich schaute zu, wie ich auf der Gitarre einen Ton anschlug und wie die Schwingung in den Tonabnehmer eindrang und sich durch die Schaltung im Inneren des Instruments und das Kabel bis in den Verstärker ausbreitete, dann durch dessen Lautsprecher ins Mikrofon und durch das Kabel in die großen Lautsprecher an der Seite der Bühne und von dort hinaus in die Menge und auf den Hügel hinauf, wo sie abprallte und als Echo zurück zur Bühne kam.“

An die erste Hälfte des Auftritts kann Carlos sich absolut nicht mehr erinnern. „‚Fried Neckbone‘ spielten wir als Zugabe, das weiß ich noch genau. Und natürlich ‚Soul Sacrifice‘, das auch im Film zu hören und zu sehen ist. Ich höre heute noch die Menge schreien und klatschen. Ich ging von der Bühne und drehte mich um. Gregg [Rolie] war noch oben, und seine Siegermine schien zu sagen: ‚Ja! Wir haben’s geschafft!‘ Dann fing Bill [Graham] seinen Blick auf und bedeutete ihm, sich noch einmal umzudrehen, als wolle er sagen: ‚Nicht so schnell – schau dir die Menge an. Genieß diesen Moment!‘ Gregg drehte sich um und machte ein Gesicht wie ein kleines Kind – total verzückt. Ich drehte mich ebenfalls um und machte es ihm nach. Ich glaube, Bill war vermutlich stolzer auf uns als wir selbst, weil wir alle ein wenig verstört waren“ (in: Der Klang der Welt, S. 222 f.).

CD mit dem kompletten Auftritt von Santana in Woodstock
Ich werde mir heute Abend natürlich den kompletten Mitschnitt des Santana-Auftritts in Woodstock anhören …

Donnerstag, 25. Juli 2019

Mike Evans, Paul Kingsbury – Woodstock. Chronik eines legendären Festivals (riva Verlag 2019)

2019 ist ein Jahr der runden Jubiläen für Santana. Woodstock, das berühmte Festival, welches im August 1969 ungefähr eine halbe Million junger Leute anlockte und Santana auf großer Bühne präsentierte, ist fünfzig Jahre her. Das erste Album erschien im Oktober 1969, also ebenfalls vor fünfzig Jahren. Und das gigantische Comeback mit dem Grammy-überhäuften Album „Supernatural“ (1999) jährt sich immerhin schon zum zwanzigsten Mal.



50 Jahre Woodstock-Festival – diesem Anlass widmen sich Mike Evans und Paul Kingsbury in einer großformatigen, reich bebilderten und 288 Seiten starken Chronik. Das Buch ist in Zusammenarbeit mit The Museum at Bethel Woods entstanden, das heute auf dem ehemaligen Festivalgelände steht. So konnten die Autoren auf eine Fülle an Informationen, Kommentaren, Fotos und anderem Material zurückgreifen, das wir hier vorgelegt bekommen. Ein wirklich beeindruckendes Buch – überaus lesenswert für Fans aller beteiligten Musiker und für jeden, den das Festival, das Drumherum und überhaupt die damalige Zeit interessiert. Sein Preis: 24,99 Euro in Deutschland, 25,70 Euro in Österreich.

Ziemlich ausführlich berichtet das Buch über jede Band und jeden Musiker, der beim Festival aufgetreten ist. Viele von ihnen sind im Film nicht zu sehen und auf dem Soundtrack nicht zu hören. Über Santana berichten zwei Doppelseiten und weitere Beiträge.




Insgesamt waren folgende Acts dabei:

Freitag, 15. August: Richie Havens – Sri Swami Satchidananda – Sweetwater – Bert Sommer – Tim Hardin – Ravi Shankar – Melanie – Arlo Gutherie – Joan Baez

Samstag, 16. August: Quill – Country Joe McDonald – Santana – John Sebastian – The Keef Hartley Band – The Incredible String Band – Canned Heat – Mountain – The Grateful Dead – Creedence Clearwater Revival – Janis Joplin – Sly & The Family Stone – The Who – Jefferson Airplane

Sonntag, 17. August: Joe Cocker & The Grease Band – Country Joe & The Fish – Ten Years After – The Band – Johnny Winter – Blood, Sweat & Tears – Crosby, Stills, Nash & Young – Paul Butterfield Blues Band – Sha Na Na – Jimi Hendrix

Eingeladen, aber aus verschiedenen Gründen nicht gekommen: Bob Dylan – Joni Mitchell – Jeff Beck Group – Iron Butterfly – Procol Harum – The Doors – Jethro Tull – Led Zeppelin – Tommy James & The Shondells – Paul Revere & The Raiders – Free – Spirit – The Moody Blues



Das Buch ist wirklich fantastisch und lässt den Leser auch ein halbes Jahrhundert später in das Festival eintauchen. Es nennt die Musiker sämtlicher Bands und ihre Songlisten. Es beleuchtet den sozialpolitischen Hintergrund samt Vietnamkrieg, Bürgerrechtsbewegung und Hippiekultur. Es liefert Hintergrundwissen und Insiderinformationen. Es berichtet über das Zustandekommen des Festivals von ersten Ideen über die Finanzierung und den Kontakt zu Max Yasgur, auf dessen Farmgelände schließlich alles geschah, bis hin zur konkreten Organisation und dem Aufbau. Es zeigt, welche Rolle die Hog Farm, eine Hippie-Kommune aus New Mexico, für den friedlichen Ablauf des Ereignisses spielte. Es lässt Musiker, Mitwirkende, Besucher und andere ihre Eindrücke und Gedanken schildern. Es stellt auch das recht neue Museum vor und erzählt, was aus den Musikern geworden ist.

