Donnerstag, 19. Mai 2022

Michael Carabello – Primitive Medicine, Vol. 2 (Download 2022)

Nach „The Primitive Medicine Sessions, Vol. 1” (2018) ließ das „Vol. 1“ auf ein Nachfolgealbum des ersten Santana-Congueros Michael Carabello hoffen. Am 13. Mai 2022 war es soweit.

„Primitive Medicine, Vol. 2“ enthält drei Songs mit einer Gesamtspielzeit von leider nur 9 Minuten und 14 Sekunden. Die Bezeichnung „Album“ ist insofern etwas übertrieben, zumal es nicht einmal physisch, sondern nur als MP3-Download zu kriegen ist, was ein Sammler ziemlich schade findet.


Die drei Songs sind „Soul Sauce“, „Thoughts” und „Reggae Bluz“. „Thoughts“ wird von Carlos Santana begleitet. Doch „Soul Sauce“ ist ein ungeahntes Schwergewicht, zu dem ich einiges erzählen kann.

„Soul Sauce (Guachi Guaro)“ wurde in den Vierzigerjahren von Dizzy Gillespie und Chano Pozo geschrieben – ihnen verdanken wir auch den Latinjazz-Klassiker „Manteca“. Michael Carabello, begleitet vom aktuellen Santana-Timbalero Karl Perazzo, präsentiert das Stück aber in der Version von Cal Tjader, wie auf dessen Album „Soul Sauce“ (1965) zu hören. Hier sind auch Armando Peraza, Willie Bobo und Johnny Rae dabei. Der große Perkussionist Armando Peraza spielte lange Zeit Congas und Bongos bei Santana. Willie Bobo war ebenfalls ein bedeutender Congaspieler – von ihm stammt unter anderem „Fried Neckbones And Some Home Fries“. Und der Schlagzeuger Johnny Rae sprang kurz bei Santana ein, nachdem Anfang 1969 der Drummer Bob „Doc“ Livingston gefeuert wurde. Er war aber nur etwa zwei Wochen dabei – dann kam Michael Shrieve. Und mit ihm wurde Santanas Debütalbum aufgenommen.

Donnerstag, 5. Mai 2022

50 Jahre „Song Of The Wind“

Am 5. Mai 1972 – heute vor genau 50 Jahren – wurde der „Song Of The Wind“ für das vierte Santana-Album „Caravanserai“ aufgenommen. Alle anderen Titel waren längst im Kasten, als die Musiker sich an dieses Stück machten. Es ist die Krönung eines herausragenden Albums.


Schlagzeuger Michael Shrieve erzählt: „Carlos und Neal spielten wunderbar und waren sehr glücklich über ihre Ergebnisse. Üblicherweise fängst du bei den Aufnahmen mit den Basic Tracks an, also mit Schlagzeug und Bass. Danach brauchst du kein Schlagzeug mehr. Der Gitarrist, der Sänger oder wer auch immer können auf dieser Grundlage ihre Soli verbessern. Und am Ende des Abends im Studio hatten sie so unvergleichliche Sachen aufgenommen, dass ich dachte ‚Wow, ich hätte mit ihnen spielen sollen‘. Und ich war fest entschlossen, dies zu tun. Doch es ging nicht. Ohne Computertechnik kannst du das eigentlich nicht machen. Denn wenn du die Basic Tracks versaust, kannst du die komplette Aufnahme ruinieren. Nachdem alle gegangen waren sagte ich also zum Toningenieur: ‚Ich werde die ganze Nacht lang daran arbeiten. Ich übe, wie ich spielen möchte zu dem, was Carlos und Neal bereits hingelegt haben. Also sei morgen früh hier und lass es uns machen‘. Ich habe das niemandem aus der Band erzählt. Glen Kolotkin war sehr besorgt, denn wenn ich es vergeigt hätte, hätten sie wohl ihn beschuldigt, obwohl ich es verdient hätte. Er meinte: ‚Bitte Michael, mach das nicht‘. Ich antwortete nur: ‚Sei morgen früh hier. Ich sage dir, wann.‘ Ich arbeitete die Nacht durch und sagte: ‚Schmeiß das Aufnahmeband an‘ und legte los. Ich fügte meinen Teil zu dem hinzu, was sie zu den vorhandenen Basic Tracks gespielt hatten. Und es wurde großartig“. So folgt beim „Song Of The Wind“ also das Schlagzeug den Gitarren – und nicht umgekehrt, wie eigentlich üblich.


