Posts mit dem Label Jimi Hendrix werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Jimi Hendrix werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 29. Mai 2025

Lothar Trampert – Jimi Hendrix (2025)

„Elektrisch! Jimi Hendrix – Der Musiker hinter dem Mythos“ – so nannte Lothar Trampert 1991 sein erstes Buch über den Ausnahme-Gitarristen. Es galt als „das erste ernstzunehmende deutschsprachige Werk über Jimi Hendrix“ (Rock World) und als Standardwerk. Fans waren begeistert, weil es am genauesten Jimis Spieltechnik erklärte. Und nun, am 30. April 2025, hat der Autor nachgelegt und eine überarbeitete und erweiterte Version veröffentlicht: „Jimi Hendrix. Musiker Popstar Mythos“ (Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen, Books on Demand, 404 Seiten, 30 Euro, ISBN-13: 9783819246296).


Zwischen den beiden Versionen liegen über 400 Interviews mit bekannten Musikern wie Carlos Santana, Robin Trower, Steve Lukather, Joe Satriani, Jeff Beck, Peter Bursch, Sting, Jack Bruce, Robert Plant und vielen weiteren. Mit ihnen hat Lothar Trampert als Musikwissenschaftler und Redakteur eines Musiker-Fachmagazins auch über Jimi Hendrix gesprochen. Und jeder wurde irgendwie von Hendrix beeinflusst. Das „Gypsy Queen“ in Santanas „Black Magic Woman/Gypsy Queen“ beispielsweise – obwohl es eigentlich von Gábor Szabó stammt – ist deutlich von Jimis „3rd Stone from the Sun“ geprägt (wenn ich das hinzufügen darf). Und kaum einer konnte den Hendrix-Sound so überzeugend nachahmen wie Gary Moore, von dem unter anderem das Album „Blues for Jimi“ stammt, bei dem auch die Hendrix-Mitstreiter Mitch Mitchell und Billy Cox als Gäste mitwirkten.


Der Autor beginnt mit der Geschichte, wie er selbst zu Hendrix gefunden hat. Es folgen die musikalische Entwicklung des Gitarristen, ein längeres Interview mit dem Experience-Bassisten Noel Redding, ein Kapitel über den Experience-Schlagzeuger Mitch Mitchell, die Hendrix-Alben einschließlich diverser Live-Mitschnitte, die technische Ausrüstung und Spieltechnik, die musikalische Einordnung von Jimi Hendrix, eine längere Fotostrecke, Tribute-Alben und vieles mehr. Trampert räumt mit Mythen über Jimi auf und macht Lust, jetzt sofort Musik von ihm aufzulegen und überhaupt die eine oder andere noch fehlende CD oder DVD zu bestellen. So jedenfalls erging es mir, obwohl sich die regulären Alben und einige weitere bereits in meiner Sammlung befinden.


Das Buch ist sachlich, manchmal sehr persönlich und durchweg fesselnd geschrieben. Es liefert eine Fülle an Informationen und mehrere Discografien zu unterschiedlichen Themen. Insgesamt ist dies ein spannendes Werk über einen der größten und einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts. Ich kann es nur wärmstens empfehlen.

Sonntag, 26. November 2023

Santana – Black Magic Woman/Gypsy Queen (1970)

„Abraxas“, das zweite Album von Santana, erschien 1970. Es enthält mehrere Songs, die große Hits wurden, beispielsweise „Samba Pa Ti“, „Oye Como Va“ und „Black Magic Woman/Gypsy Queen“.

Santana – mit „Black Magic Woman/Gypsy Queen“ (1970)
Das von Peter Green (dem frühen Kopf und Mitbegründer von Fleetwood Mac) geschriebene „Black Magic Woman“ wirkt bei Fleetwood Mac recht herb und farblos. Bei Santana hingegen blüht es förmlich auf und ist ohne das geniale Keyboard-Intro von Gregg Rolie sowie das angehängte „Gypsy Queen“ von Gábor Szabó kaum noch vorstellbar. Die fabelhafte Kopplung dieser beiden Coverversionen erfreut uns auf diversen Livealben und natürlich in den meisten Konzerten. Selbst die Jazzsängerin und Pianistin Patricia Barber spielt ihre moderne Interpretation von „Black Magic Woman“ in der Santana-Version mit dem Rolie-Intro und – als ginge es nicht anders – dem angehängten „Gypsy Queen“.

„Peter Green erhält die Tantiemen“, stellt Carlos fest. „Doch es ist jetzt unser ‚Black Magic Woman‘. Für mich kommt ‚Black Magic Woman‘ von ‚All Your Love (I Miss Loving)‘ [singt es vor]. Für mich ist es dasselbe Ding, nur mit einem anderen Text. Mindestens zwei- oder dreimal im Jahr überweise ich einen nennenswerten Betrag an Otis Rush. Ich muss … und ich werde es weiterhin tun, um den Song zu ehren, den ich jeden Abend spiele“.