Wir erfahren, dass einer der Regisseure für die Filmaufnahmen Martin Scorsese war. In einem Vorwort erzählt er von den abenteuerlichen Arbeitsbedingungen für die Crew. Wir erfahren, dass das in eine Decke gehüllte Paar auf dem Cover des Soundtracks (siehe unten) zwei Jahre später heiratete und 2016 noch immer zusammen war. Wir erfahren, dass bei dem legendären „With A Little Help From My Friends“ von Joe Cocker „eine riesige schwarze Wolke“ aufzog und es, kaum dass er und seine Band fertig waren, stundenlang schüttete – wie im Film ausführlich zu sehen. Von da an war alles ein Meer aus Schlamm. Die folgenden Auftritte verzögerten sich erheblich und liefen die ganze Nacht durch. So spielte Jimi Hendrix – dessen Manager darauf bestand, dass er als Hauptact des Konzerts zum Schluss auftritt – erst am Montagmorgen um 9 Uhr. Mittlerweile hatten sich die Reihen arg gelichtet und nur noch 40.000 Besucher erlebten seinen sensationellen Auftritt mit der improvisierten US-Nationalhymne, die „sowohl die musikalische als auch die politische Botschaft des Festivals in Woodstock auf den Punkt“ brachte.



Von einigen Musikern – so auch von Jimi Hendrix – ist der Woodstock-Auftritt inzwischen mehr oder weniger komplett veröffentlicht worden. Von Santana erschien das vollständige Set 2009 unter dem Titel „The Woodstock Experience“. Es besteht aus einem Pappschuber mit zwei CDs – dem ersten Album mit seinen ursprünglichen neun Titeln, dem Woodstock-Mitschnitt mit acht Titeln und zusätzlich einem beidseitig bedruckten Poster. In LP-Aufmachung steckt jede Scheibe in einer eigenen Hülle und dort wiederum in einer mit Liner Notes bedruckten Innenhülle. Sehr wertig aufgemacht.


Zum Buch empfehle ich aber vor allem den Genuss des Woodstock-Soundtracks. Und dann: stöbern, lesen, Bilder betrachten und das einmalige Festival in seiner Fantasie aufleben zu lassen. Für mich ist das Buch ein großer Wurf – sehr gelungen und unbedingt zu empfehlen!

Freitag, 18. Januar 2019

Kommt eine 50th Anniversary Collector’s Edition von „Abraxas“?

2020 wird „Abraxas“ ein halbes Jahrhundert alt (zur Symbolik des Covers siehe hier). Dürfen wir zu diesem Jubiläum auf eine Sammlerbox mit allerlei Zusatzmaterial hoffen?


Von „Santana“ (1969) und „Santana 3“ (1971) gab die Plattenfirma jeweils zum 35. Jubiläum (2004 und 2006) eine Legacy Edition mit 2 CDs heraus. Neben Bonus Tracks auf CD 1 wurden auf CD 2 Live-Mitschnitte und andere Aufnahmen hinzugefügt.

Von „Abraxas“ (1970) folgte bislang nichts dergleichen. Dabei enthält dieses Meisterwerk mit „Black Magic Woman/Gypsy Queen“, „Oye Como Va“ und „Samba Pa Ti“ einige der wichtigsten und nachhaltigsten Hits der Band.

Ich denke, dass die Plattenfirma für dieses Album andere Pläne hat. Und daher erwarte ich für 2020 oder sogar schon für Herbst 2019 eine üppig ausgestattete Box mit reichlich Zusatzmaterial und einem Konzertmitschnitt aus jener Zeit auf DVD. Ob das wohl klappt?

Donnerstag, 17. Januar 2019

Einmal mehr Originale und Cover bei Radio ZuSa

Erneut war ich zu Gast bei Radio ZuSa, diesmal gemeinsam mit Michael Wenzel, der als Moderator selbst seit vielen Jahren verschiedene Musiksendungen im Programm hat. In Peter’s Oldie Party am 13. Januar 2019 von 18 bis 20 Uhr mit Hans-Peter Schneider und seiner Frau Brigitte spielten wir Originale und Coverversionen. Alles Oldies natürlich – so wie wir.

