Donnerstag, 15. Oktober 2026

Santana-Gedenktage im Jahreslauf

Manchmal wüsste ich gerne, an welchen Tagen eines Monats wichtige Ereignisse für Santana, Santana-Musiker und eng befreundete Personen stattgefunden haben.

Von links: Carlos Santana, Michael Carabello, Gregg Rolie, José „Chepito“ Areas, Neal Schon, David Brown, Michael Shrieve (Quelle: Innencover von „Santana 3“)
Daher habe ich eine Übersicht erstellt, geordnet nach den Tagen im Jahreslauf:

4. Januar 1942 – John McLaughlin – Geburtstag
8. Januar 1931 – Bill Graham – Geburtstag
12. Januar 2007 – Alice Coltrane – Todestag
16. Januar 1996 – Richard Kermode – Todestag
27. Januar 2026 – James Mingo Lewis – Todestag

2. Februar 1951 – Alphonso Johnson – Geburtstag
3. Februar 2018 – Leon „Ndugu“ Chancler – Todestag
15. Februar 1947 – David Brown – Geburtstag
23. Februar 2000 – Santana – 8 Grammys für das Album „Supernatural“
26. Februar 2008 – Buddy Miles – Todestag
27. Februar 1954 – Neal Schon – Geburtstag

1. März 1967 – Santana Blues Band – Erster offizieller Auftritt im „The Ark“
17. März 1967 – Santana Blues Band – Zweiter Auftritt, erstmals auf Konzertplakat

4. April 1932 – Clive Davis – Geburtstag
14. April 2014 – Armando Peraza – Todestag
30. April 1941 – Coke Escovedo – Geburtstag
30. April 2026 – Alex Ligertwood – Todestag

9. Mai 1959 – Dennis Chambers – Geburtstag
12. Mai 1944 – Orestes Vilato – Geburtstag
14. Mai 2020 – Jorge Santana – Todestag
30. Mai 1924 – Armando Peraza – Geburtstag

10. Juni 1954 – Raul Rekow – Geburtstag
13. Juni 1951 – Jorge Santana – Geburtstag
17. Juni 1947 – Gregg Rolie – Geburtstag
22. Juni 2026 – Clive Davis – Todestag

1. Juli 1952 – Leon „Ndugu“ Chancler – Geburtstag
4. Juli 1971 – Santana – Auftritt im Fillmore West („The Last Days of Fillmore“)
6. Juli 1949 – Michael Shrieve – Geburtstag
11. Juli 2026 – Rodney Holmes – Todestag
13. Juli 1935 – Pete Escovedo – Geburtstag
13. Juli 1986 – Coke Escovedo – Todestag
20. Juli 1947 – Carlos Santana – Geburtstag
24. Juli 1949 – Graham Lear – Geburtstag
25. Juli 1946 – José „Chepito“ Areas – Geburtstag
29. Juli 1944 – Marcus Malone – Geburtstag

16. August 1969 – Santana – Auftritt beim Woodstock-Festival (14:00–14:45 Uhr)
21. August 1941 – Tom Coster – Geburtstag
24. August 1966 – Rodney Holmes – Geburtstag
27. August 1937 – Alice Coltrane – Geburtstag

4. September 2000 – David Brown – Todestag
5. September 1947 – Buddy Miles – Geburtstag
27. September 1954 – Tony Lindsay – Geburtstag

5. Oktober 1946 – Richard Kermode – Geburtstag
12. Oktober 2021 – Marcus Malone – Todestag
25. Oktober 1991 – Bill Graham – Todestag

1. November 2015 – Raul Rekow – Todestag
18. November 1947 – Michael Carabello – Geburtstag
18. November 1959 – Cindy Blackman Santana – Geburtstag

8. Dezember 1953 – James Mingo Lewis – Geburtstag
18. Dezember 1946 – Alex Ligertwood – Geburtstag

Von folgenden Musikern, die ich gerne in der Liste sehen würde, konnte ich die Geburts- und gegebenenfalls die Todestage nicht finden:

Andy Vargas, Benny Rietveld, Chester Thompson, David K. Mathews, Greg Walker, Jeff Cressman, Karl Perazzo, Leon Thomas, Paoli Mejias, Salvador Santana, Victor Pantoja, William „Bill“ Ortiz.

Santana-Fans und Leser meines Blogs sind eingeladen, mir Ergänzungen zu schicken. Vielleicht nehme ich auch weitere, hier bislang nicht genannte Musiker in die Liste auf.

