| Mingo Lewis – Flight Never Ending (1976) |
„Zu der Zeit arbeitete meine Mutter im Madison Square Garden. Ich war dort und wollte eigentlich etwas Geld verdienen, um am Abend einen Latin-Club besuchen zu können. Und sie sagte ‚Hey, ich habe zwei Eintrittskarten. Willst du mit einem deiner Freunde Santana sehen?‘ Das Lustige ist, dass ich gar nicht hinwollte. Aber mein Freund sagte: ‚Lass uns unbedingt hingehen. Es wird großartig!‘ Denn er kannte den Woodstock-Film und fand die Idee cool. Ich ließ mich überreden, wenigstens für einen Teil des Auftritts zu bleiben, wollte anschließend jedoch in den Latin-Club gehen und das wahre Ding erleben. Also gab sie uns die Tickets und wir waren zeitig vor Ort. Wir schauten uns um und sahen uns das Setup auf der Bühne an. Doch da standen keine Congas, keine Timbales, nur ein Schlagzeugset. Ich fragte meinen Freund, ob er sicher sei, dass sie Perkussionisten in der Band haben, denn da stünden keinerlei typische Instrumente.
Das hörte eine Frau, die auf der Bühne Fotos vom Setup machte. Sie klärte uns auf, dass die Perkussionisten gerade gekündigt hätten. Mein Freund wies auf mich: ‚Hey, er kann Congas spielen!‘ Sie sah mich an und fragte: ‚Bist du ein Congaspieler?‘ Ich meinte: ‚Ja, so die Art …‘ Und sie: ‚Wartet mal kurz.‘ Sie ging und holte den Promoter des Konzerts. Wir schauten uns weiter um … waren halt neugierige Jugendliche. Der Promoter kam und stellte viele Fragen, auch ob ich Congas spiele. Dann wollte er meine Hände sehen. Die waren arg mitgenommen, denn ich übte sehr viel. Und er: ‚Es sieht wirklich aus, als wärst du ein Hand-Drummer. Warte einen Moment … ich muss mal eben telefonieren. Meinst du, spielen zu können?‘ Ich sagte: ‚Nein, ich will nicht spielen.‘ Doch mein Freund beharrte: ‚Ach was, er ist echt gut. Er kann spielen!‘ Und so rief er Carlos und den Tourmanager Ron Estrada und die anderen Leute im Hotel an und sagte ihnen, dass da ein 17-jähriger Junge sei, der meine, Congas spielen zu können.
Sie wollten das prüfen, denn andernfalls hätten sie das Konzert und die beiden Shows am nächsten Tag womöglich absagen müssen. Also kamen sie, nahmen mich mit nach hinten, wo einige richtig schöne Instrumente standen, und baten um eine Kostprobe. Ich schnappte mir fünf oder sechs Congas und begann zu spielen. Offenbar waren sie beeindruckt, tuschelten miteinander und fragten mich, ob ich ihre Songs kenne. Ich kannte keinen davon. Sie waren recht erstaunt und irritiert. Und Michael Shrieve meinte: ‚Lasst uns doch kurzerhand die Rhythmen aufschreiben.‘ Sie fragten mich, ob ich spielen wolle und ich entschied: ‚Werde ich wohl. Nun bin ich schon mal hier, da kann ich genauso gut auch spielen.‘ Sie notierten also für jeden Song die Rhythmen, brachten die Congas nach draußen und zehn Minuten später schritten wir auf die Bühne und ich begleitete sie vom ersten Stück an.
Nach vielleicht 45 Minuten trat Carlos zu mir und sagte: ‚Du bist dran!‘ Das werde ich nie vergessen, denn er spielte Gitarre in ‚Soul Sacrifice‘. Plötzlich sollte ich dran sein und wunderte mich, was er damit meint. Alle hörten auf zu spielen. Auch ich hörte für eine Sekunde auf und da merkte ich, oh Shit, es ist mein Solo! Also legte ich los. Und das Verrückteste ist, dass sie von der Bühne gingen und mich ganz alleine ließen. Du meine Güte, was sollte ich jetzt machen? Ich spielte und spielte und fragte mich, wo zur Hölle sind sie alle? Niemand kam zurück und so lief es wohl zehn Minuten lang. Schließlich hörte ich einfach auf. Da erschienen sie wieder und das Publikum begann zu rasen, erhob sich und es gab Stehende Ovationen. Am Ende der Show sagten Sie: ‚Wir wollen uns bei diesem jungen Mann bedanken – wie ist noch dein Name?‘ Ich sagte ihnen meinen Namen und meine Mutter, die im Publikum saß, konnte es nicht glauben.
Nach dem Konzert ging es im Hotel weiter und sie fragten mich, ob ich morgen erneut dabei sein wolle und ich sagte, vielleicht. Am nächsten Tag rief ich sie an und fuhr zur Show und es war wieder genauso. Am Morgen darauf riefen sie bei meiner Mutter an und sagten, sie wollen mich mit auf Tour nehmen und ich solle zur Band gehören – ob das für sie okay sei. Und sie sagte, das sei meine Entscheidung. Das war‘s. Fortan war ich mit Santana unterwegs. So lief es zwei oder drei Jahre. Dann wechselte ich zu Chick Coreas Band Return to Forever.“
Auf den drei Alben „Carlos Santana & Buddy Miles! Live!” (1972), „Caravanserai“ (1972) und „Carlos Santana & Mahavishnu John McLaughlin – Love Devotion Surrender“ (1973) begleitete er Santana.
Anschließend machte James Mingo Lewis als Session-Musiker weiter. Unter dem Namen Mingo Lewis produzierte er 1976 das Soloalbum „Flight Never Ending“ und spielte für einige Jahre bei Al Di Meola, The Tubes und anderen.
Doch das Schicksal meinte es nicht besonders gut mit ihm. Zum Schluss schlug er sich als Obdachloser durchs Leben. Nun ist sein Flug beendet. James Mingo Lewis starb am 27. Januar 2026 im Alter von 72 Jahren.
Auf den drei Alben „Carlos Santana & Buddy Miles! Live!” (1972), „Caravanserai“ (1972) und „Carlos Santana & Mahavishnu John McLaughlin – Love Devotion Surrender“ (1973) begleitete er Santana.
Anschließend machte James Mingo Lewis als Session-Musiker weiter. Unter dem Namen Mingo Lewis produzierte er 1976 das Soloalbum „Flight Never Ending“ und spielte für einige Jahre bei Al Di Meola, The Tubes und anderen.
Doch das Schicksal meinte es nicht besonders gut mit ihm. Zum Schluss schlug er sich als Obdachloser durchs Leben. Nun ist sein Flug beendet. James Mingo Lewis starb am 27. Januar 2026 im Alter von 72 Jahren.