Shrieve versuchte, im Stil von Jack DeJohnette wie bei „First Light“ mit Freddie Hubbard zu spielen, einem Song, den auch Carlos schätzt. In seinem 8 x 10 Fuß kleinen, schallgedämmten Übungsraum zuhause in der Bay Street feilte er also die Nacht hindurch an einem ausdrucksstarken Spiel. Seine damalige Lebensgefährtin Wendy Haas erklärte ihn für verrückt. Gewiss mit einem Augenzwinkern – schließlich ist sie selbst Musikerin (und auf diesem Album am Piano ebenfalls dabei).

Und Carlos‘ Freundin (und spätere Frau) Deborah: „Ich hörte ‚Song Of The Wind‘ immer und immer wieder und versuchte zu ergründen, welche Gitarre Carlos und welche Neal Schon spielte. Es fühlte sich an, als würde ich fliegen, als sie sich mit ihren Soli abwechselten. Die Musik schwebte mit Schichten aus Rhythmus und Melodie, wie ich sie noch nie zuvor gehört hatte“.


Für mich ist dieser Song ein zeitloses Meisterwerk, bei dem man jedes Instrument einzeln genießen kann und der nie langweilig wird, weil es darin so viel zu entdecken gibt. Am besten entfaltet er sich, wenn man ihn im Anschluss an die vier Titel davor hört. „Eternal Caravan Of Reincarnation“, „Waves Within“, „Look Up (To See What’s Coming Down“, „Just In Time To See The Sun“ und „Song Of The Wind“ fließen nahtlos ineinander und schaffen eine Stimmung, in der das Lied des Windes einfach nur verzaubert …

Dienstag, 8. März 2022

The Butterfield Blues Band – East-West (1966)

Die Butterfield Blues Band prägte Santana in deren Anfangszeit entscheidend. Mindestens Carlos Santana und Michael Carabello waren große Fans des Ensembles mit Paul Butterfield, Michael Bloomfield, Elvin Bishop, Jerome Arnold, Billy Davenport und Mark Naftalin. Als sie Anfang 1967 einen Namen für ihre eigene Band brauchten, nannten sie sich Santana Blues Band – in Anlehnung an die Butterfield Blues Band. Erst im Juni 1968 wurde der Name auf Santana gekürzt.


Auf „East-West“, dem zweiten Album der Butterfield Blues Band (1966), befindet sich als Titelstück ein ausgedehnter Jam ohne Intro und Outro. Er beginnt und endet abrupt. Dazwischen braust die Musik 13 Minuten und 10 Sekunden lang recht konturlos, doch voller Spannung und gespickt mit diversen Soli vor sich hin. Dieser Song hatte enormen Einfluss auf die Rockmusik – und auf Santana. Er öffnete die Tür für ausschweifende Improvisationen, die sich unter Rockmusikern der Westküste zunehmender Beliebtheit erfreuten und zu wichtigen Elementen der psychedelischen Musik
 wurden.


Frühe Liveaufnahmen von Santana folgen dem Muster von „East-West“, wie auf „Live At The Fillmore 1968“ überdeutlich zu hören. Bei Konzerten funktionierte das wunderbar. Ein Song konnte problemlos 30 Minuten dauern. „Jingo“ kam immerhin auf 9:38.


Als schließlich Plattenaufnahmen anstanden, wurde den Musikern gesagt, dass sie dafür nicht Musik brauchen, sondern Songs. Sie mussten ihre Titel plattentauglich kürzen und arrangieren, wobei Bill Graham und Alberto Gianquinto ihnen halfen. Aber sie lernten schnell. Auf ihrem Debütalbum ist beispielsweise „Jingo“ auf 4:21 komprimiert. Die ersten Sporen jedoch verdiente Santana sich mit Endlosjams im Stil von „East-West“.

Sonntag, 6. Februar 2022

Carlos Santana: „gerade noch rechtzeitig …“

Am 15. Oktober 2021 erscheint das neue Santana-Album „Blessings And Miracles“ (Segnungen und Wunder). Gut sechs Wochen später hat Carlos Santana sein eigenes Blessings-and-Miracles-Erlebnis.