Montag, 28. September 2026

Wie Tony Lindsay zu Santana kam

Im April 1991 gab der kürzlich verstorbene Santana-Sänger Alex Ligertwood nach dreizehn Jahren den Staffelstab an Tony Lindsay (geboren am 27. September 1954) weiter, kam aber für „Sacred Fire“ (1993) noch einmal zurück. Tony sollte mit Unterbrechungen etwa 25 Jahre lang bei Santana bleiben. Sein Freund Chester Thompson hatte ihn empfohlen, wie Tony mir im Interview erzählte. Zunächst gab es ein Casting mit Carlos und Chester. „In der Zeit arbeitete ich mit Narada Michael Walden an Aufnahmen in seinem Studio. Nach dem Vorsingen bei Santana ging ich zurück zu Narada. Ich weiß nicht mehr, welche Aufnahmen es waren. Narada hat eine lange Liste mit Musikern, die er produziert. Wir machten also unsere Arbeit und ich blieb den ganzen Tag weg. Als ich spät abends nach Hause kam, hatte ich Nachrichten auf meinem Anrufbeantworter von [Santana-Manager] Kevin Chisholm, der mich sprechen wollte. So erfuhr ich es. Ich rief zurück und er sagte: Wenn du einen Gig haben möchtest, nur zu. Und ich dachte: Cool …“.

„Milagro“ (1992) war das erste Santana-Album mit Tony Lindsay.


Jahre später plauderte Tony über Latinrock und die Leidenschaft, die ein Sänger bei Santana braucht: „Die Trommel ist sehr mächtig. Früher diente sie auch der Übermittlung von Botschaften. Und zum Rhythmus der Trommeln, der Congas und aller Art von Percussion musst du dich einfach bewegen. Er berührt deine Seele. Er holt Leute aus ihrer Depression. Sie fangen an zu spielen und zu tanzen. Sie geraten in Trance und das ist eine wundervolle Sache. Ich mag, wie Santanas Percussionsection das afrikanische Latin mit den Rock-Vibes mischt. Das ist sehr kraftvoll! Mann, ich weiß, wie die Leute draußen die Show sehen und wie energiegeladen sie ist. Und wenn du auf der Bühne stehst und diese geballte Kraft direkt hinter dir entsteht, das ist schon irre. Wenn ich singe und Noten anstimme, muss ich sie irgendwo erzeugen. Sie bilden sich in meinen Zehen und steigen in mir auf und so fühle ich mich. Ich muss genau so stark sein wie die Trommeln, sonst bringen sie mich um“.

Ende 2015 verabschiedete sich Tony Lindsay von Santana. Doch der Kontakt riss nicht ab. Am 9. August 2026 stand Tony Lindsay im Shoreline Amphitheatre in Mountain View, Kalifornien, erneut für einen Song mit Santana auf der Bühne.

Freitag, 28. August 2026

Santana – Amigos (1976)

Das Santana-Album „Amigos“ feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum. Nach mehreren Ausflügen in Jazz- und Jazzfusion-Gefilde und dem Streben nach spiritueller Erfüllung kehrte Santana zu kommerziellen Songs zurück. „Manchmal musst du dich verlieren, um dich zu finden“, meinte Carlos Santana später. „Wenn du dann einmal so weit draußen warst, merkst du plötzlich, dass die Top Ten sich ziemlich gut anhören.“


Gleich beim ersten Song „Dance Sister Dance“ macht Santana ernst. Die Band hält sich nicht lange mit Vorgeplänkel oder einem Intro auf, sondern springt mitten hinein, als würde der Song schon längst laufen und nur der Regler hochgezogen. Das auf über acht Minuten ausgedehnte, mitreißende „Dance Sister Dance“ ist eine fantastische Nummer, von der wir über die Jahre noch gewaltige Liveversionen hören werden.


Das vom Congaspieler Armando Peraza geschriebene „Gitano“ ist ein echter Knaller, bei dem die akustische Gitarre ruhig beginnt und noch nicht ahnen lässt, was gleich geschehen wird. Denn sehr bald entwickelt sich ein feuriges, flamencoartiges und von fröhlicher Percussion untermaltes Stück. Die Spielfreude springt dem Zuhörer förmlich entgegen. Perazas rauchige Stimme macht das Stück noch würziger. Es ist vielleicht das beste Stück, das Armando Peraza je geschrieben hat. Vor allem wird es von ihm und Santana extrem berauschend präsentiert. Sei daran erinnert, dass Armando bereits in den späten Fünfzigerjahren Songs für George Shearing komponierte und 1968 das Soloalbum „Wild Thing“ veröffentlichte.