Otis Rush – mit „All Your Love (I Miss Loving)“ (1958)
„Michael Shrieve [Schlagzeug] stieß mich auf diesen Song“, erinnert sich Gregg Rolie. „Er wusste, dass ich ein Fan von Peter Green war, als er bei den Bluesbreakers den Song ‚Supernatural‘ spielte. Er war ein außergewöhnlicher Gitarrist – das ist er noch immer. Michael brachte mir also ein Fleetwood-Mac-Album [vermutlich ‚English Rose‘] mit und fragte, ob es mir gefällt. Ich pickte mir diesen Song heraus und liebte ihn. Bei meiner Keyboard-Eröffnung spielte ich die Noten A, C und D. Und Carlos meinte: ‚Nimm ein H dazu‘.“ Die Folge von 13 Keyboardtönen (C-D-A-C-D-A-H-D-C-D-A-C-D) wird mehrfach wiederholt. Es geht jeweils um den siebten Ton, bei dem ein H das ursprüngliche C ersetzt. „Ich fragte mich erst, was das soll. Doch tatsächlich veränderte dieses simple H alles und machte daraus unser Markenzeichen“.

© Pearce Marchbank, Ellen Dale: „Santana“ (28 Songs) (1974)
„Es ist zunächst ein Piano-Intro mit Becken, die Michael Shrieve und ich uns ausdachten“, erklärt Michael Carabello [Congas] weiter. Dann setzt die Percussion ein, die den Beat aufgreift, der direkt vorher schon „Singing Winds, Crying Beasts“ antreibt. „Es ist ein hübscher kleiner brasilianischer Beat, den ich damals als Teenager bei den Congasessions im Aquatic Park gelernt habe. Und Michael Shrieve begleitet ihn mit seinen Becken instinktiv ebenfalls in brasilianischer Weise“.

„Wir haben es nie arrangiert“, so Carlos. „Es ergab sich einfach so. Ich habe nie geahnt, dass es ein so wichtiger Bestandteil unserer Identität werden würde. Das einzige Arrangement bestand darin, zu spielen. Niemand hat es im engeren Sinne für die Band arrangiert. Wir sagten, lasst uns dies ausprobieren, ich spiele das und du versuchst jenes – so ungefähr“.

Fleetwood Mac – mit „Black Magic Woman“ (1968)
Und Gregg Rolie: „Ich liebte den Song und ich liebe ihn noch immer. Okay, heute fühlt es sich ein bisschen anders an, doch er ist ein Stück von mir. Und wenn ich den Song nach vierzig Jahren noch immer gerne spiele, muss er wirklich etwas ganz Besonderes an sich haben. Es ist seine Einfachheit. Es ist ein rundherum guter Song mit einer Blues-Basis, die absolut mir entspricht und die jeder versteht. ‚Black Magic Woman‘ ist das einzige Stück, das ich in meiner Zeit bei Santana nur einmal gesungen habe. Mit anderen Worten: Ihr hört, was ich beim ersten Mal gesungen habe. Ich habe absolut nichts daran geändert. Ich habe zwei Strophen gesungen, dann ging etwas im Studio kaputt, was sie reparieren mussten. Vielleicht zwanzig Minuten später kam ich zurück, sang die letzte Strophe und das war‘s“.

Gábor Szabó – mit „Gypsy Queen“ (1966)
Für „nie arrangiert“ ist das Arrangement herausragend. Besondere Aufmerksamkeit verdient die zwölfsekündige Brücke zu „Gypsy Queen“, die es in sich hat. Großartig ist etwa, wie David Brown mit seinem Bass entspannt den Tempowechsel begleitet. Der Bass-Lick aus acht absteigenden Tönen am Ende von „Black Magic Woman“ stammt aus dem Original von „Gypsy Queen“ auf dem Album „Spellbinder“, wo Szabó ihn zum Ende hin dreimal in ähnlicher Weise seiner Gitarre entlockt.