„Es war 2:30 Uhr morgens [am 27. November] und ich hatte das Gefühl als würde ein Elefant auf meiner Brust sitzen. Ich sagte zu Cindy: ‚Ich denke, wir müssen in ein Krankenhaus fahren. Irgendwas fühlt sich nicht richtig an.‘ Ich hatte kaum ausgesprochen, da saßen wir auch schon im Auto auf dem Weg zum Hospital. Sie nahmen Blut ab und stellten fest, dass wir gerade noch rechtzeitig gekommen waren. Eine Arterie war zu 94 Prozent verstopft. Eine andere war zu 35 Prozent verstopft, eine weitere zu 5 Prozent. Die konnten medikamentös behandelt werden. Aber für die eine mussten sie einen Stent setzen, damit das Blut fließen konnte.“ So Carlos in einem Interview am 25. Januar 2022.

Zunächst muss er sich natürlich von dem Eingriff erholen. Das braucht eine Weile. Für Dezember 2021 werden daher alle vorgesehenen Konzerte abgesagt.

Ende Januar finden die ersten vier Shows des Jahres 2022 im House Of Blues in Las Vegas planmäßig statt. Vier weitere Anfang Februar fallen erneut aus, denn Carlos und einige Bandmitglieder werden Covid-19-positiv getestet. Sie fühlen sich aber soweit gut und wollen bald wieder auftreten. Praktischerweise sind die nächsten Termine noch etwas hin.

Erst vom 25. März bis 27. August 2022 ist die Blessings And Miracles Tour durch Nordamerika geplant, unterbrochen von der 34. Etappe im House Of Blues im Mai. The Show must go on …

Mittwoch, 26. Januar 2022

Alle Santana-Songs: 701 Titel auf 52 Alben aus 53 Jahren

Auf welchem Santana-Album wurde der Song „The Creator Has A Master Plan“ hinzugefügt? Wie viele Versionen von „Black Magic Woman“ gibt es auf offiziellen Tonträgern? Solche Fragen tauchen immer wieder auf. Da wäre eine Übersicht hilfreich.

Hier finden Sie die Songs von 52 Alben aus 53 Jahren. Das sind immerhin 701 Titel, alphabetisch aufgelistet mitsamt dem jeweiligen Album. Ausgewertet habe ich alle offiziellen (sowie einige weitere) CDs und LPs – vom Debütalbum (1969) bis einschließlich „Blessings And Miracles" (2021), darunter auch Sondereditionen mit Bonus Tracks, soweit mir bekannt und in meiner Sammlung vorhanden. Reine Best-Of-Scheiben habe ich ignoriert – sie würden die Liste nur unnötig aufblähen. Einige Compilations mit neuen Songs sowie Live-Mitschnitte sind allerdings dabei. Und dies sind die 52 Alben:

  1. Santana: Santana
  2. Santana: The Woodstock Experience
  3. Santana: Abraxas
  4. Santana: Tanglewood 1970
  5. Santana: Santana III
  6. Santana: Fillmore East 1971
  7. Carlos Santana, Buddy Miles: Carlos Santana & Buddy Miles! Live!
  8. Santana: Caravanserai
  9. Carlos Santana, Mahavishnu John McLaughlin: Love Devotion Surrender
  10. Santana: Welcome
  11. Santana: Lotus
  12. Devadip Carlos Santana, Turiyah Alice Coltrane: Illuminations
  13. Santana: Borboletta
  14. Santana: Amigos
  15. Santana: Festivál
  16. Santana: Moonflower
  17. Greg Errico, Carlos Santana, Herbie Hancock, Lee Oskar: Giants
  18. Santana: Inner Secrets
  19. Carlos Santana: Oneness
  20. Santana: Marathon
  21. Devadip Carlos Santana: The Swing Of Delight
  22. Santana: Zebop!
  23. Santana: Shangó
  24. Carlos Santana: Havana Moon
  25. Santana: Beyond Appearances
  26. Santana: Freedom
  27. Santana: Blues For Salvador
  28. Santana: Viva Santana!
  29. Santana: Spirits Dancing In The Flesh
  30. Santana: Milagro
  31. Santana: Sacred Fire
  32. Carlos Santana, Jorge Santana, Carlos Hernandez: Santana Brothers
  33. Santana: Dance Of The Rainbow Serpent
  34. Santana: Live At The Fillmore 1968
  35. Santana: Supernatural
  36. Carlos Santana, Bill Laswell: Divine Light
  37. Santana: Shaman
  38. Santana: Ceremony
  39. Santana: Food For Thought
  40. Santana: All That I Am
  41. Carlos Santana, Wayne Shorter: Live From The 1988 Montreux Jazz Festival
  42. Santana: Ultimate Santana
  43. Santana: Guitar Heaven
  44. Santana: Shape Shifter
  45. Santana: Corazon
  46. Santana: Corazon • Live From Mexico 2014
  47. Santana: Santana IV
  48. Santana: Santana IV • Live At The House Of Blues, Las Vegas
  49. The Isley Brothers & Santana: Power Of Peace
  50. Santana: In Search Of Mona Lisa
  51. Santana: Africa Speaks
  52. Santana: Blessings And Miracles