Das von langgezogenen Gitarrentönen geprägte „Europa“ – auf einer Stufe mit „Samba Pa Ti“ einzuordnen – ist das dritte Highlight dieses Albums. Es wird uns – wie „Dance Sister Dance“ – noch in manchem Konzert viel Freude bereiten. Beide unterstreichen Carlos‘ Ruf als Melody Man. Und Gato Barbieri mit seinem Saxophon lässt sich umgehend zu einer Coverversion von „Europa“ inspirieren, die zu einer seiner erfolgreichsten Aufnahmen wird und von der Carlos überaus begeistert ist.


Alles in allem steht „Amigos“ auf den drei Säulen „Dance Sister Dance“, „Gitano“ und „Europa“, die zu den ewig besten Stücken von Santana gehören. Der Rest fällt ein wenig ab, was jedoch leicht zu verschmerzen ist.


Die Covergestaltung wurde Tadanori Yokoo anvertraut, dem wir schon das spektakuläre Artwork von „Lotus“ verdanken – es war sein zweiter Streich von vieren für Santana.

Freitag, 17. Juli 2026

Rodney Holmes (1966–2026)

Der Drummer Rodney Holmes, geboren am 24. August 1966, wuchs in einem musikalischen Elternhaus auf. Mit dem Schlagzeugspielen begann er in der vierten Klasse. Er entschied sich schon früh dafür, Berufsmusiker zu werden. Sein Interesse galt vor allem dem Jazz. So spielte er mit Jazzmusikern zusammen und erhielt auch Studioaufträge.


Entdeckt wurde er vom Keyboarder, Komponisten und Musikdozenten Clyde Criner, der mit Holmes und anderen eine Band gründete und die beiden Alben „Behind the Sun“ (1988) und „The Color of Dark“ (1989) aufnahm. Auf „Behind the Sun“ wirkt auch Carlos Santana mit. Hier kreuzten sich die Wege von Rodney und Carlos zum ersten Mal. Clyde Criner verstarb 1991.

Bald darauf trat Holmes dem Zawinul Syndicate des Weather-Report-Keyboarders Joe Zawinul bei. Auf Tour begegnete er erneut dem mit Zawinul befreundeten Carlos Santana und sie vereinbarten, irgendwann gemeinsam zu spielen. Die Gelegenheit kam bereits 1993, als Rodney von Carlos für die Santana-Tour eingeladen wurde, die er bis zum Ende begleitete.

Dann schloss er sich den Brecker Brothers an. Für deren Album „Out of the Loop“ (1994) erhielt er seinen ersten Grammy. Anschließend spielte er mit weiteren namhaften Musikern wie Wayne Shorter, David Gilmore, Bill Evans und Alphonso Johnson.


Von 1997 bis 2000 setzte sich die Zusammenarbeit mit Santana fort. Daher war Holmes auch an dem gigantischen Santana-Comeback „Supernatural“ beteiligt, für das er mehrere Grammy Awards gewann. Zu sehen ist er auf der DVD „Supernatural Live – An Evening with Carlos Santana and Friends“ (2000). Hier zeigt er sein entspanntes, geradliniges, von Showeffekten freies Schlagzeugspiel.


Auch am Album „Mystery of Faith“ (2001) des Santana-Bassisten Benny Rietveld wirkte er mit.

Rodney Holmes starb am 11. Juli 2026 im Alter von nur 59 Jahren.

Dienstag, 23. Juni 2026

Clive Davis (1932–2026)

Es ist Clive Davis, der Santana 1968 zu Columbia Records (CBS) holt und mit dem ersten Plattenvertrag ausstattet. Der Erfolg gibt ihm recht. Foto 1 zeigt Gregg Rolie, José Chepito Areas, Michael Shrieve, Clive Davis, David Brown, Carlos Santana und Michael Carabello bei der Verleihung von Doppelplatin für das Debütalbum (1969).

