Dienstag, 21. Oktober 2025
The Rolling Stones feat. Michael Carabello (1981)
Meine alte LP enthält zwar die Lyrics, aber keinerlei Credits. Bei späteren Ausgaben sind die Credits offenbar unvollständig. Wenig bekannt ist daher, dass Michael Carabello – Santanas Ur-Perkussionist – mit Congas, Cowbells, Claves, Guiro und Cabasa an den Aufnahmen in New York City beteiligt war (siehe hier).
Carabello zählt die Songs „Start Me Up“, „Heaven“ (vermutlich ist es aber nicht „Heaven“, sondern „Slave“) und „Waiting on a Friend“ auf. „Als Congaspieler musst du diese großen, schweren Dinger schleppen. Ich marschierte fünf Blocks weit mit drei Congas, Mann. Ich kam also an und war erstmal fertig. Und dann sah ich Keith Richards – einen meiner Helden – in den Raum gehen. Charlie Watts – noch einer meiner Helden – ging ebenfalls rein und am nächsten Tag machten wir die Aufnahmen. Ich erinnere mich, dass Mick [Jagger] mir sagte, was ich spielen sollte. Das ist lustig, (…) denn er ließ mich einige Sachen ausprobieren und dann fragte ich, ob wir es mal so versuchen könnten, wie ich es machen würde. Ich meine … eigentlich fragt man die Rolling Stones nicht, ob man sein eigenes Ding machen darf. Aber er sagte ‚Klar‘ und das waren die Aufnahmen, die auf diesen drei Songs landeten. Ich fühlte mich sehr geehrt, mit einer der größten Rock‘n‘Roll Bands aller Zeiten zu spielen. Und ich bin der einzige Conguero aus San Francisco, der mit ihnen gespielt hat“.
Mit „Slave“ und „Waiting on a Friend“ begleitet er zwei der für mich stimmungsvollsten und schönsten Songs der Stones.
Sonntag, 26. November 2023
Santana – Black Magic Woman/Gypsy Queen (1970)
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| Santana – mit „Black Magic Woman/Gypsy Queen“ (1970) |
„Peter Green erhält die Tantiemen“, stellt Carlos fest. „Doch es ist jetzt unser ‚Black Magic Woman‘. Für mich kommt ‚Black Magic Woman‘ von ‚All Your Love (I Miss Loving)‘ [singt es vor]. Für mich ist es dasselbe Ding, nur mit einem anderen Text. Mindestens zwei- oder dreimal im Jahr überweise ich einen nennenswerten Betrag an Otis Rush. Ich muss … und ich werde es weiterhin tun, um den Song zu ehren, den ich jeden Abend spiele“.
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| Otis Rush – mit „All Your Love (I Miss Loving)“ (1958) |
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| © Pearce Marchbank, Ellen Dale: „Santana“ (28 Songs) (1974) |
„Wir haben es nie arrangiert“, so Carlos. „Es ergab sich einfach so. Ich habe nie geahnt, dass es ein so wichtiger Bestandteil unserer Identität werden würde. Das einzige Arrangement bestand darin, zu spielen. Niemand hat es im engeren Sinne für die Band arrangiert. Wir sagten, lasst uns dies ausprobieren, ich spiele das und du versuchst jenes – so ungefähr“.
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| Fleetwood Mac – mit „Black Magic Woman“ (1968) |
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| Gábor Szabó – mit „Gypsy Queen“ (1966) |
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| Jimi Hendrix – mit „3rd Stone from the Sun“ (1967) |
Donnerstag, 30. März 2023
Wie die Band SANTANA zu ihrem Namen kam
Das „offizielle“ Gründungsdatum der Santana Blues Band liegt somit im Februar 1967.
Der erste offizielle Auftritt der Santana Blues Band unter diesem Namen findet am 1. März 1967 im „The Ark“ in Sausalito statt – einem zum Tanzschuppen umgebauten Fährschiff, das vertäut im Hafen liegt. Für den zweiten Auftritt am 17. März in der Winchester Cathedral in Redwood City wird „Santana Blues“ bereits auf einem Konzertplakat angekündigt. Hier erhält die Band eine Gage in Höhe von 75 Dollar. Im Publikum befindet sich ein junger Schlagzeuger namens Michael Shrieve, der sofort den Wunsch verspürt, irgendwann bei dieser Band einzusteigen.
