Freitag, 17. Februar 2023

Carlos Santana & Bill Laswell – Divine Light (2 LPs 2023)

Lange her sind die Kollaborationen von Carlos Santana mit John McLaughlin (1973) und Alice Coltrane (1974). Über beiden Alben schwebt der Geist von John Coltrane, einem der größten Vorbilder des Gitarristen. Carlos betont dies immer wieder, so auch in seiner Dankesrede nach der Verleihung der Grammy Awards im Februar 2000. Vielleicht gibt er damit den entscheidenden Impuls für Columbia, ihr Archiv für den einschlägig bekannten Bill Laswell zu öffnen und ihm Zugriff auf die Mastertapes zu gewähren … für wunderbare Soundbasteleien, mit denen er die beiden so unterschiedlichen Alben zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügt. Die CD erscheint 2001 (mehr darüber in meinem Buch „Sechs Jahrzehnte SANTANA“).



Am 17. Februar 2023 wird „Divine Light“ erstmals auf Vinyl (2 LPs) veröffentlicht, und zwar als Limited Numbered Edition auf „180 Gram Orange & Black Marbled Vinyl“ in einer Hochglanz-Klapphülle. Davon werden nur 1.500 einzeln durchnummerierte Exemplare hergestellt. Nummer 667 landet in meiner Sammlung.



Kleine Randnotiz: Bei meinem Händler ist von „Yellow, Red & Black Marbled Vinyl“ die Rede. Wenn man genau hinschaut, sieht man hier und da auch Gelb und Rot in der Vinylmasse. Doch vermutlich wurde der Vinylteig zu gut gerührt, so dass die beiden Farben stark vermischt sind. Daher kündet der Aufkleber auf dem Album von orange und schwarz marmoriert, was dem tatsächlichen Eindruck eher entspricht.




Während man auf der CD die ineinander übergehenden Remixe am Stück genießen kann, verteilen sich hier die neun Titel auf vier Seiten, werden also dreimal unterbrochen. Vinyl-Freunde wollen es nicht anders und erfreuen sich dafür am haptischen Erlebnis des Plattenumdrehens.


Das besondere Design der CD, deren Hülle wie eine Blüte in vier Richtungen geöffnet werden muss, wird bei der Vinyl-Ausgabe nicht reproduziert. Dafür sind die Abbildungen allesamt viel größer. Vor allem das schmale, hochformatige Bild im Inneren der Klapphülle kommt dadurch schön zur Geltung. Wer sich dabei an „Lotus“ (1974) erinnert fühlt … beide Alben wurden vom japanischen Künstler Tadanori Yokoo gestaltet.

Sonntag, 22. Januar 2023

Azteca – Azteca/Pyramid of the Moon (2 SACDs 2022)

Die Veröffentlichungen von Azteca habe ich bereits 2011 vorgestellt. Diese Band mit 16 Musikern wurde 1972 von Coke Escovedo gegründet. Sie mischte Latin-Rock und Latin-Jazz mit Funk und Soul, was ungefähr wie ein Mix aus Santana, Earth, Wind & Fire und Chicago klingt. Zwischen Azteca und Santana (sowie anderen Bands aus der San Francisco Bay Area) gab es zahlreiche Verflechtungen. Neal Schon, Pete Escovedo, Coke Escovedo, Victor Pantoja, Wendy Haas, Rico Reyes, Tom Rutley, Mel Martin und Lenny White sind unterschiedlich häufig auf Santana-Alben zu hören. Kein Wunder – man spielte oft auf denselben Festivals und kannte einander. Und den Song „Red Onions“ hat Armando Peraza geschrieben (enthalten auf seinem Album „Wild Thing).


Da ein Hit und der kommerzielle Erfolg ausblieben, war das Ensemble jedoch zu teuer und löste sich bald wieder auf. 2007 kam es zu einem Reunion-Konzert der noch lebenden Azteca-Musiker, dokumentiert 2008 auf CD („From the Ruins“) und DVD („La Piedra del Sol“). Nach den ersten beiden LPs „Azteca“ (1972) und „Pyramid of the Moon“ (1973) habe ich seinerzeit lange suchen müssen, bis ich sie 1988 und 1991 auf Plattenbörsen entdeckte.