Quelle: Carlos Santana – Der Klang der Welt (2015, Bilderstrecke 1) 
Im September 1997 – Clive Davis ist inzwischen Chef des Plattenlabels Arista – unterschreibt Carlos erneut bei ihm. „Carlos Santana zu verpflichten ist eine sehr emotionale Sache für mich, denn wir kommen nach langer Zeit wieder zusammen. Carlos ist ein unvergleichlicher Musiker und seine Musik ist modern, kraftvoll und zeitlos wie seit jeher. Er bringt Zuhörer jeden Alters in seinen Konzerten zusammen und ich weiß, dass sein kommendes Album bei Arista seinen bereits legendären Erfolgen neue Höhepunkte hinzufügen wird“, gibt er im Herbst 1997 bekannt. So fädelt er das phänomenale Santana-Comeback mit dem Album „Supernatural“ (1999) ein, welches ihm selbst bei der Preisverleihung am 23. Februar 2000 zwei seiner vier Grammys beschert (Foto 2 – das Album erhält insgesamt neun Grammys).

Quelle: Carlos Santana – Der Klang der Welt (2015, Bilderstrecke 2)
Ohne Clive Davis wäre „Supernatural“ nicht möglich gewesen, räumt Carlos freimütig ein. Ohne ihn hätte es keinen Vertrag bei Arista gegeben. Carlos vergleicht das nach der Grammy-Verleihung im Jahr 2000 mit der Golden Gate Bridge in San Francisco. Zwei Türme tragen die gesamte Brücke. „Für mich sind meine Frau [Deborah] und Mr. Clive Davis wie diese beiden Türme“. Ihnen dankt er ausdrücklich.

Clive Davis hat auch Bands und Musiker wie Pink Floyd, Whitney Houston, Patti Smith, Alicia Keys, Janis Joplin und Aerosmith entdeckt. Er starb am 22. Juni 2026 im gesegneten Alter von 94 Jahren.

Freitag, 29. Mai 2026

Santana & Becky G – Mi Gran Amor (2026) – Lyrics mit Übersetzung

Am 28. Mai 2026, wurde der Song „Mi Gran Amor“ von Santana & Becky G veröffentlicht. Es ist eine feurige, unter die Haut gehende Anklage gegen die Trump-Regierung und ihre menschenverachtende Einwanderungsbehörde ICE. Becky G erzählt von Dramen, die für Latinos in den USA inzwischen leider zum Alltag gehören. Carlos Santana ergänzt die Schilderungen um beißende Gitarrenlicks.


Die spanischen Lyrics habe ich dem offiziellen Video entnommen, indem ich sie einfach abschrieb. Darunter folgt die Übersetzung (unter Verwendung des Google-Übersetzers, da ich kein Spanisch spreche):

SANTANA & BECKY G: MI GRAN AMOR

Un día normal en los Estados Unidos buenos días USA

Cuatro de la mañana salìa a la calle antes que el sol en su país era abogado aquí anda en chinga en la construcción una mujer hermosa y 2 hijas son su bendición con su sueldo pagan el carro y tambien la renta de una habitación

Esa mañana era una más un día normal no se imaginaba que ya no iba a volver que al trabajo iba a caer la migra migra mi gran amor se fue por culpa de la migra migra a mi gran amor lo han confundido con un bandido yo no he dormido se volvió una pesadilla buscar el sueño en Estados Unidos en Estados Unidos no hay nadie unido

Nueve de la mañana salió de casa para limpiar las 17 plantas de un edificio residencial

Pa‘ casa medio salario el otro medio pa‘ su mamá no alcanza ni para ella pero sí alcanza para ayudar en el mismo edificio trabaja willie en seguridad tiene 70 años y 35 lleva ilegal aqui tuvo hijos y nietos pero su estatus no pudo arreglar no tiene ni un delito su único delito fue trabajar

Esa mañana era una más un día normal no se imaginaba que ya no iba a volver que al trabajo iba a caer la migra migra mi gran amor se fue por culpa de la migra migra a mi gran amor lo han confundido con un bandido yo no he dormido se volvió una pesadilla buscar el sueño en Estados Unidos en Estados Unidos No hay nadie unido

Vinimos a este país sin nada y huyendo de otro las estrellas de su bandera las cosimos nosotros duele haber dado tanto y que te devuelvan tan poco trabajando tantos años por un sueño un hogar roto cómo duele cómo duele que se lleven a mis padres a mis hermanos y a mis vecinos cómo duele cómo duele cómo duele se volvió una pesadilla buscar el sueño en Estados Unidos

Übersetzung: MEINE GROSSE LIEBE

Nur ein weiterer Tag in den Vereinigten Staaten – Guten Morgen, USA!