Viel Spaß beim Stöbern.

Samstag, 11. Dezember 2021

Santana – Blessings And Miracles (CD 2021)

Santana wechselt wieder einmal die Plattenfirma. Am 4. August 2021 gibt BMG in einer Pressemitteilung bekannt, dass Carlos bei ihnen unterschrieben habe. Das nächste Santana-Album, bei dem viele Stars mitwirken, werde bei ihnen veröffentlicht. Es ist für den 15. Oktober geplant.

Also wieder viele Gäste statt einfach nur Santana. Nun gut. Nach dem Tiefpunkt „Africa Speaks“ (2019) erwarte ich sowieso wenig – und werde von „Blessings And Miracles“ angenehm überrascht.

„Ghost of Future Pull/New Light” ist ein recht kurzes, spannendes Intro, gefolgt von „Santana Celebration“. Dies reißt einen zunächst unsanft aus den Träumen, um dann aber mit viel Percussion und Orgel gefällig zu punkten.

„Rumbalero“ mit dem Gesang von Asdrubal Sierra und – Überraschung – Salvador Santana (dem Sohn von Carlos) ist ein Highlight mit hübschen Piano-Einlagen. Für mich bislang die stärkste Performance von Salvador, dessen immer nur kurz und rap-artig eingesetzte Stimme sich hier richtig gut macht. Der Song wäre geeignet gewesen, „Africa Speaks“ erheblich aufzuwerten.

„Joy“ mit Chris Stapleton ist ein hübscher Song mit dezentem Reggae-Rhythmus. Carlos erzählt: „Als er mich fragte, welche Musik ich gerne hätte, antwortete ich: ‚Musik wie mystische Medizin, um die verdrehte, korrupte, infizierte Welt voller Angst, Dunkelheit und Trennung zu retten.‘ Darauf er: ‚Oh oh! Okay.‘ Ich sagte: ‚Ich komme aus derselben Ecke wie Bob Marley und John Lennon. Wir glauben, dass wir alle eins sind, und ich möchte gemeinsam mit dir ein Lied schreiben, bei dem Text, Melodie und Richtung – also die ganze Bandbreite – mystische Medizinmusik ist, um eine infizierte Welt voller Angst und Dunkelheit zu heilen.‘ Er mochte das und so schrieb er diesen Song, wie wir es am Telefon besprochen hatten, und er heißt ‚Joy‘ (Freude). Freude ist das allerbeste Heilmittel gegen Angst“.

Bei der ersten Singleauskopplung „Move“ finden Carlos Santana und Rob Thomas erneut zusammen – 22 Jahre nach dem Riesenerfolg „Smooth“. Eine Offenbarung ist das aus meiner Sicht freilich nicht. Fans hätten dieser neuen Kollaboration atemlos entgegengefiebert, heißt es im Marketing-Blahblah des Santana-Newsletters. „‚Move‘ entstand ähnlich wie ‚Smooth‘“, so Carlos. „Es war göttliche Fügung hinter den Kulissen …“. Okay, das kennen wir schon von „Supernatural“. Von Beginn an sei der Song ein Gewinner, erfahren wir. „Santanas kraftvolle Gitarrenlicks setzen alles in Brand und ab geht‘s mit einem knirschenden, groovenden, lautstarken, swingenden und insgesamt atemberaubenden Mix aus Pop und Latinrock mit wirklichem Feuer, das einen tagelang nicht loslässt“ und so weiter. Naja …