Zwischenzeitlich wurden die Platten mehrfach auf CD veröffentlicht. 2013 kamen beide Alben sogar mit Bonus Tracks heraus – das waren kürzere Single-Versionen von bereits auf den Alben enthaltenen Titeln („Ain’t Got No Special Woman“ und „Mamita Linda“ auf „Azteca“, sowie „Watcha Gonna Do“ auf „Pyramid of the Moon“). Da ich die LPs inzwischen hatte, war mir das relativ egal.


Nun jedoch konnte ich nicht widerstehen. Denn am 11. November 2022 sind beide Scheiben in einer Box als Doppel-Hybrid-SACD erschienen – mit umfangreichen Liner Notes im Booklet, in denen die Geschichte und die Hintergründe von Azteca beleuchtet werden.

Hinweis: Klicken Sie die Bilder an, um die Schrift besser lesen zu können.

Montag, 9. Januar 2023

Paoli Mejias – Jazzambia (2008)

Der Congaspieler Paoli Mejias (eigentlich Paoli Mejias Ramos) stieg 2013 als Nachfolger von Raul Rekow bei Santana ein. Er stammt aus Puerto Rico, wo er schon in jungen Jahren tief in den Latinjazz eintauchte. Beeinflusst wurde er von den Fania All-Stars, Ray Barretto, Tata Güines, Carlos „Patato“ Valdés, Batacumbele und Eddie Palmieri. Mit acht begann er, Congas zu spielen und arbeitete mit Palmieri, Tito Puente, Marc Anthony und weiteren Salsa- und Latinjazz-Musikern zusammen. Zu Santana fand er dank seiner 20-jährigen Freundschaft mit dem Santana-Timbalero Karl Perazzo. Für ihn bedeutete das eine große Umstellung. „Alles, was ich bei Santana spiele, ist sehr, sehr neu für mich. Ich musste meine Congas anders stimmen. Für die Band brauche ich einen tieferen Klang. Ich habe eine Menge geändert … und eine Menge gelernt“.


„Raul hinterließ einen riesigen, riesigen Fingerabdruck und Armando Peraza hinterließ einen gewaltigen Fingerabdruck“, meint Perazzo. „Aber Paoli bringt diese moderne Energie. Der Kerl ist phänomenal. Er spielt sehr stark, sehr kreativ, sehr leidenschaftlich und er hat ein unglaubliches Gespür für die afrikanischen Wurzeln.“ Perazzo stellt ihn in eine Reihe mit bedeutenden Congaspielern wie Giovanni Hidalgo (von Batacumbele), Anthony Carrillo und Richie Flores.

Mit seinem Quintett hat Mejias bereits drei Alben veröffentlicht. Das erste („Mi Tambor“, 2004) wird sogar für den Grammy Award nominiert. Sein zweites Album heißt „Transcend“ (2006). Durch den vollgestopften Santana-Terminplan muss die eigene Band allerdings zurückstehen.

An der künstlerischen Gestaltung seiner auffälligen Signature-Congas von Latin Percussion hat Mejias acht Jahre gearbeitet. Sie sollen auf die Ursprünge seiner Musik jenseits des Atlantiks verweisen und tragen mit „Jazzambia“ denselben Namen wie seine 2008 erschienene dritte CD. In den Liner Notes erzählt er, dass die Puertoricaner stolz auf ihre afrikanische Herkunft seien, die er jedenfalls gebührend in den Vordergrund stellt.


„Jazzambia“ bietet Latin Jazz und Weltmusik. Bei neun Songs spielen vier Saxofonisten und zwei Schlagzeuger mit, ferner ein Pianist, ein Gitarrist, ein Bassist, ein Timbalero und einmal kurz ein Sänger. Saxofone, Piano oder Gitarre rücken bei ihren Soli gerne in den Vordergrund. Doch Paoli Mejias mit seinen Congas ist natürlich stets präsent. Die Songs bieten eine abwechslungsreiche Mischung jazziger Klänge mit viel Percussion. Mir persönlich gefallen „Logos“ und „Sentimental Cha“ besonders gut.