Vier Uhr morgens; er machte sich auf den Weg zur Arbeit, noch bevor die Sonne aufging. In seiner Heimat war er Anwalt gewesen; hier schuftet er sich auf dem Bau die Seele aus dem Leib. Eine wunderbare Frau und zwei Töchter sind sein größter Segen; sein Lohn reicht gerade einmal für die Ratenzahlung fürs Auto und die Miete für ein einzelnes Zimmer.

Dieser Morgen war wie jeder andere – ein ganz normaler Tag. Niemals hätte er sich ausgemalt, dass er nicht zurückkehren würde – dass die Einwanderungsbehörde seinen Arbeitsplatz stürmen würde. *Migra, Migra* – Meine große Liebe wurde mir entrissen, und das alles wegen der Einwanderungsbehörde. Sie hielten meine große Liebe fälschlicherweise für einen Kriminellen. Ich habe kein Auge zugemacht; die Jagd nach dem „American Dream“ hat sich in einen Albtraum verwandelt. In den Vereinigten Staaten steht niemand zusammen.

Neun Uhr morgens; sie verließ ihr Zuhause, um alle 17 Stockwerke eines Wohnhauses zu putzen.

Die Hälfte ihres Lohns schickt sie in die Heimat; die andere Hälfte geht an ihre Mutter. Es reicht kaum für ihre eigenen Bedürfnisse, doch es reicht, um Hilfe nach Hause zu schicken. Im selben Gebäude arbeitet Willie als Wachmann. Er ist 70 Jahre alt und hat 35 dieser Jahre hier als Mensch ohne Papiere verbracht. Er zog hier Kinder und Enkelkinder groß, konnte aber niemals seinen Aufenthaltsstatus legalisieren. Er ist strafrechtlich unbescholten – sein einziges Verbrechen war, zu arbeiten.

Dieser Morgen war wie jeder andere – ein ganz normaler Tag. Niemals hätte er sich ausgemalt, dass er nicht zurückkehren würde – dass die Einwanderungsbehörde seinen Arbeitsplatz stürmen würde. *Migra, Migra* – Meine große Liebe wurde mir entrissen, und das alles wegen der Einwanderungsbehörde. Sie hielten meine große Liebe fälschlicherweise für einen Kriminellen. Ich habe kein Auge zugemacht; die Jagd nach dem „American Dream“ hat sich in einen Albtraum verwandelt. In den Vereinigten Staaten steht niemand zusammen.

Wir kamen ohne alles in dieses Land, auf der Flucht aus einem anderen. Wir waren es, die die Sterne auf eure Flagge nähten. Es schmerzt, so viel gegeben zu haben, nur um im Gegenzug so wenig zu erhalten – jahrelang für einen Traum gearbeitet zu haben, nur um am Ende mit einer zerrütteten Familie dazustehen. Wie es schmerzt – wie es schmerzt –, wenn sie mir meine Eltern, meine Geschwister und meine Nachbarn wegnehmen. Wie es schmerzt – wie es schmerzt – wie es schmerzt. Die Jagd nach dem Amerikanischen Traum hat sich in einen Albtraum verwandelt.

Sonntag, 3. Mai 2026

Alex Ligertwood (1946–2026)

Als ich am 14. Juni 1980 in Hannover mein erstes Santana-Konzert besuchte, standen neben Carlos Santana (Gitarre) auch Alex Ligertwood (Gesang), Raul Rekow (Congas), Armando Peraza (Bongos), Orestes Vilató (Timbales), Graham Lear (Schlagzeug), David Margen (Bass) und Richard Baker (Keyboards) auf der Bühne. Das Konzert in der Messehalle 20 war für mich ein umwerfendes und prägendes Erlebnis. Dass ich Alex und Raul Jahrzehnte später mehrfach treffen und sogar ausgedehnte Interviews (siehe mein Buch „Santana-Musiker im Gespräch“) mit ihnen führen würde, lag jenseits meiner Vorstellungskraft. Alex interviewte ich sogar ein zweites Mal gemeinsam mit Tony Lindsay.

Alex Ligertwood 2012 in Bad Fallingbostel
Der Sänger und Gitarrist Alexander John „Alex“ Ligertwood wurde am 18. Dezember 1946 im schottischen Glasgow geboren. Er starb im Alter von 79 Jahren am 30. April 2026 in Santa Monica, Kalifornien.