Am 17. Juni 1967 ist die Santana Blues Band – wie schon am Vortag – als Vorgruppe für The Who gebucht. Doch Danny und Gus sind nicht mit dem erforderlichen Engagement bei der Sache – sie kommen zu ihrem Auftritt im Fillmore zu spät, weil sie ihren Eltern noch helfen müssen. Carlos ist richtig sauer und Bill Graham kocht. Ein Jahr lang dürfen sie nicht im Fillmore auftreten. Dazu Carlos: „Die Santana Blues Band stand auf Bills schwarzer Liste. Ich konnte es nicht fassen. Ich hatte nie einen Gig verpasst! Verspätungen waren kein Teil meiner DNS. Meine Mom und mein Dad hatten mir eingebläut, was Pünktlichkeit bedeutet: eine halbe Stunde zu früh zu kommen, wenn man eine Verabredung hat. So denke ich heute noch, und meine Band weiß das“.
Die Verspätungen haben weitere Konsequenzen. So etwas geht einfach nicht! Obwohl Danny und Gus seine ältesten Freunde sind, muss Carlos sich von ihnen trennen, wenn er als Musiker vorankommen will – eine schmerzhafte Entscheidung. Auch Tom Fraser scheidet aus. Michael Carabello macht vorübergehend Platz für Marcus Malone. Das Schlagzeug übernimmt Bob Livingston und am Bass kommt David Brown hinzu.
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| Gregg Rolle, David Brown, Carlos Santana, Bob Livingston, Marcus Malone (Foto aus der Legacy Edition von „Santana“) |
1969, während der Arbeit am Debütalbum und noch vor Woodstock, verlassen Marcus Malone und Bob Livingston die Band. Michael Carabello kehrt zurück. Michael Shrieve (Schlagzeug) und José „Chepito“ Areas (Timbales und Percussion) sorgen für einen Qualitätssprung.
Die Band trägt zwar Carlos‘ Namen. Musikalischer Chef scheint freilich oftmals Gregg Rolie zu sein, dessen Hammond B3 Orgel gemeinsam mit seinem Gesang viele Songs dominiert. Seine Bedeutung kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Man muss eigentlich nur genau hinhören, um das zu erkennen. Ein Jammer, dass viele denken, Carlos hätte bei den frühen Hits gesungen – und dass sie Greggs Namen nicht einmal kennen. Das findet er selbst nicht wirklich fair. In einem Interview 50 Jahre später (2019) meint er: „Hast du irgendwelche unserer Auftritte gesehen? Warst du jemals bei einem Konzert? Es ist immer dasselbe. Wir haben uns Santana genannt, weil das ein cooler Name ist, der sich gut liest und der ausdrückt, was damals geschah. Ja, Carlos stand vorne in der Mitte. Und so dachte jeder, dass er der Chef sei. Doch das stimmt nicht. Die Band war wirklich eine Band. Deshalb klappte es so gut“.
Was wäre wohl geschehen, wenn die Band sich ursprünglich nach einem anderen Mitglied der Gruppe benannt hätte – beispielsweise The Rolies oder Carabello Band? Ich denke Carlos hat großes Glück, dass Santana seinen Namen trägt, den er einfach mitnehmen kann, als die anderen sich nach und nach aus der Band verabschieden. Das schafft Kontinuität. Und so erbt Carlos gewissermaßen den gemeinschaftlich erarbeiteten Ruhm der ersten Jahre und kann darauf aufbauen. Wäre ein anderer Musiker der Namenspatron gewesen, hätte Carlos nach dessen Abgang für seine verbleibende Formation womöglich einen neuen Namen finden müssen. Das hätte definitiv einen Bruch bedeutet und der direkte Bezug zu Woodstock und den ersten drei Alben bis zur Trennung wäre dabei verloren gegangen.
Offen gestanden bin ich froh, dass uns ein derartiger Wirrwarr erspart geblieben ist und dass die Geschichte so lief, wie wir sie kennen.
Anmerkung: In meinem Buch „Sechs Jahrzehnte SANTANA“ erzähle ich diese Geschichte noch wesentlich ausführlicher.
