Samstag, 28. Mai 2022

Hagen Rudolph – Sechs Jahrzehnte SANTANA (Buch 2022)

Durch das Woodstock Festival 1969 wurde Santana weltbekannt. Wenige Tage nach Woodstock erschien ihr Debütalbum. Die Band um den Gitarristen Carlos Santana revolutionierte die Szene mit ihrem Latinrock. Hits wie „Jingo“, „Black Magic Woman“ und „Samba Pa Ti“ gehören noch heute zu den absoluten Klassikern der Rockmusik.

1999 erschien „Supernatural“. Es wurde mit neun Grammys ausgezeichnet und katapultierte Santana erneut an die Spitzen der Charts.


Hagen Rudolph erzählt die Entwicklung der Band von ihren Anfängen 1966 bis heute sehr detailreich. Dabei lässt er neben Carlos Santana auch viele andere Bandmitglieder zu Wort kommen (von denen er einige selbst interviewt hat). Er stellt alle Alben und die meisten Songs vor und überrascht immer wieder mit unterhaltsamen, erstaunlichen und inspirierenden Erlebnissen und Anekdoten der Musiker aus mehr als sechs Jahrzehnten. Abgerundet wird das Buch durch eine Liste aller 711 Santana-Songs und ein ausführliches Personenregister.

Sechs Jahrzehnte SANTANA ist ein informatives, vergnügliches Lesebuch und zugleich ein umfangreiches Nachschlagewerk. In diesem Buch erfahren Sie …
  • wie Carlos Santana dem Congaspieler Michael Carabello am Tag vor Woodstock das Leben rettete;
  • wie Manager Bill Graham fast ein Hochhaus in New York gesprengt hätte (jedenfalls drohte er damit);
  • wie Michael Carabello mit einem Tomahawk die Schlägerei in einer Turnhalle abrupt beendete;
  • warum die Mutter des Gitarristen Neal Schon froh war, dass Santana ihren 16-jährigen Bengel übernahm;
  • wie ein Zikadenorchester es auf das Album „Caravanserai“ schaffte;
  • wie der Congavirtuose Armando Peraza einen Hünen nach einer rassistischen Bemerkung in Sekundenbruchteilen niederstreckte;
  • was geschah, als dem 1973 für die Japan-Tour gecharterten Flugzeug der Treibstoff ausging;
  • wie Schlagzeuger Michael Shrieve auf seinem vermeintlichen Sterbebett schwor, Santana zu verlassen, wenn er nur überlebt;
  • welche Gitarren und Amps Carlos Santana über die Jahrzehnte benutzt hat und welche Abenteuer sich mit ihnen verbinden;
  • wie beispielsweise Carlos Santanas Lieblingsgitarren Monate nach ihrem Diebstahl zurückgeklaut wurden;
  • was „Ahora vengo Mama Chola, Mama Chola“ im Hit „Maria Maria“ bedeutet;
  • wie Cindy Blackman Santana ihr erstes Schlagzeug zerlegte;
  • wie es kam, dass Chick Corea seinen letzten Song für Santana schrieb;
  • und vieles mehr.


Für Musiker vielleicht besonders interessante Details über Instrumente, Ausrüstung und Spieltechniken finden sich im Buch verstreut. Sie sind eingebettet in den jeweiligen Kontext oder stehen im Mittelpunkt eigener Geschichten. Hier einige Stichworte mit Seitenangaben:
  • Gitarren: Gibson (50, 140, 171) – Yamaha (140, 170f) – Paul Reed Smith PRS (156ff, 170, 236, 307) – Fender (258, 298) – Alvarez (307);
  • Amps/Topteile/Boxen/Pedale (Fender, Mesa/Boogie, Marshall, Dumble, Bludotone …): 51, 200, 258f, 298, 307;
  • Carlos Santanas Spieltechnik (Bending, Feedback, Tonleitern): 50f, 171f, 190;
  • Percussion/Schlagzeug: 39, 161f, 165f, 172, 195, 293f, 307, 315, 340;
  • Bass: 39, 79, 175.
Sechs Jahrzehnte SANTANA wurde am 25. Mai 2022 im Eigenverlag bei epubli mit der ISBN 978-3-756501-10-6 veröffentlicht, hat 374 Seiten, über 70 Abbildungen, Softcover und kostet 29 Euro. Weitere Infos und Bestellmöglichkeiten finden Sie auf der Website des Autors.