Michael Wenzel, Hagen Rudolph, Brigitte Schneider – Fotos: Dagmar Petermann
Michael Wenzel, Hagen Rudolph, Brigitte und Hans-Peter Schneider
Diesmal bestand die Besonderheit darin, dass Michael Wenzel und ich uns bei jedem Pärchen entscheiden sollten, ob wir das Original oder die Coverversion besser finden. Das war mitunter wirklich kniffelig, weil beide Versionen ihren eigenen Charme hatten, etwa der „Mambo No. 5“ vom Orchestra Pérez Prado (1949) und Lou Bega (der Sommerhit 1999). Und als bei „The Sensitive Kind“ mit J.J. Cale (1979) und Santana (1981) ausgerechnet zwei meiner Lieblingsmusiker gegeneinander antraten, konnte ich im Prinzip nur eine Münze werfen. Manchmal fiel die Wahl jedoch sehr leicht.

Auch die Zuhörer konnten per Mail oder Telefon während der Sendung ihre Stimme abgeben. Einige nutzten die Gelegenheit. Am Ende gewannen die Originale.

Samstag, 29. Dezember 2018

Meine Anfänge als Santana-Fan

Heute möchte ich erzählen, wie ich vor langer Zeit vom Santana-Fieber gepackt wurde.

Woodstock fand ohne mich statt – da war ich gerade in die 2. Klasse gekommen und hatte mit Hippies noch nix am Hut. Meine Eltern waren keine Hilfe – die waren musikmäßig auf einem anderen Planeten unterwegs. Ältere Geschwister, die mir auf die Sprünge hätten helfen können, gab es nicht. Und so brauchte alles seine Zeit. Meine Leidenschaft begann ganz unauffällig vor 41 Jahren im Herbst 1977, als ich zum Geburtstag von einem Freund die „Greatest Hits“ von Santana mit der weißen Taube vor dunklem Oberkörper erhielt.


Genau dieses Album mit zehn Titeln und mit „Black Magic Woman“ ohne „Gypsy Queen“ (die moderne CD-Version ist ganz anders). Das war kein Wunsch, aber dem Freund bin ich noch heute dankbar. Immerhin war Santana mir nicht gänzlich neu, denn kurz zuvor war „Moonflower“ erschienen und ich erinnere mich, wie das Album spät abends im Radio ausführlich vorgestellt wurde und mir durchaus zusagte. Natürlich hörte ich die „Greatest Hits“ immer wieder, fand zunehmend Gefallen an der Musik und so entfaltete sie allmählich ihre Tiefenwirkung.

Mehr als ein Jahr später – Mitte März 1979 – hatte ich irgendwo ein bisschen Geld verdient. Und ich gewöhnte mir gerade an, solches bevorzugt für Musik zu verbraten. Just in jenen Tagen also gab es die ersten drei Alben von Santana in einem örtlichen Plattenladen im Angebot. Sie kosteten 13 Mark 80 und das war damals recht günstig. Ich kaufte „Santana 3“. Das Album muss mich wohl gepackt haben, jedenfalls holte ich mir am nächsten Tag „Santana 1“. Und am übernächsten Tag „Abraxas“. Damit nahm das Schicksal seinen Lauf. Jetzt ging es Schlag auf Schlag und auch mein späteres Lieblingsalbum „Caravanserai“ fand im selben Jahr zu mir. Irgendwann beschloss ich, die Santana-Alben komplett haben zu wollen. Das hat sich bis heute nicht geändert.

Einige Alben gönnte ich mir über die Jahrzehnte mehrfach. Beispielsweise „Santana 1“: 1979 als die erwähnte LP, dann – weil sie vom alten Plattenspieler ausgefräst war – erneut als LP. Dann als CD. Dann als Extended Edition mit drei Bonustracks. Dann als Legacy Edition mit einer zweiten CD, die unter anderem den fast kompletten Woodstock-Auftritt enthielt. Dann im 2-CD-Set „The Woodstock Experience“, weil auf der zweiten Scheibe diesmal auch das vorher fehlende „Evil Ways“ des Woodstock-Auftritts dabei war. Und in diesem Jahr schließlich als SACD. Macht sieben Mal. Ich weiß, einige von euch können das nachempfinden. Die meisten wohl eher nicht…

Sonntag, 16. September 2018

Santana-Bandmitglieder auf Tourneen

Santana ist seit jeher viel auf Tournee. Es ist eine klassische Liveband, die vom Kontakt mit dem Publikum lebt und dabei oft erst richtig aufblüht. Auch in Phasen, in denen Plattenveröffentlichungen eher mäßig gelangen oder nicht stattfanden, haben die Musiker auf der Bühne gezeigt, was in ihnen steckt und dass sie zu begeistern vermögen.

Da ich in meinem Buch „Carlos Santana und Band“ die Geschichte Santanas entlang ihrer Plattenveröffentlichungen erzähle, bleiben einige Bandmitglieder unerwähnt, die nur live bei Santana spielten. Ihnen soll die folgende Übersicht gerecht werden (Idee: Fan Club Newsletter Fall 2006, S. 4 f. mit eigenen Korrekturen und Ergänzungen). In dieser Aufstellung sollten sämtliche auf allen bisherigen Santana-Tourneen mitwirkenden Musiker erscheinen. Es müssen allerdings schon mehrere gemeinsame Konzerte gewesen sein, um sich für diese Liste zu qualifizieren. Einzelne Gastspiele genügen nicht.

