Donnerstag, 3. September 2020

The Magic of Santana – LIVE at the GROH Hall (CD/DVD 2019)

Normalerweise wären meine Frau und ich heute nach Buchholz gefahren, um The Magic of Santana in der Empore live zu genießen. Aber in Corona-Zeiten ist nichts normal und der Kulturbetrieb ruht weitgehend. Ein Jammer … für die Band ebenso wie für die Fans. Das Konzert wird auf den 18. März 2021 verschoben. Wir hoffen, dass es wenigstens dann stattfindet.

Wie schön, wenn man sich zum Trost die neueste CD oder DVD von The Magic of Santana mit den ehemaligen Santana-Sängern Alex Ligertwood und Tony Lindsay anhören oder ansehen kann. Sie spielen „Singing Winds, Crying Beasts“, „Black Magic Woman/Gypsy Queen“, „Evil Ways“, „Maria Maria“ „Hold On“, „Somewhere In Heaven“, „She‘s Not There“, „Toussaint L‘Overture“, „É Papa Ré“, „Everybody‘s Everything“, „Oye Como Va“ (nur auf der DVD), „Jingo“ (nur auf der DVD) und „Make Somebody Happy“. Das sind geschlagene eindreiviertel Stunden feine, handgemachte Musik auf der DVD, die natürlich nicht ganz auf die CD passt, weshalb dort zwei Stücke fehlen. Das Konzert wird am 16. März 2017 in der GROH Halle in Buchholz aufgenommen.


Lead-Gitarrist Gerd Schlüter kündigt ein „relativ kurzes Set“ an, denn die Band will eigentlich nur ein Promo-Video drehen (deshalb sind auch überall Kameras unterwegs). Doch dann reißt ihre eigene Spielfreude sie mit und heraus kommt ein fast ausgewachsenes Konzert mit begeisternden, berauschenden und besinnlichen Momenten (wie das dem verstorbenen Raul Rekow gewidmete „Somewhere In Heaven“). Wir erleben tolle Soli von allen Musikern sowie stimmungsvolle Dialoge zwischen Alex und Tony, die sich wirklich prima verstehen. Und man sieht nicht zuletzt an ihren Mienen, wie viel Spaß ihnen der Auftritt bereitet. Was sich natürlich auch auf’s Publikum überträgt. Ein großartiger Abend.


The Magic of Santana sind Gerd Schlüter (Lead-Gitarre, Gesang), Andreas Rohde (Timbales, Percussion, Gesang), Jürgen Pfitzinger (Congas, Percussion), Pablo Escayola (Congas, Percussion, Gesang), Martin Hohmeier (Bass), Oliver Steinwede (Schlagzeug), Oliver Schröder (Gitarre, Gesang, Small Percussion) und Jens Skwirblies (Hammond Organ, Keyboards). Hinzu kommen die beiden Gäste Alex Ligertwood (Lead-Gesang, Gitarre, Small Percussion) und Tony Lindsay (Lead-Gesang, Small Percussion).

Sonntag, 26. Juli 2020

Peter Green gestorben

Gestern ist der begnadete Gitarrist Peter Green (29. Oktober 1946 – 25. Juli 2020) von uns gegangen. Er wurde 73 Jahre alt. Von ihm stammt der Song „Black Magic Woman“, einer der wichtigsten Hits von Santana.

Peter Green beeinflusste Carlos Santana in dessen Frühphase sehr: „Er hatte bereits seinen eigenen Stil – legato. Er ließ die Noten einfach hängen. Sein Sound nahm mich echt in den Schwitzkasten und ließ mich nicht mehr los. Und diese Töne! In dem Stück ‚The Supernatural‘ – nicht zu verwechseln mit meinem Album ‚Supernatural‘ – war Greens Gitarrensound haarscharf am Feedback. Dieses Stück hat bei mir definitiv Eindruck hinterlassen. Ich glaube, das war der erste instrumentale Blues, der zeigte, dass eine Gitarre problemlos die Leadstimme sein kann – und dass Sänger manchmal total überflüssig sind. Ich liebte diesen Klang“ (Carlos Santana: Der Klang der Welt, 2015, S. 160). Stücke wie „Samba Pa Ti“ zeugen davon.