Freitag, 27. Mai 2022

Santana – Blessings And Miracles (Blue & Yellow Splatter Vinyl 2022)

2021 erschien das neueste Santana-Album „Blessings And Miracles“ als CD. Am 18. März 2022 kam das Album auch auf Vinyl heraus.


Die beiden LPs enthalten dieselbe Musik in derselben Reihenfolge. Allerdings bietet die Vinyl-Ausgabe mit „Yo Estare“ zusätzlich eine spanische Version von „Break“ mit Ally Brooke als Bonus Track.


Heute, am 27. Mai 2022, wurde das 2-LP-Set zudem als „Limited Indie Exclusive Edition“ in „Blue & Yellow Splatter Vinyl“ (blau und gelb gescheckt) veröffentlicht.

Donnerstag, 19. Mai 2022

Michael Carabello – Primitive Medicine, Vol. 2 (Download 2022)

Nach „The Primitive Medicine Sessions, Vol. 1” (2018) ließ das „Vol. 1“ auf ein Nachfolgealbum des ersten Santana-Congueros Michael Carabello hoffen. Am 13. Mai 2022 war es soweit.

„Primitive Medicine, Vol. 2“ enthält drei Songs mit einer Gesamtspielzeit von leider nur 9 Minuten und 14 Sekunden. Die Bezeichnung „Album“ ist insofern etwas übertrieben, zumal es hierzulande (anders als in den USA) nicht einmal physisch, sondern nur als MP3-Download zu kriegen ist, was ein Sammler ziemlich schade findet.


Die drei Songs sind „Soul Sauce“, „Thoughts” und „Reggae Bluz“. „Thoughts“ wird von Carlos Santana begleitet. Doch „Soul Sauce“ ist ein ungeahntes Schwergewicht, zu dem ich einiges erzählen kann.

Carabello orientiert sich dabei an der Version „Soul Sauce (Guachi Guaro)“ von Cal Tjader, wie auf dessen Album „Soul Sauce“ (1965) zu hören. Dort zählen Armando Peraza, Willie Bobo und Johnny Rae zum Lineup. Der große Perkussionist Armando Peraza spielte lange Zeit bei Santana. Willie Bobo war ebenfalls ein bedeutender Congaspieler – von ihm stammt unter anderem „Fried Neckbones And Some Home Fries“. Und der Schlagzeuger Johnny Rae sprang kurz bei Santana ein, nachdem Anfang 1969 der Drummer Bob „Doc“ Livingston gefeuert wurde. Er war indes nur etwa zwei Wochen lang für einige Konzerte dabei – dann kam Michael Shrieve. Das Original von „Soul Sauce“ wurde bereits in den Vierzigerjahren von Dizzy Gillespie und Chano Pozo geschrieben – ihnen verdanken wir auch den Latinjazz-Klassiker „Manteca“ – und erschien unter dem Titel „Guarachi Guaro“.

Mehr noch. In einer Abhandlung über die Ursprünge des Salsa kommt der Musikhistoriker und Chefredakteur des Latin Beat Magazine Max Salazar zu dem Fazit: „Cal Tjaders ‚Soul Sauce‘ und Santanas ‚Oye Como Va‘ gaben der Salsa-Bewegung den entscheidenden Schub. Diese nahm ihren Anfang bei den Mexikanern in San Francisco. Aber die Bezeichnung wurde erst populär, nachdem das Magazin Latin New York sie häufig in seinen Anzeigen und Artikeln verwendet hatte und die Fania All-Stars sie zur Beschreibung ihrer Musik außerhalb von New York nutzten“ (Latin Beat Magazine, November 1991). So zeigt sich auch hier der prägende Einfluss von Santana. Und Michael Carabello beweist ein glückliches Händchen mit „Soul Sauce“.