Dagegen ist der Procol-Harum-Klassiker „Whiter Shade Of Pale“ aus dem Jahr 1967, hier mit der Stimme von Steve Winwood, die reinste Erholung. Bei einem Konzert im Londoner Hyde Park mit Eric Clapton, Gary Clark (Jr.) und Steve Winwood kommt Carlos die Idee dafür: „Hey, Stevie“, ruft er ihm ins Ohr, „ich höre dich ‚A Whiter Shade Of Pale‘ singen und dazu die Orgel spielen und mich die Gitarre, aber wir machen es völlig anders – im afrikanischen, kubanischen, puertoricanischen Guajira-Stil. Sehr sexy“. Aber Winwood schaut Carlos nicht an, sondern konzentriert sich weiterhin auf Gary Clark. Carlos fragt sich schon, ob seine Worte überhaupt angekommen sind. „Innerhalb von zehn Sekunden, glaube ich, hörte er ebenfalls, was ich hörte. Er wendete sich zu mir und sagte: ‚Carlos! Ich höre es! Ich sehe, was du gerade meintest!“. Und hier ist das Ergebnis. Entgegen der Idee singt Steve Winwood nur und sitzt wohl nicht an der Orgel. Sie klingt nicht nach ihm und Credits erhält er dafür auch nicht.

Dann kommt „Break“ mit Ally Brooke und wir erleben Carlos in einer gefühlvollen Ballade. Von seinem Gitarrenspiel her ist dies einer der besten Songs auf dem Album.

Bei „She‘s Fire“ sind Diane Warren und G-Eazy dabei. Und wenn jüngere Hörer auf Anhieb G-Eazy erkennen und sich fragen, wer wohl dieser Gitarrist sei, geht das Konzept mit den vielen Stars aus geschäftlicher Sicht auf.

„Peace Power“ mit Corey Glover von Living Colour wird wieder laut. Noch lauter und ziemlich heftig gerät „America For Sale“ mit Kirk Hammett von Metallica und Marc Osegueda von den Death Angels. Carlos meint, er hätte mit Leichtigkeit ein komplettes Hardrock-Album aufnehmen können. „Weil wir es können. Cindy kann das, und ich kann das. Es braucht nur Gelegenheiten, um wie mit Kirk Hammett Songs aufzunehmen und dabei zu brennen“. Neben Kirk Hammett will Carlos zunächst Steven Tyler ins Boot holen, der jedoch andere Prioritäten hat. Also fragt er Hammett, ob der jemanden mit einer ähnlichen Stimme wie beim Sänger von AC/DC wüsste. Hammett schlägt seinen besten Freund Marc Osegueda vor und lädt ihn ein. Für Freunde härteren Rocks hat das Stück einiges zu bieten.

Anschließend beschert „Breathing Underwater“ mit Stella Santana (einer Tochter von Carlos – Lead Vocals) und Avi Snow (Vocals) eine kurze Atempause. Instrumente und Stimmen klingen sehr opulent und dicht, tatsächlich wie unter Wasser. Und zum Ende hin lässt die Gitarre kleine Luftbläschen aufsteigen. Im Original heißt der Song „Golden“ und stammt von Avi Snow & MVCA featuring Stella Santana. Carlos mag ihn sehr und fragt zum Erstaunen seiner Tochter, ob er ihn für das neue Album verwenden und mit seiner Gitarre begleiten darf.

„Mother Yes“ geht abermals rockig zur Sache. Und dann liefert Carlos bei „Song For Cindy“ ein etwas romantischeres Gitarrenspiel ab, wie man es freilich auch erwarten darf, wenn er das Lied schon seiner Frau widmet.