Peter Green hatte kein leichtes Leben, aber er bescherte uns wunderbare Musik. In den Sechzigern mit John Mayall & The Bluesbreakers (aus der Zeit stammt „The Supernatural“) und Fleetwood Mac („Black Magic Woman“), später dann solo und mit diversen Projekten wie seiner Splinter Group. Herausragend finde ich sein Album „In The Skies“ (1979). Mag es ihm In The Skies jetzt gut gehen …

Samstag, 25. Juli 2020

Santana – Borboletta (Blue Vinyl 2020)

Vierzig Jahre nach ihrem Debüt, am 24. Oktober 2014, wird die LP „Borboletta“ in 180-Gramm-Vinyl als Limited Edition von der Plattenfirma Friday Music neu aufgelegt. Ähnlich ergeht es in dieser Zeit etlichen Santana-Alben – für mich eine erfreuliche Renaissance der Schallplatten mit ihren großformatigen, aufklappbaren Plattenhüllen.




Einige Jahre weiter lässt sich das Label besondere Gimmicks einfallen. Am 20. März 2020 und damit für das genannte Jubiläum eigentlich etwas verspätet erscheint „Borboletta“ erneut als LP, diesmal aber als „180 Gram Audiophile Vinyl 45th Anniversary Super Limited Edition“ mit dem ursprünglichen Gatefold Cover und wahlweise in Platinum Swirl (silbernem) oder Translucent Blue (transparent-blauem) Vinyl.

Das Mastering soll verbessert worden sein – Audiophil eben. Hmmm … schwierig zu beurteilen … da kann man sich viel einbilden, wenn man will. Ich habe diese LP und die CD parallel gehört und ständig hin und her geschaltet und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass die LP etwas voller, klarer, reiner und differenzierter klingt als die CD. Im Vergleich zur LP tönt mir die CD tatsächlich ein wenig matschig. Dabei ist die LP ungewöhnlich leise produziert – der Lautstärkeregler muss also weit hochgedreht werden, um auf denselben Level zu kommen. Dennoch bin ich alles in allem sehr erfreut über dieses schöne Sammlerstück.

Dienstag, 23. Juni 2020

Raul Rekow & Karl Perazzo – Just Another Day In The Park (CD 2003)

Im Aquatic Park in San Francisco trafen sich schon in den Sechzigerjahren die örtlichen Percussionspieler, um gemeinsam zu jammen. Michael Carabello, Gründungsmitglied von Santana, erinnert sich: „Ich spielte also am Sonntagnachmittag auf den Stufen im Aquatic Park mit den anderen Congaspielern und Typen, die Weinflaschen mit irgendwelchen Stöcken als Cowbells nutzten…“. Es war gewissermaßen eine Freiluft-Musikschule und Talentbörse. Wer für seine Band einen Perkussionisten suchte, ging einfach hin, schaute sich um und sprach einen von ihnen an. Vermutlich bezieht sich „Just Another Day In The Park“ auf den Aquatic Park.

Perkussionisten fast unter sich
Viele Jahre lang haben Raul Rekow (Congas, Percussion, Vocals) und Karl Perazzo (Timbales, Percussion, Vocals) gemeinsam bei Santana gespielt. Karl spielt dort noch immer, Raul starb traurigerweise 2015. Mittendrin haben sie diese CD aufgenommen, ein Bonbon für Freunde der Perkussion. Und damit kann man tatsächlich ein Album füllen. Wer es noch nicht wusste, darf staunen, wie klangvoll und abwechslungsreich Percussion ist, wenn zudem noch einige Chants die Rhythmen ergänzen. Sehr afrikanisch, wie die Wurzeln dieser Musik. Mehr braucht es eigentlich nicht.

Gibt es aber trotzdem. Auf „Llego Mi Guajira“, dem fünften von neun Songs, gesellen sich tatsächlich weitere Instrumente hinzu, beispielsweise die Trompete von Bill Ortiz, ebenfalls Santana, und obendrein Bass und Keyboards. Sie zaubern ein begeisterndes Salsastück. Andere Instrumente sind nur noch in der zweiten Hälfte von „Suena La Campana“ zu hören.