Donnerstag, 5. Mai 2022

50 Jahre „Song Of The Wind“

Am 5. Mai 1972 – heute vor genau 50 Jahren – wurde der „Song Of The Wind“ für das vierte Santana-Album „Caravanserai“ aufgenommen. Alle anderen Titel waren längst im Kasten, als die Musiker sich an dieses Stück machten. Es ist die Krönung eines herausragenden Albums.


Schlagzeuger Michael Shrieve erzählt: „Carlos und Neal spielten wunderbar und waren sehr glücklich über ihre Ergebnisse. Üblicherweise fängst du bei den Aufnahmen mit den Basic Tracks an, also mit Schlagzeug und Bass. Danach brauchst du kein Schlagzeug mehr. Der Gitarrist, der Sänger oder wer auch immer können auf dieser Grundlage ihre Soli verbessern. Und am Ende des Abends im Studio hatten sie so unvergleichliche Sachen aufgenommen, dass ich dachte ‚Wow, ich hätte mit ihnen spielen sollen‘. Und ich war fest entschlossen, dies zu tun. Doch es ging nicht. Ohne Computertechnik kannst du das eigentlich nicht machen. Denn wenn du die Basic Tracks versaust, kannst du die komplette Aufnahme ruinieren. Nachdem alle gegangen waren sagte ich also zum Toningenieur: ‚Ich werde die ganze Nacht lang daran arbeiten. Ich übe, wie ich spielen möchte zu dem, was Carlos und Neal bereits hingelegt haben. Also sei morgen früh hier und lass es uns machen‘. Ich habe das niemandem aus der Band erzählt. Glen Kolotkin war sehr besorgt, denn wenn ich es vergeigt hätte, hätten sie wohl ihn beschuldigt, obwohl ich es verdient hätte. Er meinte: ‚Bitte Michael, mach das nicht‘. Ich antwortete nur: ‚Sei morgen früh hier. Ich sage dir, wann.‘ Ich arbeitete die Nacht durch und sagte: ‚Schmeiß das Aufnahmeband an‘ und legte los. Ich fügte meinen Teil zu dem hinzu, was sie zu den vorhandenen Basic Tracks gespielt hatten. Und es wurde großartig“. So folgt beim „Song Of The Wind“ also das Schlagzeug den Gitarren – und nicht umgekehrt, wie eigentlich üblich.


Shrieve versuchte, im Stil von Jack DeJohnette wie bei „First Light“ mit Freddie Hubbard zu spielen, einem Song, den auch Carlos schätzt. In seinem 8 x 10 Fuß kleinen, schallgedämmten Übungsraum zuhause in der Bay Street feilte er also die Nacht hindurch an einem ausdrucksstarken Spiel. Seine damalige Lebensgefährtin Wendy Haas erklärte ihn für verrückt. Gewiss mit einem Augenzwinkern – schließlich ist sie selbst Musikerin (und auf diesem Album am Piano ebenfalls dabei).

Und Carlos‘ Freundin (und spätere Frau) Deborah: „Ich hörte ‚Song Of The Wind‘ immer und immer wieder und versuchte zu ergründen, welche Gitarre Carlos und welche Neal Schon spielte. Es fühlte sich an, als würde ich fliegen, als sie sich mit ihren Soli abwechselten. Die Musik schwebte mit Schichten aus Rhythmus und Melodie, wie ich sie noch nie zuvor gehört hatte“.


Für mich ist dieser Song ein zeitloses Meisterwerk, bei dem man jedes Instrument einzeln genießen kann und der nie langweilig wird, weil es darin so viel zu entdecken gibt. Am besten entfaltet er sich, wenn man ihn im Anschluss an die vier Titel davor hört. „Eternal Caravan Of Reincarnation“, „Waves Within“, „Look Up (To See What’s Coming Down“, „Just In Time To See The Sun“ und „Song Of The Wind“ fließen nahtlos ineinander und schaffen eine Stimmung, in der das Lied des Windes einfach nur verzaubert …