Freitag, 16. September 2022
Santana Lineups
Die Band Santana hat im Laufe ihrer Geschichte viele personelle Wechsel durchgemacht. Über die Jahrzehnte gaben sich mehr als 80 Musiker plus unzählige Gäste die Klinke in die Hand. Manche Bandmitglieder blieben nur wenige Wochen, andere waren zwanzig, dreißig Jahre und länger dabei, teils mit Unterbrechungen. Die Abbildungen mit dem „Santana-Stammbaum“ – „Santana Changes“ genannt – habe ich dem Booklet zum Album „Viva Santana!“ (1988) entnommen. Sie erstrecken sich über sechs Seiten und visualisieren (mit kleinen Lücken) den Wandel der Band von 1966 bis 1987. Danach ging es natürlich ebenso weiter. Die dünn gedruckten Namen [Bilder zum Vergrößern anklicken] mögen schwer zu erkennen sein, aber man erhält doch einen Eindruck von der Vielfalt und der Fluktuation.
Ein Leser meines neuen Buches „Sechs Jahrzehnte SANTANA“ fragte mich nach meiner Lieblingsformation von Santana, worüber ich mir noch keine Gedanken gemacht hatte. Ich hole das hiermit nach, möchte aber betonen, dass es eine sehr subjektive Bewertung ist. Es würde wohl für jeden Fan eine große Rolle spielen, wann sie oder er sich für die Band zu interessieren begann und welche Musiker bei den ersten Konzerten auf der Bühne standen. So hätte das „Lotus“-Lineup weit oben auf meiner Liste landen können, wenn ich einige Jahre früher zu dieser Musik gefunden hätte. Habe ich aber nicht, und so sind Leon Thomas, Richard Kermode und Doug Rauch leider an mir vorbeigezogen. Außerdem hängt die Bewertung manchmal an einzelnen Musikern, die man sehr schätzt.
Nun aber zur Beantwortung der eigentlich kaum beantwortbaren Frage. Mein Lieblingsalbum ist „Caravanserai“ . Daher könnte dieses Lineup – es wäre Santana #7 – mein Favorit sein. 1972 erlebte Santana jedoch den ersten tiefgreifenden Umbruch. Wer gehörte zu Santana und wer nicht? Hier ist die Grenze zwischen aktuellen und künftigen Bandmitgliedern sowie Gastmusikern schwer zu ziehen. Daher lasse ich diese grandiose, doch kurzlebige Konstellation mal außen vor.
So ist meine Nummer Eins die Woodstock-Formation mit Carlos Santana, José „Chepito“ Areas, Michael Carabello, David Brown, Gregg Rolie und Michael Shrieve (siehe das Cover von „Tanglewood 1970“ – im Stammbaum ist es Santana #2). Dies war zwar nicht die älteste, aber dennoch sozusagen die Ur-Besetzung, welche die ersten beiden Alben eingespielt und den musikalischen und kommerziellen Durchbruch geschafft hat. Sie machte Santana weltweit bekannt.
Auch die „Moonflower“-Belegschaft (Carlos Santana, Tom Coster, Graham Lear, Raul Rekow, Greg Walker, David Margen, Pete Escovedo, José „Chepito“ Areas, Pablo Tellez, Tommy Coster Jr. = Santana #24) gefällt mir sehr gut. Die Musik des Albums überzeugt durch ihre warme, freundlich-entspannte Ausstrahlung.
An dritter Stelle folgt womöglich die „Zebop!“-Band (Carlos Santana, Alex Ligertwood, Richard Baker, David Margen, Graham Lear, Orestes Vilato, Raul Rekow, Armando Peraza = Santana #28), die ich bei meinem ersten Konzert 1980 erleben durfte (Alan Pasqua und Chris Solberg waren zu dem Zeitpunkt schon wieder weg). Mein erstes Santana-Konzert war halt ein einschneidendes Erlebnis, das mich beeindruckte und prägte.
Insgesamt spielten und spielen seit jeher viele herausragende und anerkannte Musiker bei Santana. Spätestens nach meinem ersten Konzert habe ich die Band freilich nicht mehr als stabile Formation wahrgenommen (was sie auch vorher nicht war), weil ich den ständigen Wandel nun von Tour zu Tour selbst miterlebte. Jede Besetzung zerrinnt zwischen den Fingern, wenn man sie festhalten möchte.
Und so ist Santana wie ein Fluss aus wunderbar klingender Musik, in den ich gern eintauche (am liebsten täglich), um ein musikalisches Bad zu nehmen, der aber nie wieder derselbe ist (Heraklit von Ephesos: „Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen …“). Deshalb will ich kein weiteres Lineup hervorheben. Auch die oben genannten sind letztlich nur Momentaufnahmen. Und Alben konservieren einzelne dieser Momente für den späteren Genuss.