„Angel Choir/All Together” mit Gayle Moran Corea und Chick Corea ist einer der emotionalsten Songs des Albums. Kurz zwar, aber wirklich schön. Die Credits teilen sich Gayle und Chick Corea, verheiratet seit 1972. Gayle Moran Corea spielt unter anderem Mitte der Siebziger im Mahavishnu Orchestra. „Oh mein Gott, das geht zurück bis 1970 oder 1972“, erinnert sich Carlos. „Wir schrieben uns immer zu Weihnachten. Und sie wollten gerne etwas mit mir gemeinsam machen. Aber aus irgendwelchen Gründen haben wir das nicht hinbekommen. Plötzlich erzählte Gayle, sie hätten einen Song für mich und wünschten endlich unsere Zusammenarbeit. Also sagte ich zu. Und kaum hatten sie mir diesen Song geschickt, da verließ uns Chick. Aber er hatte all die Keyboards gespielt. Und so machten wir daraus den Song“. Chick Corea, geboren am 12. Juni 1941, stirbt am 9. Februar 2021. „Es war der letzte Song, den er schrieb, bevor er in die nächste Realität ging …“.

„Ghost Of Future Pull II“ erinnert vom Basslauf her an „3rd Stone From The Sun“ von Jimi Hendrix, was ja das Rückgrat von Santanas „Gypsy Queen“ bildet, und verbindet diese Idee mit indianischen Chants und einem nochmal intensiven Abgang.

Carlos verbringt einen Teil der letzten zwei Jahre als Produzent mit den Aufnahmen für „Blessings And Miracles“. Corona zwingt die Musiker, ihre Beiträge aus der Ferne beizusteuern, aber die Technologie macht es immerhin möglich. „Es ist unglaublich, wie wir gemeinsam aufnehmen konnten, ohne im selben Studio zu sein“, so Carlos. „Ich schloss meine Augen, und schon war ich im selben Raum mit wem auch immer. Die Schwingungen verbanden uns“.

Das Cover zeigt Tlāloc, eine Gottheit der Azteken. Er ist der Gott des Regens, des Wassers und der Fruchtbarkeit der Erde – Symbole dafür sind auf dem Bild leicht zu erkennen. Tlāloc hat zwar auch die etwas unangenehmere Eigenschaft, Hagel, Blitz und Donner zu senden. Doch Carlos geht es um die segensreichen Kräfte, die uns Glück, Heilung und Wohlstand in vielfältiger Form bescheren können. „Gott ist für jeden da – wie auch der Regen. Für mich stehen Wunder und Segnungen in Verbindung mit Gnade. Und Gnade gibt es in allen Religionen und Glaubensrichtungen“. „Der Titel dieses Albums entspringt meiner Überzeugung, dass wir mit himmlischen Kräften geboren werden, die es uns ermöglichen, Segnungen und Wunder – Blessings And Miracles – zu bewirken“, so Carlos. „Die Welt suggeriert dir, dieser Geschenke unwürdig zu sein. Doch wir müssen Licht, Geist und Seele nutzen. Sie sind unzerstörbar und unveränderlich. Das sind die drei Elemente dieses Albums“.

Freitag, 15. Oktober 2021

Marcus Malone gestorben

Im Juli 1967 verließ Congaspieler und Gründungsmitglied Michael Carabello die Santana Blues Band. „Wir mussten Carabello eine Zeit lang ersetzen“, so Carlos Santana in seiner Biografie. „Stan [Marcum, Manager] hörte sich die congueros im Aquatic Park an und traf einen Typen namens Marcus Malone. Er war richtig gut, ein Autodidakt, der es aus eigener Kraft zum Showman gebracht hatte, aber er hatte keine Ahnung von der Clave – von dem Rhythmus, der die Grundlage jeder afrokubanischen Musik ist – und von kubanischer oder puertoricanischer Musik. Aber davon ließ er sich nicht aufhalten. Er hatte die Idee für ‚Soul Sacrifice‘ und konnte ‚Jingo‘ poppig spielen. Ich hing immer öfter mit ihm ab. (…) Wir machten das Latin-Ding erst, als Gregg Rolie und ich mit Marcus Malone spielten.“

Marcus Malone trägt einen Sombrero
Anfang 1969 – während der Aufnahmen für das erste Album – wanderte Marcus Malone nach einer Messerstecherei mit Todesfolge ins berüchtigte San Quentin. Wegen anstehender Auftritte brauchte Santana aber dringend einen Congaspieler. Gregg Rolie schlug vor, Carabello zurückzuholen, bis Malone wieder freikomme. Doch der blieb für einige Jahre in Haft und der Kontakt riss ab. Also war Michael Carabello ab Februar 1969 wieder dabei.