Für Hinweise, um etwaige Lücken zu schließen und Fehler zu korrigieren, bin ich dankbar. Stand der Liste („heute“) ist übrigens September 2018.

Gitarre

Carlos Santana > 1966–heute
Tom Frazier > 1966–1967
Neal Schon > 1971–1972 / 2016
Chris Solberg > 1978–1980
Buddy Miles > 1986–1987
Myron Dove > 1992–1996 / 2003–2005
Jorge Santana > 1993
Tommy Anthony > 2005–heute

Bass

Gus Rodriguez > 1966–1967
David Brown > 1967–1971 / 1974–1976
Tom Rutley > 1971–1972
Doug Rauch > 1972–1973
Byron Miller > 1976
Pablo Tellez > 1976–1977
David Margen > 1977–1982
Keith Jones > 1983–1984 / 1989
Alphonso Johnson > 1985–1989 / 1992
Benny Rietveld > 1990–1992 / 1997–heute
Myron Dove > 1993–1997

Congas, Bongos, Timbales, Percussion

Michael Carabello > 1966–1967 / 1969–1971 / 2011 / 2016 (Congas)
Marcus Malone > 1967–1969 / 2017 (Congas)
Jose „Chepito“ Areas > 1969–1977 / 1988–1989 (Timbales)
Rico Reyes > 1971 / 1972
Victor Pantoja > 1971
Coke Escovedo > 1971–1972
Pete Escovedo > 1971 / 1977–1979 (Timbales)
James Mingo Lewis > 1972
Armando Peraza > 1972–1976 / 1977–1990 (Congas, Bongos)
Francisco Aguabella > 1976 (Bongos)
Raul Rekow > 1976–1987 / 1990–2004 / 2005–2013 (Congas)
Orestes Vilato > 1980–1987 (Timbales)
Karl Perazzo > 1991–heute (Timbales)
Bobby Allende > 2005 (Congas)
Paoli Mejias > 2013–heute (Congas)

Schlagzeug

Rod Harper > 1966–1967
Bob „Doc“ Livingston > 1967–1969
Michael Shrieve > 1969–1974 / 1988 / 2016
Leon „Ndugu“ Chancler > 1974–1976 / 1988
Gaylord Birch > 1976 / 1991
Graham Lear > 1976–1984 / 1985–1987
Chester C. Thompson > 1984
Walfredo Reyes > 1989–1991 / 1992–1993
Billy Johnson > 1991 / 1994–1995 / 2000–2001
Rodney Holmes > 1993–1994 / 1997–2000
Tommie Bradford > 1994
Horacio „El Negro“ Hernandez > 1997
Ricky Wellman > 1997
Dennis Chambers > 2002–2013
Cindy Blackman-Santana > 2010–heute
Pepe Jiminez > 2013–2015

Keyboards

Gregg Rolie > 1966–1972 / 1988 / 2015–2016
Tom Coster > 1972–1978 / 1983–1984
Richard Kermode > 1972–1973
Chris Rhyne > 1978–1979
Alan Pasqua > 1979–1980
Richard Baker > 1980–1982
Chester Thompson > 1983–2008
David Sancious > 1984
Sterling Crew > 1985
Freddie Ravel > 2009
Salvador Santana > 2009 / 2015
David K. Mathews > 2010–heute

Gesang

Gregg Rolie > 1966–1972 / 1988 / 2015–2016
Leon Thomas > 1973
Leon Patillo > 1974–1975
Greg Walker > 1975–1976 / 1976–1979 / 1983–1986
Luther Rabb > 1976
Joel Badie > 1976
Alex Ligertwood > 1979–1983 / 1984–1985 / 1987 / 1989–1991 / 1992–1994
Buddy Miles > 1986–1987
Tony Lindsay > 1991 / 1995–2003 / 2010–2015 / 2017
Vorriece Cooper > 1992–1993 / 1999
Curtis Salgado > 1995
Andy Vargas > 1999–heute
Ray Greene > 2016–heute

Bläser

Jules Broussard > 1974–1975 (Saxophon)
Russell Tubbs > 1978 (Flöte)
Oran Coltrane > 1992 (Saxophon)
Jeff Cressman > 2000–2016 (Posaune)
William Ortiz > 2000–2016 (Trompete)

Dienstag, 3. Juli 2018

Santana – Divination Tour 2018

Im Sommer 2018 kommt Santana wieder nach Deutschland. Folgende Termine und Spielorte waren und sind vorgesehen:
24. Juni: Mainz, Volkspark
15. August: Mönchengladbach, SparkassenPark
17. August: Berlin, Zitadelle
18. August: Ulm, Kloster Wiblingen
19. August: Dresden, Elbufer

Montag, 8. Januar 2018

Santana – Lotus (Complete Edition 2017)