Donnerstag, 19. Mai 2022
Michael Carabello – Primitive Medicine, Vol. 2 (Download 2022)
Nach „The Primitive Medicine Sessions, Vol. 1” (2018) ließ das „Vol. 1“ auf ein Nachfolgealbum des ersten Santana-Congueros Michael Carabello hoffen. Am 13. Mai 2022 war es soweit.
„Primitive Medicine, Vol. 2“ enthält drei Songs mit einer Gesamtspielzeit von leider nur 9 Minuten und 14 Sekunden. Die Bezeichnung „Album“ ist insofern etwas übertrieben, zumal es hierzulande (anders als in den USA) nicht einmal physisch, sondern nur als MP3-Download zu kriegen ist, was ein Sammler ziemlich schade findet.
Sonntag, 3. Januar 2021
Gene Ammons – Brother Jug! (1970)
Das Original stammt vom Jazz-Saxophonisten Gene Ammons. Der gilt als Mitbegründer des Soul Jazz – einem Genre, bei dem besonders gerne Saxophon und Hammondorgel kombiniert werden. Eugene „Jug“ Ammons nahm sein Album „Brother Jug!“ im November 1969 gleich nach dem Absitzen einer siebenjährigen Haftstrafe wegen Drogenbesitzes auf (es erschien 1970). Sein „Jungle Strut“ mit coolen Drums ist ziemlich relaxt, könnte fast als Smooth Jazz durchgehen, würde es dank Tenorsaxophon, Hammond B3 und WahWah-Gitarre nicht doch etwas zu flott grooven.
Dienstag, 23. Juni 2020
Raul Rekow & Karl Perazzo – Just Another Day In The Park (CD 2003)
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| Perkussionisten fast unter sich |
Gibt es aber trotzdem. Auf „Llego Mi Guajira“, dem fünften von neun Songs, gesellen sich tatsächlich weitere Instrumente hinzu, beispielsweise die Trompete von Bill Ortiz, ebenfalls Santana, und obendrein Bass und Keyboards. Sie zaubern ein begeisterndes Salsastück. Andere Instrumente sind nur noch in der zweiten Hälfte von „Suena La Campana“ zu hören.
Ansonsten ist „Just Another Day In The Park“ Percussion pur. Wie an einem Sonntagnachmittag im Aquatic Park. Hören und genießen! Ach ja … eines der ersten reinen Perkussionsalben war 1959 „Drums Of Passion“, das Debütalbum des gebürtigen Nigerianers Michael Babatunde Olatunji – er gilt daher auch als Vater der Weltmusik. Darauf befindet sich ein zehn Jahre später als Coverversion relativ bekannt gewordenes Stück namens „Jin Go Lo Ba“ …
Anmerkung: Wenn ich zwischen den Schreibweisen mit c und k hin und her springe, ist das übrigens kein Versehen, sondern es dient der Abwechslung. Percussion mit c wird englisch, Perkussion mit k deutsch ausgesprochen. Geht beides.
Donnerstag, 28. Mai 2020
Neal Schon – Electric World (2 CDs 1998)
Die anderen Musiker sind Walfredo Reyes Jr. (Schlagzeug und Percussion), Alphonso Johnson (Bass) und Michael Carabello (Percussion), die wir allesamt von Santana kennen. Weiterhin Zakir Hussein (Tablas und andere indische Percussion), Igor Len und Kit Walker (Keyboards und diversen Programmierungen), Steve Smith (Schlagzeug) – und bei manchen der 21 Songs spielt Neal Schon sämtliche Instrumente gleich selbst.
Ruhig und ziemlich entspannt läuft die Musik vor sich hin, ohne eintönig zu sein. Denn immer wieder überraschen Einlagen, die beispielsweise aus dem Orient oder aus Andalusien stammen könnten. Alles in allem: ein schönes Album.
Montag, 18. Mai 2020
Michael Shrieve & David Beal – The Big Picture (CD 1989)
Genau dies nutzen Michael Shrieve und David Beal. „The Big Picture“ ist fast ein reines Percussion-Album, obwohl die Songs durchaus melodiös und teils ein wenig sphärisch klingen. Bei einem Stück sind Streicher hinzugemischt. Weitere Overdubs stammen unter anderem von den Perkussionisten Michael Carabello und Victor Pantoja, die wir – wie Michael Shrieve – von Santana kennen.