Nach seiner Entlassung 1973 lebte Malone auf den Straßen von Oakland.

Marcus Malone und Carlos trafen sich erst im Dezember 2013 wieder. Der Reporter Stanley Roberts von KRON-TV begegnete dem obdachlosen Malone bei Recherchen über illegale Müllentsorgung und glaubte ihm zunächst nicht recht, dass er einst zu Santana gehörte. Nachforschungen ergeben jedoch, dass dies kein Märchen war.

Carlos hatte seinerseits schon vergeblich nach Malone gesucht. Aufgrund des Berichts nahm das Santana-Management Kontakt zum Reporter auf, der Carlos und Marcus zusammenbrachte. Malone sollte für die Aufnahmen von „Santana IV“ dabei sein. Doch daraus wurde nichts – vermutlich aufgrund mangelnder Spielpraxis.

Am 18. Juni 2016 wurde Marcus in Oakland vom umherfliegenden Reifen eines vorbeifahrenden Autos böse getroffen und landete schwer verletzt im Krankenhaus.

Am 12. Oktober 2021 starb Marcus Malone im Alter von 78 Jahren.

Freitag, 27. August 2021

Paolo Rustichelli – Mystic Jazz (CD 1992)

Das Ende des Jahres 1991 hat Miles Davis nicht mehr erlebt. Paolo Rustichelli kann sich glücklich schätzen, dass er den Meister, dem er dieses Album dann auch gewidmet hat, noch rechtzeitig in sein Projekt einbinden konnte. Und mit ihm weitere Musiker wie Wayne Shorter, Herbie Hancock, Andy Summers, Benny Rietveld und Carlos Santana.


Benny Rietveld hatte seine Zeit bei Miles Davis gerade hinter sich und ist bei Santana, wo er nach 30 Jahren heute noch immer spielt, wohl frisch eingestiegen, als er gemeinsam mit beiden auf diesem Album mitwirkt.

Nur bei „Full Moon“ ist neben Benny auch Carlos dabei. Es ist mit einem Hauch von Blues und dank Carlos Santanas Gitarre – neben dem getragenen letzten Song mit Miles Davis – wohl das melodischste Stück auf diesem Album, welches sonst meist von Jazz-, Fusion- und leichten Funkelementen dominiert wird.

Donnerstag, 8. Juli 2021

Peter Apfelbaum & The Hieroglyphics Ensemble – Jodoji Brightness (CD 1991)

Wer ist Peter Apfelbaum, mag manch einer fragen. Und was hat er auf diesem Blog zu suchen? Nun, Peter Apfelbaum ist ein Jazz-Multiinstrumentalist, der unter anderem mit Don Cherry, Bill Laswell, Lee „Scratch“ Perry, Todd Rundgren, Cassandra Wilson, Jah Wobble und John Zorn gespielt hat. Und in seinem Hieroglyphics Ensemble – und jetzt kommt’s – wirken Jeff Cressman (Posaune, Pyramid Bell, Percussion) und Bill Ortiz (Trompete, Flügelhorn) mit, die von 1999 bis 2014 die Horn Section von Santana bildeten.

Das Album „Jodoji Brightness“ bietet teils experimentellen, meist aber angenehm zu hörenden Jazz oder Jazz-Fusion. Hier treten Bill Ortiz und Jeff Cressman einmal mit völlig anderer Musik in Erscheinung …

Dienstag, 25. Mai 2021

Passend zur feurigen Musik …

Auch sowas gibt es – passend zur feurigen Musik von Santana und zu anderen afrokubanischen Klängen. Und es war eine gelungene Überraschung, die meine Frau mir damit bescherte:

Eine 200-Liter-Feuertonne, gestaltet nach ihren Wünschen und in Anlehnung an das Cover von „Abraxas“. Natürlich mussten am selben Abend die Flammen lodern, zumal das Wetter uns hold war …

Ich bedanke mich sehr herzlich für dieses feine Geschenk, das uns im Sommer gewiss noch an manchem Abend leuchten wird. Und hier wurde das Metallfass frisiert.