„Lotus“, das legendäre Livealbum von Santana aus dem Jahr 1974, aufgenommen am 3. und 4. Juli 1973 in Osaka, ist aufgrund seiner spektakulären Gestaltung durch Tadanori Yokoo seit jeher ein Juwel für Fans und Sammler. Am 6. Januar 2017 kommt für Sound-Feinschmecker eine Hybrid-SACD des Albums auf den Markt – im Quadrophonic-Mix als limitierte und nummerierte Doppel-CD mit schlichter Ausstattung. Das geht auch besser. Am 28. April 2017 erscheint „Lotus“ als Complete Edition in Japan als Dreifach-Hybrid-SACD in einer ähnlich üppigen Aufmachung wie die Legacy Edition (2006). Dazu gehören die verkleinerten Faltposter des ursprünglichen LP-Sets, ein verkleinertes Tour-Book (in dem Sänger Leon Thomas noch nicht vorgesehen ist – er muss recht kurzfristig zur Band gestoßen sein), der Reprint einer Eintrittskarte vom 4. Juli 1973 sowie ein 64-seitiges Booklet mit vielen Fotos und (leider) japanischen Texten, unter anderem von Tomoo Suzuki und Tadanori Yokoo. Mit 18 x 18 cm fällt dieses Ensemble ungewöhnlich großformatig aus. Vor allem enthält es sieben bislang unveröffentlichte Songs – das sind insgesamt rund 35 Minuten mehr: „Japan“, „Bambele“ und „Um Um Um“ auf CD 1, „Light Of Life“ auf CD 2 sowie „Savor“ (diesmal aber wirklich), „The Creator Has A Master Plan“ und „Conga Solo“ auf CD 3.


Der legendäre und mit zwei Grammys geehrte Toningenieur Tomoo (auch Tamoo, Tom oder Tomas) Suzuki, 1973 bereits für die Aufnahme und Abmischung des Original-Albums verantwortlich, mischt 44 Jahre später unter Verwendung der Mastertapes auch diese sieben bislang unveröffentlichten Tracks ab. Tomoo Suzuki erzählt über die Entstehung von „Lotus“, das ursprünglich nur in Japan erscheinen sollte: „Anfang der Siebziger gab es kaum ‚echte’ Aufnahmestudios in Japan, um es mal ganz unverblümt auszudrücken. Die meisten Plattenfirmen oder Labels brachten einfach ihre eigenen Aufnahmegeräte mit in die Konzerthallen. Bei CBS/Sony nutzten wir damals ein spezialangefertigtes 8-Spur-Tonbandgerät für Musikaufnahmen. Es war aber so, dass Santana ausdrücklich um ein 16-Spur-Gerät gebeten hatte und zu der Zeit gab es nur ein einziges importiertes 16-Spur-Tonbandgerät im ganzen Land. Ich fragte den Firmenpräsidenten Mr. Oga persönlich, ob ich diesen 16-Spur-Recorder verwenden und eine Funktionsprüfung durchführen dürfe. Irgendwie konnte ich ihn überzeugen und der Recorder wurde nach Osaka gebracht, damit wir den Auftritt von Santana aufnehmen konnten. Seinerzeit war es keineswegs so leicht wie heute, die schweren und kostbaren Aufnahmegeräte zu transportieren. Ich stellte gar ein Team zusammen, dessen einziger Job darin bestand, die 16-Spur-Aufnahmebänder so schnell und präzise zu wechseln wie ein Formel-1-Team Reifen wechselt“.

Für die Aufnahmen zum Album „Welcome“ sowie die Japan-Tour reiht sich Sänger und Stimmakrobat Leon Thomas bei Santana ein. Zu den zahlreichen Stationen in seiner Karriere zählen Art Blakey und Count Basie sowie später Freddie Hubbard und Joe Henderson. Leser des Magazins Down Beat wählen ihn Anfang der Siebziger mehrfach zum besten Jazzsänger. Es spricht für Santana, dass die Band immer wieder solche hochkarätigen Musiker verpflichten kann. Die warme, volle Stimme kam bislang jedoch kaum zur Geltung, da sich auf „Lotus“ recht wenige Stücke mit Gesang befanden. Mit den sieben neuen Songs ändert sich dies gründlich.

„Japan“ ist ein von Santana mit Elementen japanischer Musik gelungen angereicherter Song von R. Hayashi und T. Matsushima, dessen Lyrics allerdings ziemlich pathetisch und patriotisch ausfallen. Dem Publikum freilich gefällt er.

„Bambele“, besteht aus Chants, Percussion und einigen Keyboardeinlagen. Es wurde erstmalig auf „Viva Santana!“ veröffentlicht. Jene deutlich kürzere Version stammt ebenfalls aus 1973.