Daneben spielen Shrieve und Beal auch gewöhnliche, akustische Drums. So kommt die Musik zwar ein bisschen avantgardistisch und experimentell rüber, ist aber durchaus gefällig und gut hörbar. Melodiöse Drums begleiten rhythmische Drums – ganz einfach.
Donnerstag, 23. April 2020
Gregg Rolie – Roots (CD 2001)
„Roots“ erschien 2001. Der Titel scheint Programm zu sein. Wer Rolies Wurzeln bei Santana sucht, wird leicht fündig. Mitwirkende auf diesem Album sind nämlich unter anderem Michael Carabello (Congas, Percussion), Neal Schon (Lead Guitar bei „Breakin‘ My Heart“), Alphonso Johnson (Bass Guitar) und Adrian Areas (der Sohn von José „Chepito“ Areas – Timbales, Bongos, Percussion).
Die Musik ist meist nicht so weit weg von Santana, man lausche nur „Down To Rio“, „Ordinary Man“, „Going Home“ (was auch der Abraxas Pool spielt), „Breakin‘ My Heart“ und dem wunderbaren „Orient Express“. Das ist einfach feine, gefühlvolle, warme und fröhliche Musik. Bei „Roots“ fühlt sich ein Santana-Fan wirklich wie zu Hause – ein sehr schönes Album.
Sonntag, 9. Februar 2020
Michael Carabello – The Primitive Medicine Sessions Vol. 1 (2018)
Das großartige Eröffnungsstück „Singing Winds, Crying Beasts“ auf dem zweiten Album „Abraxas“ stammt von Michael Carabello. Im Woodstock-Film fällt er durch seinen Afro-Haarschnitt und seinen Fu-Manchu-Bart auf. Beide sind lange verschwunden. Congas spielt er noch immer. Er ist nach wie vor mit Carlos Santana und anderen Musikern der frühen Band (Gregg Rolie, Michael Shrieve, Neal Schon) befreundet und war auch bei „Santana IV“ (2016) und weiteren gemeinsamen Projekten dabei.
Am 31. Oktober 2018 veröffentlichte er ein Solo-Album: „The Primitive Medicine Sessions Vol. 1“. Naja, Album ist übertrieben. Es sind vier Songs, die auch nur auf diversen Plattformen als Download zur Verfügung stehen. Aber sie lohnen sich: „Es‘ Sae“ heizt kräftig los – ein Rausch mit spanischer Flamencogitarre, Kastagnetten und einem Gesang, der irgendwo zwischen Spanien, Arabien und Persien anzusiedeln ist. „Cry Of The Whale“ driftet sphärisch in Jazz und Ambient Music, ist aber ebenfalls von einem flotten Rhythmus getrieben. Da Angaben zu den Musikern leider fehlen, kann ich nur vermuten, dass wir an der Gitarre hier und auf den nächsten beiden Stücken Neal Schon hören. „Something Must Change“ ist eine berührende Ballade mit inspirierender Gitarre und sehr ansprechenden Vocals – ein kritischer Blick auf den Umgang der Gesellschaft mit Obdachlosen. „Cafe Bello“ groovt rockig und extrem tanzbar vor sich hin.
Das sind vier wirklich feine und abwechslungsreiche Stücke, unbedingt empfehlenswert. Bedauerlich ist lediglich, dass ich keine weiteren Infos finde. „Primitive Medicine, Vol. 2“ erscheint übrigens 2022.
Sonntag, 1. Januar 2017
Santana – Santana IV (2016)
Über das Zerbrechen der Band 1971 erzählt Carlos Santana in seiner Biografie (S. 297 f): “Ich spürte, dass es schmerzliche Reibereien zwischen einigen Mitgliedern gab, und ich bin sicher, die anderen spürten es ebenfalls. Was dann geschah, musste geschehen. Wenn etwas vorbei ist, dann ist es vorbei. (…) Anfangs hatten wir einander unterstützt, dann hatten wir einander toleriert und schließlich waren wir zwei Bands in einer gewesen, mit musikalischen und philosophischen Konflikten. Auf der einen Seite standen Gregg und Neal, die mehr Rocktitel spielen wollten, und auf der anderen Seite Shrieve und ich. Chepito ging immer seinen eigenen Weg – er widmete sich seinen eigenen Zerstreuungen und kümmerte sich nie wirklich darum, was die Band tat oder wohin sie ging. Er schrieb Songs, und sein Sound wird immer ein wichtiger Teil der Band sein. Doch bei allen Veränderungen, die es bei Santana gab, schien er immer auf der Spielerbank zu sitzen. Er nahm nie richtig am Spiel teil.”