Jimi Hendrix – mit „3rd Stone from the Sun“ (1967)
Noch während der Bridge und genau einen Takt, bevor Carlos das „Gypsy Queen“ anstimmt (ab 3:43), startet ein anhaltender Groove wie bei „3rd Stone from the Sun“ von Jimi Hendrix. Es ist die Passage auf dem Hendrix-Album „Are You Experienced?“ mit dem treibenden Bass von Noel Redding und dem filigranen Schlagzeug von Mitch Mitchell (ab 2:30). Jahre später bestätigt Carlos: „‚Gypsy Queen‘ ist purer Gábor Szabó mit einem bisschen Jimi“. Wobei man darüber diskutieren kann, ob der Grundrhythmus in Santanas „Gypsy Queen“ sich eher an Gábor Szabós Vorlage oder ebenfalls an „3rd Stone from the Sun“ orientiert. Tatsächlich ist es wohl ein Mix von beidem – und beides passt unglaublich gut zusammen. Mir scheint, dass der Groove mit Reddings Basslauf nach der Bridge einfach von David Brown beibehalten und Szabós Melodie hinzugefügt wird. Und die feinziselierten Drum Pattern von Mitchell teilen nun Congas, Timbales und Schlagzeug gekonnt untereinander auf. Carabello, „Chepito“ und Shrieve – jeder erhält seinen eigenen Einsatz. Das Ergebnis ist jedenfalls richtig stark und unterstreicht die Klasse und den Teamgeist dieser Percussionsection. Je mehr ich mir dieser feinen Details bewusstwerde, desto größer wird mein Respekt vor der kreativen Leistung der Santana-Musiker und desto mehr schätze ich dieses Meisterwerk.

Montag, 20. April 2020

Neal Schon plays Jimi Hendrix: Paul Rodgers & Company – The Hendrix Set (1993)

Am besten spielt natürlich Jimi Hendrix seine eigene Musik. Es gibt jedoch einige Gitarristen, die das ebenfalls prima hinbekommen, allen voran Gary Moore und Steve Ray Vaughan. Dass auch der Ex-Santana- und ewige Journey-Gitarrist Neal Schon Hendrix-Titel im Repertoire hat, wurde mir erst kürzlich bewusst, als mir die CD (genau genommen EP, weil sie nur rund 22 Minuten Musik enthält) „The Hendrix Set“ von Paul Rodgers And Company in die Hände fiel.


Paul Rodgers (Lead Vocals) kennen wir als Sänger von Free und Bad Company. „And Company“ sind Neal Schon (Gitarre), Todd Jensen (Bass) und Deen Castronovo (Drums). Aufgenommen wurden die Songs live in Miami, Florida am 4. Juli 1993.


Die Stafette beginnt mit „Purple Haze“. Sehr anständig. „Stone Free“ wird etwa ab der Mitte zu einem Medley aus „3rd Stone Frome The Sun“ (Hendrix), „I Feel Free“ (Cream) und „Gypsy Queen“ (Santana – beginnend mit dem Übergang von „Black Magic Woman“ zu „Gypsy Queen“, der ja dem „3rd Stone“ entnommen ist). Klasse gemacht. „Little Wing“, „Manic Depression“ und „Foxy Lady“ lassen ebenfalls Hendrix wieder auferstehen. Neal Schon mischt seinen eigenen Sound hinein, spielt aber dennoch sehr Hendrix-mäßig. Auch die Kollegen machen ihre Sache gut. Hervorgehoben sei Deen Castronovo, der beim Groove von „3rd Stone from the Sun“ die filigranen Drum Pattern von Mitch Mitchell gekonnt nachempfindet. Und so ist diese Scheibe hörens- und empfehlenswert, nur leider nicht mehr leicht zu finden.

Donnerstag, 25. Juli 2019

Mike Evans, Paul Kingsbury – Woodstock. Chronik eines legendären Festivals (riva Verlag 2019)

2019 ist ein Jahr der runden Jubiläen für Santana. Woodstock, das berühmte Festival, welches im August 1969 ungefähr eine halbe Million junger Leute anlockte und Santana auf großer Bühne präsentierte, ist fünfzig Jahre her. Das erste Album erschien im Oktober 1969, also ebenfalls vor fünfzig Jahren. Und das gigantische Comeback mit dem Grammy-überhäuften Album „Supernatural“ (1999) jährt sich immerhin schon zum zwanzigsten Mal.



50 Jahre Woodstock-Festival – diesem Anlass widmen sich Mike Evans und Paul Kingsbury in einer großformatigen, reich bebilderten und 288 Seiten starken Chronik. Das Buch ist in Zusammenarbeit mit The Museum at Bethel Woods entstanden, das heute auf dem ehemaligen Festivalgelände steht. So konnten die Autoren auf eine Fülle an Informationen, Kommentaren, Fotos und anderem Material zurückgreifen, das wir hier vorgelegt bekommen. Ein wirklich beeindruckendes Buch – überaus lesenswert für Fans aller beteiligten Musiker und für jeden, den das Festival, das Drumherum und überhaupt die damalige Zeit interessiert. Sein Preis: 24,99 Euro in Deutschland, 25,70 Euro in Österreich.