„Um Um Um“ ist ein Sammelsurium von Scatgesang und vokalen Experimenten. In einem Interview (1970) erläutert Leon Thomas: „Ich verlor alle meine Vorurteile über die Begrenzungen der menschlichen Stimme, ich lernte, mich in alle Richtungen zu bewegen und begann, alle Möglichkeiten zu hören. Am Beginn von aller Musik stand die menschliche Stimme – lange bevor es noch irgendein Instrument gab. Für das, was ich tue, gibt es eigentlich keine Bezeichnung. Ich nenne es ‚ego-less music’, denn es kommt aus den Tiefen meines Unterbewusstseins. Ein Stöhnen, ein Seufzen, ein schriller Schrei – das kann alles ausdrücken, was Menschen imstande sind, zu empfinden. Was aus meinem Unterbewusstsein kommt, darf mein Bewusstsein auf keinen Fall einengen oder begrenzen – nur kontrollieren! Ich habe auf archaische Dinge zurückgegriffen: Musik aus dem Himalaya, indische Ragas, Gesänge der Pygmäen in Zentralafrika – ‚Umbo Veti’ etwa ist ein uraltes Jagdlied. Die Pygmäen singen es, bevor sie auf Elefantenjagd gehen. Viele Weiße sagen, diese Musik sei primitiv. Aber das ist nicht wahr, sie ist sehr komplex und subtil – und zugleich gibt sie der menschlichen Stimme ungeahnte Freiheiten des Ausdrucks. Es ist die Aufgabe des Künstlers, dem Zuhörer eine neue Perspektive von dem zu vermitteln, was um ihn her geschieht, es zu kommentieren – und damit zu ordnen. Die Leute hören einem Sänger zu, wenn er es versteht, sie in ihrem Unterbewusstsein zu treffen. Das kann er aber nur, wenn er sein eigenes Unterbewusstsein weit öffnet“.

„Light Of Life“ ist eines der vier auf „Lotus“ enthaltenen Stücke, die auch auf „Welcome“ erscheinen werden, jedoch erst nach der Tournee im Herbst (2003 kommt als Bonus Track noch „Mantra“ hinzu).

Den spirituellen Song „The Creator Has A Master Plan“ begleitet Leon Thomas, der ihn gemeinsam mit Pharoah Sanders geschrieben hat, bereits auf dessen Album „Karma“ (1968) in einer sehr intensiven und mehr als halbstündigen Version. Stimmungsvoll und ergreifend ist zudem sein späteres Duett mit Louis Armstrong. Santana und John McLaughlin interpretieren den Titel 2011 in Montreux. Und wenn Leon Thomas auf der Japan-Tour schon bei Santana mitwirkt, darf dieses Stück natürlich auch hier nicht fehlen. Unverständlich und bedauerlich finde ich allerdings, dass es uns bislang vorenthalten blieb. Melodisch, zart und berührend unterstützen Keyboards, Schlagzeug, Percussion, Bass und der Hintergrundgesang der anderen Musiker Leon Thomas. Für mich bildet dieses wunderbare „The Creator Has A Master Plan“ den emotionalen Höhepunkt des Albums.

Endlich klärt sich gar das Wirrwarr um „Mr. Udo“ und „Savor“. Der bislang unter beiden Namen veröffentlichte Song heißt hier „Mr. Udo“. Dies ergibt auch einen Sinn, denn das neu enthaltene „Savor“ entspricht unverkennbar dem gleichnamigen Song vom Debütalbum. Offenbar wurde „Mr. Udo“ auf der ursprünglichen LP sowie der Legacy Edition von „Lotus“ lediglich falsch benannt. Und wer nicht genau aufpasst, bemerkt kaum das ebenfalls neue „Conga Solo“ und stellt erst bei „Toussaint L'Overture“ fest, dass er sich wieder auf bekanntem Terrain befindet.

Fazit: ich möchte diese Schmuckausgabe von „Lotus“ nicht missen. Leider muss man dafür wirklich tief in die Tasche greifen. Vielleicht erscheinen die Titel ja gelegentlich auch als Bonus Tracks auf der einfachen CD-Ausgabe

Montag, 4. Dezember 2017

Santana – Oye Como Va Live 75–90 (19-CD-Box 2017)

Ende März 2017 erschien „Oye Como Va Live 75–90“. Diese Box mit 19 CDs zu einem relativ günstigen Preis um 50 Euro enthält zehn ältere Konzertmitschnitte diverser Radiosender, die sich jeweils über eine bis drei CDs erstrecken. Ihre Tonqualität ist mäßig bis gut. CD-Text ist mal vorhanden, mal nicht. Es braucht naturgemäß einige Tage oder gar Wochen, sich durch diese umfangreiche Zusammenstellung zu hören.