Tony Lindsay, ich, Alex Ligertwood 2012 in Bad Fallingbostel (Foto: Dagmar Petermann)
1979 kam seine Einladung zu Santana. Bei einem unserer Gespräche erzählt er mir, was geschah: „Ich arbeitete mit Narada Michael Walden, dem Schlagzeuger vom Mahavishnu Orchestra. Und der war – wie Carlos Santana – Anhänger des Gurus Sri Chinmoy. Ich denke, Carlos suchte einen neuen Sänger. Ich hatte ja für Michael gesungen und Carlos kannte wohl auch ein Album, das ich mit David Sancious aufgenommen hatte. Zu der Zeit lebte ich tatsächlich in Woodstock, hatte allerdings zuvor auch schon in San Francisco gewohnt. Dann erhielt ich diesen Anruf vom Santana Management und sie fragten mich, ob ich zurück nach San Francisco kommen würde, um mit Carlos zu sprechen. So ungefähr lief das ab. Wenn ich mich recht entsinne, habe ich gleich mit Santana für die anstehende Tour zu proben begonnen. Und ziemlich bald fingen wir an, gemeinsam Songs zu schreiben. Ich glaube, der erste Song war ‚Lightning in the Sky‘, der auf ‚Marathon‘ erschien“.

Santana – Marathon (1979)
Zu seinen schönsten Songs, die er mit Carlos Santana schrieb, gehören „Somewhere in Heaven“ und „Make Somebody Happy“ vom Santana-Album „Milagro“ (1992).

Santana – Milagro (1992)
1986 nahm Alex eine Auszeit von Santana. Denn im Juli fiel Jerry Garcia von den Grateful Dead in ein diabetisches Koma, erwachte fünf Tage später und brauchte Monate, um sich zu erholen. Die Grateful-Dead-Musiker Bill Kreutzmann und Brent Mydland gründeten in dieser Phase die Band Go Ahead. Auch Alex und David Margen beteiligten sich. Später kam der Dead-Gitarrist Bob Weir hinzu. The Grateful Dead waren jedoch im Januar 1987 schon wieder aktiv und nahmen ihr Album „In the Dark“ auf, das im Juli erschien und ziemlich erfolgreich wurde. Im März 1988 löste sich Go Ahead auf. Alex kehrte zu Santana zurück und blieb bis 1994.

Live in Los Angeles 2013 (2015)
Von Alex Ligertwood signiert …
… am 23. November 2015 in Wahlstedt (Foto: Dagmar Petermann)
Vor seiner Zeit bei Santana sang Alex unter anderem bei Jeff Beck, bei Brian Auger’s Oblivion Express (1970–1972 und 1974–1977), bei der französischen Jazzband Troc (1972/73) sowie der Average White Band. Mit Brian Auger und Troc kam er auch später wieder zusammen.

Live in Spain 2016 (2017)
Alex mit Gerd Schlüter und Olli Schröder von The Magic of Santana 2022 in Buchholz
Seit 2011 war er oft mit der deutschen Santana-Tributeband The Magic of Santana unterwegs (dort gastierten auch andere Santana-Musiker wie Tony Lindsay, Raul Rekow und Richard Baker). „Make Somebody Happy“ wurde gerne zum Abschluss der Konzerte dargeboten und das Publikum nahm diesen fröhlichen Ausklang im Herzen mit nach Hause. Während der Konzerte gehörte auch das gefühlvolle „Somewhere in Heaven“ zum festen Repertoire – stets dem 2015 verstorbenen Freund Raul Rekow gewidmet. Nun ist Alex selbst „Somewhere in Heaven“ …

Mittwoch, 1. April 2026

Von „Jin-Go-Lo-Ba“ zu „Jingo“

Wenige Tage nach dem legendären Woodstock Festival im August 1969 erscheint Santanas Debütalbum mit dem Löwenkopf. Darauf befinden sich neben dem durch den Woodstock-Film groß herausgekommene „Soul Sacrifice“ die beiden Hits „Evil Ways“ und „Jingo“. „Jingo“ glänzt mit seiner drohend wummernden Bassdrum und düsteren Orgelakkorden, die durch helle Becken und fröhlich tänzelnde Percussion entschärft werden. Der Song schafft es am 25. Oktober 1969 als erster Santana-Hit in die Billboard-Charts.


Die Vorlage für „Jingo“ stammt vom Perkussionisten und Meister des afrikanischen Trommelspiels Michael Babatunde Olatunji (1927–2003). Dieser wächst in Nigeria auf und kommt 1950 in die USA. Er ist unter anderem mit John Coltrane befreundet. Olatunji gilt als Vater der Weltmusik. 1960 erscheint sein Debütalbum „Drums of Passion“ – eines der ersten reinen Perkussionsalben überhaupt. Nur Perkussion und Chants … von Gesang kann eigentlich keine Rede sein, weil es wohl eher Rufe an afrikanische Götter oder Geister sind. Es wird ein Riesenerfolg und enthält den Song „Jin-Go-Lo-Ba“. In Yoruba, Olatunjis Muttersprache, bedeutet das „Mach dir keine Sorgen“. Die Melodie der Instrumentalpassagen wird von Santana hinzugefügt.