Ziemlich ausführlich berichtet das Buch über jede Band und jeden Musiker, der beim Festival aufgetreten ist. Viele von ihnen sind im Film nicht zu sehen und auf dem Soundtrack nicht zu hören. Über Santana berichten zwei Doppelseiten und weitere Beiträge.




Insgesamt waren folgende Acts dabei:

Freitag, 15. August: Richie Havens – Sri Swami Satchidananda – Sweetwater – Bert Sommer – Tim Hardin – Ravi Shankar – Melanie – Arlo Gutherie – Joan Baez

Samstag, 16. August: Quill – Country Joe McDonald – Santana – John Sebastian – The Keef Hartley Band – The Incredible String Band – Canned Heat – Mountain – The Grateful Dead – Creedence Clearwater Revival – Janis Joplin – Sly & The Family Stone – The Who – Jefferson Airplane

Sonntag, 17. August: Joe Cocker & The Grease Band – Country Joe & The Fish – Ten Years After – The Band – Johnny Winter – Blood, Sweat & Tears – Crosby, Stills, Nash & Young – Paul Butterfield Blues Band – Sha Na Na – Jimi Hendrix

Eingeladen, aber aus verschiedenen Gründen nicht gekommen: Bob Dylan – Joni Mitchell – Jeff Beck Group – Iron Butterfly – Procol Harum – The Doors – Jethro Tull – Led Zeppelin – Tommy James & The Shondells – Paul Revere & The Raiders – Free – Spirit – The Moody Blues



Das Buch ist wirklich fantastisch und lässt den Leser auch ein halbes Jahrhundert später in das Festival eintauchen. Es nennt die Musiker sämtlicher Bands und ihre Songlisten. Es beleuchtet den sozialpolitischen Hintergrund samt Vietnamkrieg, Bürgerrechtsbewegung und Hippiekultur. Es liefert Hintergrundwissen und Insiderinformationen. Es berichtet über das Zustandekommen des Festivals von ersten Ideen über die Finanzierung und den Kontakt zu Max Yasgur, auf dessen Farmgelände schließlich alles geschah, bis hin zur konkreten Organisation und dem Aufbau. Es zeigt, welche Rolle die Hog Farm, eine Hippie-Kommune aus New Mexico, für den friedlichen Ablauf des Ereignisses spielte. Es lässt Musiker, Mitwirkende, Besucher und andere ihre Eindrücke und Gedanken schildern. Es stellt auch das recht neue Museum vor und erzählt, was aus den Musikern geworden ist.

Wir erfahren, dass einer der Regisseure für die Filmaufnahmen Martin Scorsese war. In einem Vorwort erzählt er von den abenteuerlichen Arbeitsbedingungen für die Crew. Wir erfahren, dass das in eine Decke gehüllte Paar auf dem Cover des Soundtracks (siehe unten) zwei Jahre später heiratete und 2016 noch immer zusammen war. Wir erfahren, dass bei dem legendären „With A Little Help From My Friends“ von Joe Cocker „eine riesige schwarze Wolke“ aufzog und es, kaum dass er und seine Band fertig waren, stundenlang schüttete – wie im Film ausführlich zu sehen. Von da an war alles ein Meer aus Schlamm. Die folgenden Auftritte verzögerten sich erheblich und liefen die ganze Nacht durch. So spielte Jimi Hendrix – dessen Manager darauf bestand, dass er als Hauptact des Konzerts zum Schluss auftritt – erst am Montagmorgen um 9 Uhr. Mittlerweile hatten sich die Reihen arg gelichtet und nur noch 40.000 Besucher erlebten seinen sensationellen Auftritt mit der improvisierten US-Nationalhymne, die „sowohl die musikalische als auch die politische Botschaft des Festivals in Woodstock auf den Punkt“ brachte.



Von einigen Musikern – so auch von Jimi Hendrix – ist der Woodstock-Auftritt inzwischen mehr oder weniger komplett veröffentlicht worden. Von Santana erschien das vollständige Set 2009 unter dem Titel „The Woodstock Experience“. Es besteht aus einem Pappschuber mit zwei CDs – dem ersten Album mit seinen ursprünglichen neun Titeln, dem Woodstock-Mitschnitt mit acht Titeln und zusätzlich einem beidseitig bedruckten Poster. In LP-Aufmachung steckt jede Scheibe in einer eigenen Hülle und dort wiederum in einer mit Liner Notes bedruckten Innenhülle. Sehr wertig aufgemacht.


Zum Buch empfehle ich aber vor allem den Genuss des Woodstock-Soundtracks. Und dann: stöbern, lesen, Bilder betrachten und das einmalige Festival in seiner Fantasie aufleben zu lassen. Für mich ist das Buch ein großer Wurf – sehr gelungen und unbedingt zu empfehlen!