CDs (mit Spielzeit)
CD 1: Rynearson Stadium, Ypsilanti, Mi, May 25th 1975, King Biscuit Flower Hour – 49:34
CD 2: Cow Palace, Daly City, Ca, December 31st 1976, KSAN-FM – 77:04
CD 3: Best Of The Palladium Weekend Live, NY, February 9th 1978 (Early Set), King Biscuit Flower Hour – 66:23
CD 4: Best Of The Palladium Weekend Live, NY, February 9th 1978 (Early Set Continued), King Biscuit Flower Hour – February 9th 1978 (Late Set) – February 10th 1978 (Early Set) – February 10th 1978 (Late Set) – 63:33
CD 5: The Bottom Line, NY, October 16th 1978, WNEW-FM & WMMR-FM – 56:55
CD 6: The Bottom Line, NY, October 16th 1978 (Continued), WNEW-FM & WMMR-FM – 44:06
CD 7: Pinecrest Theatre, Shelton, Ct, August 3rd 1980, WHCN-FM – 62:51 (Aufdruck: Disc 8)
CD 8: Pinecrest Theatre, Shelton, Ct, August 3rd 1980 (Continued), WHCN-FM – 71:45 (Aufdruck: Disc 7)
CD 9: Old Waldorf Theater, San Francisco, February 5th 1981, KSAN-FM – 36:01
CD 10: Old Waldorf Theater, San Francisco, February 5th 1981 (Continued), KSAN-FM – 48:15
CD 11: Cape Cod Coliseum, Hyannis, Ma, July 4th 1981, WBCN-FM – 66:53
CD 12: Cape Cod Coliseum, Hyannis, Ma, July 4th 1981 (Continued), WBCN-FM – 40:51
CD 13: NHK Hall, Tokyo, Japan, July 10th 1983, NHK-TV Broadcast – 59:49
CD 14: NHK Hall, Tokyo, Japan, July 10th 1983 (Continued), NHK-TV Broadcast – 39:39
CD 15: NHK Hall, Tokyo, Japan, July 10th 1983 (Continued), NHK-TV Broadcast – 53:07
CD 16: Sunrise Music Theater, Fort Lauderdale, Fl, November 26th 1988 (Late Show), King Biscuit Flower Hour – 64:21
CD 17: Sunrise Music Theater, Fort Lauderdale, Fl, November 26th 1988 (Late Show Continued), King Biscuit Flower Hour – 65:36
CD 18: The World Theater, Tinley Park, Il, August 26th 1990, WXRT-FM – 69:32
CD 19: The World Theater, Tinley Park, Il, August 26th 1990 (Continued), WXRT-FM – 65:42

Musiker
Da es keine weiteren Infos gibt, musste ich die Besetzungen nach Konzert-Ansagen und anderen Quellen rekonstruieren – alle Angaben also ohne Gewähr:
CD 1: Carlos Santana (g/perc/vo), David Brown (b), Leon Patillo (kbd/vo), Tom Coster (kbd/vo), „Ndugu" Leon Chancler (ds), Armando Peraza (perc/vo)
CD 2: Carlos Santana (g/perc/vo), Pablo Tellez (b/vo), Tom Coster (kbd/vo), Luther Rabb (vo), Joel Badie (vo), Graham Lear (ds), Raul Rekow (perc/vo), Jose „Chepito" Areas (perc)
CD 3/4: Carlos Santana (g/perc/vo), David Margen (b), Tom Coster (kbd/vo), Greg Walker (vo), Graham Lear (ds), Raul Rekow (perc/vo), Armando Peraza (perc/vo) , Pete Escovedo (perc)
CD 5/6: Carlos Santana (g/perc/vo), Chris Solberg (g/kbd), David Margen (b), Chris Rhyne (kbd), Greg Walker (vo), Graham Lear (ds), Raul Rekow (perc/vo), Armando Peraza (perc/vo)
CD 7/8: Carlos Santana (g/perc/vo), Alex Ligertwood (g/vo), Al di Meola (g), David Margen (b), Richard Baker (kbd), Graham Lear (ds), Raul Rekow (perc/vo), Armando Peraza (perc/vo), Orestes Vilato (perc/vo)
CD 9/10: Carlos Santana (g/perc/vo), Alex Ligertwood (g/vo), David Margen (b), Richard Baker (kbd), Herbie Hancock (kbd), Graham Lear (ds), Raul Rekow (perc/vo), Armando Peraza (perc/vo), Orestes Vilato (perc/vo), Michael Carabello (perc), Horn Section
CD 11/12: Carlos Santana (g/perc/vo), Alex Ligertwood (g/vo), David Margen (b), Richard Baker (kbd), Graham Lear (ds), Raul Rekow (perc/vo), Armando Peraza (perc/vo), Orestes Vilato (perc/vo)
CD 13/14/15: Carlos Santana (g/perc/vo), Keith Jones (b), Tom Coster (kbd/vo), Chester Thompson (kbd/vo), Greg Walker (vo), Graham Lear (ds), Raul Rekow (perc/vo), Armando Peraza (perc/vo), Orestes Vilato (perc/vo)
CD 16/17: Carlos Santana (g/perc/vo), Alphonso Johnson (b), Gregg Rolie (kbd/vo), Chester Thompson (kbd/vo), Michael Shrieve (ds), Armando Peraza (perc/vo), Jose „Chepito“ Areas (perc), Carlos „Patato“ Valdés (perc)
CD 18/19: Carlos Santana (g/perc/vo), Alex Ligertwood (g/vo), Benny Rietveld (b), Chester Thompson (kbd/vo), Walfredo De Los Reyes (ds), Armando Peraza (perc/vo)

Die CDs 7 und 8 sind (zumindest bei meiner Ausgabe) verkehrt bedruckt und sollten in ihren Hüllen getauscht werden, damit die Musik zur Liste auf der jeweiligen Hülle passt und die Reihenfolge stimmt.

Unter den vielen Aufnahmen finden sich immer wieder einzelne Songs in besonders gelungenen Versionen, etwa „American Gypsy“ (CD 12) oder „Toussaint L’Overture“ (CD 19). Erwähnenswert sind zudem die Gastmusiker Al di Meola (1980 – CDs 7/8) sowie Herbie Hancock und Michael Carabello (1981 – CDs 9/10).