Bei Santanas Melodie zu „Jingo“ möchte ich freilich behaupten, dass auch Herbie Mann einen Anteil daran hat. Denn 1960 spielt Olatunji unter anderem im The Herbie Mann Afro-Jazz Sextet. Die beiden kennen sich also. Und 1961 entstehen die Aufnahmen für die Live-Alben „Herbie Mann at the Village Gate“ (1962) sowie „Herbie Mann Returns to the Village Gate“ (1963).


Auf letzterem befindet sich der Song „New York Is a Jungle Festival“, der vom Basslauf her noch an Olatunjis „Jin-Go-Lo-Ba“, vom Vibraphon (ab 5:20) her indes schon an Santanas „Jingo“ denken lässt. Aus meiner Sicht ist dieser Song das Verbindungsstück zwischen beiden Versionen. Vom selben Album wird Santana übrigens den „Candle Dance“ für den Titel „Mother Africa“ covern, der 1973 auf „Welcome“ erscheint.

Sonntag, 1. März 2026

Neshabur und Toussaint L’Ouverture im Faktencheck

Die Compilation „Viva Santana!“ (1988) enthält neben großen Hits der Band etliche Live-Mitschnitte wie „Incident at Neshabur“. Der Song stammt ursprünglich von „Abraxas“ (1970). Diese Version wird beim Abschiedskonzert des Fillmore West am 4. Juli 1971 aufgenommen und auf dem etwas wehmütigen Konzert-Sampler „The Last Days of Fillmore“ (1972) veröffentlicht. „Viva Santana!“ präsentiert ihn nun erstmals auf einem Santana-Album.


Neshabur soll der Ort sein, an dem der haitianische Freiheitskämpfer François-Dominique Toussaint L’Ouverture die napoleonischen Truppen geschlagen hat. Und „Toussaint L’Overture“ wurde ein Stück auf „Santana III“ (1971) genannt. Mit „Toussaint L’Overture“ und „Incident at Neshabur“ widmeten die Musiker also sowohl dem farbigen Revolutionär, als auch dem angeblichen Ort seines legendären Erfolges jeweils einen Song und fühlten sich tatsächlich selbst ein wenig als Rebellen, wie Carlos Santana im Booklet zu „Viva Santana!“ erklärt.

Ich fand das spannend und wollte eigentlich nur kurz wissen, wann und wo genau der besagte Zwischenfall (Incident) bei Neshabur stattgefunden hat – um nach einer langen Recherche feststellen zu müssen, dass es den Ort ebenso wenig gab wie das erwähnte Gemetzel. Lediglich die Persönlichkeit des Toussaint L’Ouverture hat einen realen, historischen Hintergrund.

Booklet zum CD-Set „Viva Santana!“, S. 18f
Faktencheck Neshabur: Weder Landkarten, noch andere Quellen liefern Hinweise auf einen Ort namens Neshabur auf der Insel Hispaniola (Haiti und Dominikanische Republik) oder anderswo. Mangels Alternative wird der Song bisweilen mit der Stadt Nishapur im Nordosten des Iran in Verbindung gebracht, die 1221 von den Mongolen unter Dschingis Khan zerstört wurde. Doch nach Carlos’ Aussage im Booklet kann dieser Ansatz getrost verworfen werden. Bleibt als leise Hoffnung, dass Neshabur in einer Sprache wie dem Kreolischen vielleicht doch existiert und einen Ort meint, den wir unter anderem Namen kennen.

Faktencheck Toussaint: François-Dominique Toussaint L’Ouverture wurde bekannt durch den von ihm angeführten Sklavenaufstand, der 1794 im Westen und 1801 im Osten Hispaniolas die Abschaffung der Sklaverei brachte. Toussaint L’Ouverture gilt zudem als Vater der Unabhängigkeit Haitis, erlebte deren Ausrufung 1804 indes nicht mehr. Er beendete zwar die französische Herrschaft, indem er Frankreichs Abgesandte entmachtete und des Landes verwies oder verhaftete. Die napoleonischen Truppen besiegte er jedoch keineswegs. Vielmehr wurde ein napoleonisches Heer erst 1801 als Reaktion auf Toussaint L’Ouvertures Erfolge entsandt und nahm ihn am 7. Juni 1802 gefangen. Am 7. April 1803 starb François-Dominique Toussaint L’Ouverture aufgrund der elenden Haftbedingungen in einem französischen Gefängnis. Die napoleonischen Streitkräfte wurden am 18. November 1803 bei der Schlacht von Vertières im Norden Haitis geschlagen. Da war der Freiheitskämpfer jedoch bereits tot.