Ansonsten ist „Just Another Day In The Park“ Percussion pur. Wie an einem Sonntagnachmittag im Aquatic Park. Hören und genießen! Ach ja … eines der ersten reinen Perkussionsalben war 1959 „Drums Of Passion“, das Debütalbum des gebürtigen Nigerianers Michael Babatunde Olatunji – er gilt daher auch als Vater der Weltmusik. Darauf befindet sich ein zehn Jahre später als Coverversion relativ bekannt gewordenes Stück namens „Jin Go Lo Ba“ …

Anmerkung: Wenn ich zwischen den Schreibweisen mit c und k hin und her springe, ist das übrigens kein Versehen, sondern es dient der Abwechslung. Percussion mit c wird englisch, Perkussion mit k deutsch ausgesprochen. Geht beides.

Montag, 22. Juni 2020

Neal Schon – I On U (CD 2005)

Eigentlich spielte Neal Schon nur zwei Studioalben mit Santana ein – „Santana III“ (1971) und „Caravanserai“ (1972). Dann gründete er gemeinsam mit Gregg Rolie die Band Journey. Doch Santana war eben der Beginn seiner Musikerkarriere und dafür bleibt er in Erinnerung. Erst wieder 2016 war er als Initiator des Projekts „Santana IV“ dabei.


Dazwischen schuf er neben seinen Journey-Aktivitäten diverse Soloalben. „I On U“ ist eins davon – unverkennbar ein Gitarrenalbum, aber Neal Schon spielt auch Bass und Synthesizer. Ihn begleiten Omar Hakim (Drums), Igor Len (Keyboards) und Gary Cirimelli (Drum Programming) – das war’s auch schon. Die Musik ist rockig, intensiv und manchmal etwas exotisch. Gelegentlich perlen die Gitarrentöne in für Neal Schon ungewöhnlicher Klarheit aus den Lautsprechern, dann röhren sie wieder, wie von ihm gewohnt.

Auf wen auch immer der Gitarrist sein Auge geworfen hat („Eye On You“) … mir gefällt die meist ziemlich gelöst und heiter klingende Scheibe. Und daher empfehle ich sie gerne weiter …

Donnerstag, 18. Juni 2020

Michael Shrieve – Fascination (CD 1994)

Von Michael Shrieve sind wir abwechslungsreiche Projekte gewohnt. Diesmal spielt der Schlagzeuger mit Bill Frisell (Gitarre) und Wayne Horvitz (Orgel). Das Trio liefert entspannte, bisweilen etwas schräge Jazznummern ab, die aber genau deshalb auch eine gewissen Spannung aufweisen und irgendwie … faszinierend und ein bisschen herb klingen.


Im längsten Stück „The Great Ambassador“ (9:14) etwa – man merkt ihm seine Länge nicht an – treibt Shrieve mit präzisem Spiel Frisell und Horvitz an, ihre Ideen zu präsentieren. „Living With The Law“ ist eher verspielt und melodisch. Die Drums sind stets sehr präsent. Anflüge von Easy Listening gibt es häufig, doch im Spannungsfeld zwischen Entspannung und Spannung passiert einfach zuviel, als dass die Aufmerksamkeit sich in die Hängematte legen könnte.

Ich habe mir die CD wegen Michael Shrieve spontan zugelegt und bin wirklich angetan von diesem Kauf. Mit dem wunderbaren, über acht Minuten lang geheimnisvoll in der See dräuenden „Soundings In Fathoms“ („Wassertiefe in Faden“ – gemeint ist das nautische Längen- und vor allem Tiefenmaß Faden oder Klafter) klingt das Album so aus, dass ich es gleich wieder von Neuem starten könnte …

Donnerstag, 28. Mai 2020

Neal Schon – Electric World (2 CDs 1998)

Mit „Electric World“ legt Gitarrist Neal Schon, der seine Karriere 1971 bei Santana begann und 1973 Journey gründete, ein Soloalbum hin, wie ich es nicht erwartet habe. Mit melodischem Spiel bewegt er sich in der Nähe der Jazzfusion-Musik, irgendwo zwischen Larry Coryell und Weather Report.


Die anderen Musiker sind Walfredo Reyes Jr. (Schlagzeug und Percussion), Alphonso Johnson (Bass) und Michael Carabello (Percussion), die wir allesamt von Santana kennen. Weiterhin Zakir Hussein (Tablas und andere indische Percussion), Igor Len und Kit Walker (Keyboards und diversen Programmierungen), Steve Smith (Schlagzeug) – und bei manchen der 21 Songs spielt Neal Schon sämtliche Instrumente gleich selbst.