Die Aufnahme von 1988 in Fort Lauderdale entstand während der Reunion-Tour. Von der Original-Band sind Carlos Santana, Gregg Rolie, Michael Shrieve und José „Chepito“ Areas dabei. Ungewöhnlicher Begleiter ist der wie Armando Peraza aus Havanna, Kuba stammende Congavirtuose Carlos „Patato“ Valdés. Er spielte bereits in den 50er-Jahren mit Machito, Tito Puente und vielen anderen Größen des Latin Jazz. Mit soviel herausragender Percussion, die bei der hier vergleichsweise guten Tonqualität erfreulicherweise auch zur Geltung kommt, gehören die CDs 16 und 17 für mich zu den besten dieser Box. Welch einen wunderbaren Kontrast bildet dieser Mitschnitt zu den uninspirierten Studioalben jener Jahre…

Donnerstag, 31. August 2017

Joaquim Paulo – Jazz Covers (2015)

Vinylplatten sind nach langer Durststrecke wieder auf dem Vormarsch. Kein Wunder, denn Musik kann mehr sein als nur ein MP3-Download. Vor den MP3-Dateien gab es CDs. Und vor den CDs gab es LPs aus meist schwarzem Vinyl, 30 Zentimeter im Durchmesser. Noch immer ist da die Vorfreude, wenn ich eine LP aus ihrer bunt bedruckten Papphülle ziehe, sie auf den Plattenteller lege, den Tonarm in Bewegung setze, die rotierende Platte mit einem weichen Tuch oder einer speziellen Bürste so gut es geht vom Staub befreie, wenn die Abspielnadel mit einem dumpfen Ton das Vinyl berührt und schließlich mit feinen Knacken die Rille findet, die sie nicht mehr verlassen soll, bis sie sämtliche Songs dieser Seite zu Gehör gebracht hat. Während die Musik läuft, setze ich mich mit der leeren Papphülle auf den Teppich oder in den Sessel, betrachte das Cover und lese die Informationen auf der Rück- oder Innenseite – und kann sie sogar mit bloßem Auge erkennen.

© Taschen-Verlag
Musik ist gut für die Seele. Das Cover begleitet sie visuell, unterstützt sie idealerweise. Und wenn der Fan das Cover sieht, erklingt innerlich sein jeweiliges Lieblingsstück oder Erinnerungen steigen hoch. Genau deshalb ist es immer wieder eine Freude, ein Buch mit Plattencovern zu durchstöbern. Menschen mögen Bilderbücher sowieso. Und Musikliebhaber mögen Bücher, die Plattencover zeigen. Was für eine Fundgrube! Dann blättert man und blättert und entdeckt Alben, die man einst besaß oder noch hat, die man gerne gehabt hätte oder die ein Freund sein eigen nannte oder die man vielleicht auch gar nicht kennt. Und im Geiste spielt die Musik oder man kommt auf die prima Idee, eben dieses Album mal wieder aufzulegen oder es sich nach so vielen Jahren endlich doch zu kaufen.

© Taschen-Verlag
„Jazz Covers“ von Joaquim Paulo und Herausgeber Julius Wiedemann aus dem Taschen-Verlag richtet sich natürlich speziell an Jazzfreunde. Der mit 672 Seiten ziemlich dicke Schinken ist etwas kleiner als A5 und kostet gerade mal 14,99 Euro. Fast alle gezeigten Alben in ihrer graphischen Vielfalt und Farbenpracht stammen aus dem LP-Zeitalter der Fünfziger bis Siebziger – älter oder neuer ist nur sehr wenig. Informationen zu den Alben, unsystematisch gestreute Erläuterungen mal über Musiker, mal über Grafiker, mal über beide sowie längere Interviews mit Sammlern, DJs und bekannten Händlern – alle in Englisch, Deutsch und Französisch – ergänzen die vielen Bilder. Das sind schöne Geschichten über das Sammeln von Schallplatten.

© Taschen-Verlag
„Man geht mit Vinylplatten ganz anders um… Emotional ist man mehr drin, wenn man Texte liest, Bilder betrachtet und die Musik fühlt. In meinem Buch über [das Plattenlabel] Impulse! steht, für was manche die Plattenhüllen verwendet haben, um z.B. bei den getrockneten Marihuanablüten die Samen von den Blättern zu trennen. Sie erkannten das beste Album an der Anzahl der Samen, die darin zurückblieben. In den 1960ern und 1970ern war die Beschäftigung mit Musik noch viel mehr ein soziales Ereignis. Das Plattencover war wie eine Tür zur Welt der Musik“, erzählt  Ashley Kahn, Musikhistoriker, Journalist, Produzent und auch Autor der Biografie von Carlos Santana (S. 57).

Und Plattenproduzent Michael Cuscuna: „Ich glaube, der echte Jazzfan sammelt gerne… er interessiert sich für die Hüllen und die Begleittexte. Selbst ich vermisse, wenn ich die Musik höre, nicht den Vinylklang, sondern die Hülle, das Cover. Man kann dort die Begleittexte lesen. CD-Booklets sind für Leute unter 25 gemacht. Ich brauche eine Lupe, um die verdammten Dinger zu lesen.“ (S. 35).