Booklet zum CD-Set „Viva Santana!“, S. 29
Zum Gedenken an jenen Sieg befindet sich in Cap Haïtien direkt an der Route Nationale #1 (RN #1) das Monument des Héros de Vertières. Und 2003 wurde der Flughafen der Hauptstadt Port-au-Prince in „Aéroport international Toussaint Louverture“ umbenannt.

Auch wenn die Faktenlage ernüchternd ist – die Songs „Incident at Neshabur“ und „Toussaint L’Ouverture“ (erst auf dem 2016er-Album „Santana IV – Live at the House of Blues, Las Vegas“ wird der Name mit einem U vor dem V korrekt geschrieben) gehören zu den ewigen Meisterwerken Santanas und werden gerne live dargeboten.

Sonntag, 15. Februar 2026

Das Geheimnis des „Song of the Wind“ von „Viva Santana!“ (2 CDs 1988)

Im Oktober 1988 erscheint „Viva Santana!“. Es enthält viele große Hits und diverse bislang unveröffentlichte Live-Mitschnitte von Santana. Dem Album liegt ein umfangreiches Booklet bei, in dem Carlos Santana Geschichten und Gedanken zu den von ihm ausgewählten Stücken teilt. Allerdings scheint nicht jede Information zu stimmen … und so schwebt manches Fragezeichen im Raum (mehr hier).


Eines davon betrifft den „Song of the Wind“. Er wird wohl – anders als angegeben – nicht im Frühjahr 1977 in Paris aufgenommen, denn 1977 gibt es kein Santana-Konzert in Paris. Außerdem gehört der Song in jener Zeit nicht zum üblichen Tourprogramm. Allerdings sind Ausnahmen bei Santana immer möglich. Am 14. November 1976 in Edinburgh etwa findet sich der „Song of the Wind“ sogar gemeinsam mit „Just in Time to See the Sun“ – ebenfalls von „Caravanserai“ (1972) – auf der Set List. Und besser noch … Gastmusiker sind die ehemaligen Santana- und aktuellen Journey-Mitglieder Gregg Rolie und Neal Schon, was bei vielen Fans das Herz höherschlagen lässt. Denn Santana wird auf der Europa-Etappe der „Amigos“-Tour vom 5. November bis 15. Dezember 1976 – also auch vom 5. bis 7. Dezember in Paris – von Journey als Special Guests begleitet. Daher vermute ich, dass dieser Mitschnitt tatsächlich von einem jener gemeinsamen Auftritte auf der Europa-Tour und vielleicht eben doch aus Paris stammt. Und dass wir hier Gregg Rolie und Neal Schon hören, wie 1972 im Original. Das wäre freilich ein Highlight, welches uns ruhig hätte verraten werden dürfen.

Booklet zum CD-Set „Viva Santana!“, S. 30
Auf „Caravanserai“ ist es praktisch unmöglich, die phänomenalen Gitarrensoli den beiden Gitarristen Carlos und Neal zuzuordnen. Bei dieser Version stehen wir vor derselben Herausforderung. Dennoch will ich es einmal wagen und bitte andere Fans ausdrücklich darum, mich gegebenenfalls zu korrigieren, zumal meine Theorie (dass Neal Schon und Gregg Rolie hier mitwirken) immerhin falsch sein kann. Schaut und horcht doch gerne mal in eure Archive … vielleicht kriegen wir das Geheimnis gelüftet.

Ich denke, nach wenigen Akkorden von Carlos spielt Neal sein erstes Solo von 0:25 bis 1:35. Dann übernimmt Carlos von 1:39 bis 3:48. Ab 3:49 wechselt die Gitarrenarbeit fast unmerklich wieder zu Neal. Und ab 4:44 ist deutlich zu vernehmen, dass zwei Gitarren im Spiel sind, doch da wird der Song schon ausgeblendet und läuft nur noch wenige Sekunden lang. Wow, was für ein Erlebnis!