Neal Schon und Gregg Rolie gründen die sehr erfolgreiche Rockband Journey. “Shrieve und ich glichen eher Gärtnern, die wollten, dass unsere Musik sich ein bisschen entspannte und von selbst wuchs. Wir hörten Jazz und dachten über Jazz und Rhythmen nach” (Carlos Santana, S. 298). Daraus entwickeln sich die wunderbaren Alben “Caravanserai” (1972), “Welcome” (1973) und “Borboletta” (1974). Aber das ist eine andere Geschichte. Darüber verlieren die Musiker sich jedoch nie aus den Augen. Zuletzt touren Santana und Journey sogar gemeinsam durch die USA getourt. Und so kommt es zu diesem neuen Projekt "Santana IV".
“Yambu” führt uns gleich zu den afrikanischen Wurzeln der Musik. Beim rockigen “Shake It” schimmert der Journey-Einfluss durch. “Anywhere You Want To Go” lässt mich endlich an die alte Santana-Band denken. Wobei der Sound natürlich nicht derselbe sein kann, weil beispielsweise Carlos Santana andere Gitarren und Verstärker verwendet und insgesamt einen anderen Sound schätzt als seinerzeit. Mit Blick auf Gregg Rolie lässt sich hingegen erfreut feststellen: Hammond B3 bleibt Hammond B3. “Santana IV” hat mit “Santana III” auch gemeinsam, dass Neal Schons Gitarre überwiegend aus dem linken und Carlos’ Gitarre aus dem rechten Lautsprecher kommt.
“Fillmore East”, der längste Titel, blendet ein und schwebt luftig und filigran vor sich hin – etwa im Stil der ausgedehnten Jams, die Santana in ihrer Frühzeit – noch vor Woodstock und dem ersten Album – in Bill Grahams Fillmore Auditorium hingelegt haben – ein großartiger Song. Wobei das Fillmore East freilich nicht wie das Fillmore Auditorium und das spätere Fillmore West in San Francisco, sondern in New York beheimatet war. “Love Makes The World Go Round” ist wieder eine Rocknummer mit viel Percussion und der Stimme von Ronald Isley. Ebenso “Freedom In Your Mind”, welches in der zweiten Hälfte durch feurige Soli von Gregg Rolie, Neal Schon und Carlos Santana gewürzt wird. “Choo Choo/All Aboard” schlägt vom Rhythmus her in der Nähe von “Jingo” seine Zelte auf. Das verträumte und ergreifende “Sueños” (Träume), eingangs mit akustischer Gitarre gespielt, lässt mich an ”En Aranjuez Con Tu Amor” vom Album ”Santana Brothers” denken. Es nimmt zwischendurch orchestrale Züge an, bis zum Ende hin Gregg Rolies Klavier beinahe zärtlich erklingt.
Mit “Caminando” wird es wieder rockig. So hat Santana sich zuletzt oft angehört. “Blues Magic” ist, wie der Name verrät, ein Blues, sehr intensiv und für mich mit einem Hauch von Peter Greens “Black Magic Woman” beseelt. Selbst der Gesang erinnert an Peter Green. “Echizo” ist ein weiteres Beispiel für Songs, wie ich sie auf diesem Album erhofft habe. Da scheint der alte Santana-Geist aufzuerstehen. “Leave Me Alone” schlägt in dieselbe Kerbe. “You And I” ist zunächst langsam, nimmt in der Mitte aber Tempo auf und bleibt durchgängig gefühlvoll. “Come As You Are” spielt mit fröhlichen Soca-Elementen aus der Karibik. “Forgiveness” irrt melancholisch und ein wenig konturlos umher, wiederum mit Jam-Charakter, aber viel düsterer als “Fillmore East”.
Dass “Santana IV” nahtlos an “Santana III” anknüpft, war angesichts der langen Pause und der individuellen Wege dieser Musiker nicht unbedingt zu erwarten, ist bis zu einem gewissen Grad aber überraschend gut gelungen. Herausgekommen ist ein sehr schönes und frisches Album, das vielleicht nicht alle, doch viele Wünsche erfüllt und einige echte Leckerbissen bietet. Ich bin sehr erfreut, dass die alten Freunde auf Anregung und unter dem Drängen von Neal Schon wieder gemeinsam ins Studio gegangen sind und solch harmonische Musik geschaffen haben. Ein ähnliches Projekt – allerdings ohne Carlos – hat es übrigens 1997 mit “Abraxas Pool” bereits gegeben.
Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass das Cover mit dem Löwenkopf und der Figur in der Mitte (von der Nase des Löwen aufwärts) die Grafik des Santana-Debütalbums von Lee Conklin (1969) aufgreift, in dem sich neben einer Gestalt sieben weitere Köpfe verstecken. Bei “Santana IV“ freilich stellt die Figur einen Engel dar …
Dienstag, 15. März 2011
Abraxas Pool – Abraxas Pool (1997)
Der komplette Auftritt von Santana ist auf CD 2 der Legacy Edition von "Santana 3" zu hören. Es war nicht nur der letzte Tag im Fillmore, sondern auch das letzte Konzert dieser Santana-Formation, die sich wenig später auflöste.
Genießen wir diese Musik, die im erdigen, fetten Sound vor sich hin groovt. Da erinnert "Baila Mi Cha-Cha" an "Guajira", "Guajirona" an "Oye Como Va", "Don't Give Up" zitiert das "Jingo"-Intro und das Percussion-Feuerwerk "Ya Llego" ist ein zweites "El Nicoya". Und dann folgt auch noch das echte "Jingo", hier dem afrikanischen Stil seines Urhebers Babatunde Olatunji nachempfunden. "Szabo" ist eine verträumte Ballade, eine Hommage an Gabor Szabo. Und in den restlichen Songs hört man immer wieder echte oder gefühlte Zitate aus alten Santana-Titeln und fragt sich, woher man sie kennt. Aber es ist teilweise eher das Feeling, welches einfach passt und begeistert. Und mit der satten Hammondorgel von Gregg Rolie fühle ich als Santana-Fan mich wie zu Hause.
Natürlich fehlt die Gitarre von Carlos. Neal Schons Spiel ist aggressiver, wie seit jeher. Aber das ist okay. Wenn Carlos noch dabei gewesen wäre, hätten wir es ja nicht mit dem Abraxas Pool zu tun gehabt, sondern mit Santana selbst. Ein kleiner Unterschied darf also ruhig sein. Doch er ist wirklich sehr klein.
Und gelegentlich muss ich auch an Journey denken, wo Neal Schon und Gregg Rolie ebenfalls gemeinsam spielten. Das ist freilich eine andere Geschichte ...
Fazit: Wer die alten Santana-Alben mag, kann auf "Abraxas Pool" keinesfalls verzichten.
Dienstag, 15. Februar 2011
Luis Gasca – For Those Who Chant (1972)
Oh ... sehr viel. Denn fast die gesamte Santana-Band ist zu hören, nämlich Carlos Santana, Neal Schon, Gregg Rolie, Michael Shrieve, Mike Carabello und José "Chepito" Areas. Außerdem mehrere Musiker von Malo und Azteca, die aber auch bei Santana mitwirkten: Richard Kermode, Lenny White, Victor Pantoja, Coke Escovedo, Rico Reyes und Luis Gasca selbst. Obendrein sind Hadley Caliman, Joe Henderson, Stanley Clarke und weitere dabei.
Die Musik klingt ähnlich wie bei "Carlos Santana & Buddy Miles! Live!". Was wiederum kein Wunder ist, denn die Besetzungen sind weitgehend gleich, inklusive Luis Gasca. Diese Platte wurde im August 1971 aufgenommen, jene Anfang 1972.
Dies ist daher eine verkappte Santana-Veröffentlichung mit vier Songs, die zusammen 40 Minuten dauern. Jazzfusion-Improvisationen mit einem Hauch von "Bitches Brew", sehr intensiv und dicht.
Falls Titel 2 "La Raza" dem einen oder anderen Fan bekannt vorkommt ... er ist gar nicht so überraschend die Vorlage für den Song "For Those Who Chant", welcher auf der CD und DVD "Carlos Santana & Wayne Shorter Live At The 1988 Montreux Jazz Festival" und der DVD "At Budokan" (aufgenommen 1991 in Tokyo) zu hören und zu sehen ist.
Santana-Fans – insbesondere solche mit Interesse für Jazz – sollten dieser Scheibe durchaus etwas mehr Aufmerksamkeit widmen.