Ruhig und ziemlich entspannt läuft die Musik vor sich hin, ohne eintönig zu sein. Denn immer wieder überraschen Einlagen, die beispielsweise aus dem Orient oder aus Andalusien stammen könnten. Alles in allem: ein schönes Album.

Montag, 25. Mai 2020

Mr Hermano – Free As The Morning Sun (CD 2001)

Mr Hermano ist ein Projekt des Songschreibers, DJs, Multiinstrumentalisten und Produzenten Ben Mitchell. Unter diesem Namen bietet er eine hörenswerte und gute Laune verbreitende Version von „Free As The Morning Sun“ im Deep-House-Sound (und daneben in diversen Mixes/Edits) an, bei der vermutlich kaum ein Hörer auf die Idee kommt, dass Carlos Santana den Song geschrieben haben könnte.


Das Stück stammt von einem schönen Soloalbum von Devadip Carlos Santana aus dem Jahr 1979 namens „Oneness. Silver Dreams – Golden Reality“ („Devadip“ ist der Sanskrit-Name, den ihm sein damaliger Guru verliehen hat).


Die Coverversion wird einer der größten Erfolge von Mr Hermano. So fröhlich und mitreißend sie auch wirken mag – an das Original von „Free As The Morning Sun“ mit der Stimme von Greg Walker und der Santana-Percussion kommt sie nicht heran. Dieses klingt zarter, filigraner und dadurch einfach überlegen. Es liefert die musikalische Untermalung für einen perfekten Start in den Tag …

… was nichts daran ändert, dass mir neben dem einen Song auch das restliche Album von Mr Hermano gut gefällt.

Sonntag, 24. Mai 2020

Miles Davis with Benny Rietveld – Live Around The World (CD 1996)

Während der Aufnahmen zum Album „Spirits Dancing In The Flesh“ (1990) findet der in den Niederlanden geborene und später auf Hawaii lebende Bassist Benny Rietveld zu Santana. Bis heute gehört er der Band an.

Benny Rietveld 2010
Weniger bekannt dürfte sein, dass er kurz zuvor – nämlich 1988/89 – Miles Davis auf dessen Welttournee begleitete. Dokumentiert ist dies auf der 1996 erschienenen CD „Miles Davis. Live Around The World“.


Benny Rietveld wirkt bei acht von elf Tracks mit, darunter wunderbaren Songs wie „In A Silent Way“, „Human Nature“, „Amandla“ und „Time After Time“. Miles Davis ist gut drauf, lacht sogar bisweilen.

Nicht dabei ist der Bassist beim letzten Stück „Hannibal“. Dies stammt allerdings auch nicht von der genannten Tour, sondern von Miles Davis‘ letztem Auftritt in der Hollywood Bowl am 25. August 1991. Hier klinge die Trompete wie nicht mehr von dieser Welt – da können sich schon die Nackenhaare aufstellen, heißt es in den Liner Notes. Wenige Tage später erleidet der Musiker einen Schlaganfall. Am 28. September 1991 verstirbt Miles Davis.

Montag, 18. Mai 2020

Michael Shrieve & David Beal – The Big Picture (CD 1989)

Dieses Album ist Steve Lammé gewidmet, dem Erfinder des Elektronischen Schlagzeugs. Es ermöglicht Schlagzeugern, praktisch jeden aufgenommenen Ton abzuspielen, indem sie entsprechend programmierte Sensorflächen anstelle von Schlagfellen betätigen. Dadurch können sie Melodien und vielfältige Klänge erzeugen und erhalten ein erheblich erweitertes Spektrum an Möglichkeiten.


Genau dies nutzen Michael Shrieve und David Beal. „The Big Picture“ ist fast ein reines Percussion-Album, obwohl die Songs durchaus melodiös und teils ein wenig sphärisch klingen. Bei einem Stück sind Streicher hinzugemischt. Weitere Overdubs stammen unter anderem von den Perkussionisten Michael Carabello und Victor Pantoja, die wir – wie Michael Shrieve – von Santana kennen.

Daneben spielen Shrieve und Beal auch gewöhnliche, akustische Drums. So kommt die Musik zwar ein bisschen avantgardistisch und experimentell rüber, ist aber durchaus gefällig und gut hörbar. Melodiöse Drums begleiten rhythmische Drums – ganz einfach.