Freitag, 18. November 2022

Joan Chase & Heavy Water Light Show

Auf dem Cover von „Santana III“ (1971) bietet die psychedelische Collage bunte Szenen wie aus einem Drogenrausch – bizarre Halluzinationen, leuchtende Galaxien und explodierende Sterne. Genauso explodiert die Musik. Und die Drogen erweisen sich für die Musiker als wachsendes Problem – aber das ist eine andere Geschichte.



Das Cover stammt von den Künstlerinnen Joan Chase und Mary Ann Mayer von der Heavy Water Light Show. Sie verwenden Dias mit farbigen Ölen zwischen den Glasplättchen, die bei Wärme langsam durcheinander fließen, und verbinden die dabei entstehenden Lichteffekte mit Fotos und Filmsequenzen. Solche psychedelischen Liquid Light Shows kommen um 1966 auf, sind in jener Zeit als Bühnenhintergrund sehr beliebt und ihre Motive eignen sich offensichtlich auch gut für Schallplatten.

Die Heavy Water Light Show ist außer für Santana auch für Bands wie Jefferson Airplane und die Grateful Dead tätig und präsentiert ihre Kunst einige Jahre später in Planetarien.



Joan Chase wird zudem die Cover von „Carlos Santana & Buddy Miles! Live!” und „Caravanserai“ (beide 1972) gestalten.



Auch das Cover von „Caravanserai“ ist eine Collage. „Ich denke, es war Joan Chase, die eine Reihe von Dias an die Wand projizierte“, erinnert sich Carlos Santana. „Und ich sagte … oh, dies hier … und das da drüben … die rote Sonne oder Mond oder was immer das ist … mit der Karawane und den Kamelen … damit visualisierten wir die Musik und das gesamte Konzept“.

Mehr zum Cover habe ich bereits in einem älteren Post geschrieben.

Freitag, 4. November 2022

Maya Roy – Die Musik Kubas (Buch und CD 2000)

In einem älteren Post habe ich auf das Buch „Buena Vista. Die Musik Kubas“ von Maya Roy hingewiesen. Auf der beiliegenden CD befindet sich die wohl älteste Aufnahme eines Santana-Musikers. Denn der Song „Rumba En El Patio“ wurde irgendwann zwischen 1944 und 1947 aufgenommen. Armando Peraza spielte in jener Zeit beim Conjunto Kubavana und ist mit einem Solo an den Bongos zu hören. 1947 erblickten Carlos Santana, Michael Carabello, Gregg Rolie und David Brown (von der Woodstock-Formation) überhaupt erst das Licht der Welt.


Inzwischen sind Buch und CD im Buchhandel vergriffen. Direkt beim Palmyra Verlag
 gibt es jedoch noch Restexemplare. Dort werden auch andere Weltmusik-Bücher jeweils mit CD versandkostenfrei angeboten, beispielsweise über die Musik Afrikas. Der Verlag hat zudem Bücher über Rockmusik, Blues und andere Genres im Programm. Darin geht es dann beispielsweise um Jimi Hendrix, die Rolling Stones, Bob Dylan, Neil Young, B.B. King oder Udo Lindenberg. Stöbern lohnt sich also.

Dienstag, 11. Oktober 2022

50 Jahre Caravanserai

Am 11. Oktober 1972 – heute genau vor 50 Jahren – erschien das wunderbare Album „Caravanserai“ von Santana. Aus diesem Anlass möchte ich einige Passagen aus meinem Buch „Sechs Jahrzehnte SANTANA zitieren:

Bereits das Zirpen am Anfang von „Eternal Caravan Of Reincarnation“ löst angenehme, entspannende Gefühle aus, denn es vermittelt die Stimmung sommerlicher Wärme (vor allem, wenn hier im Norden trister Winter herrscht). Erst nach 34 Sekunden steigt Hadley Calimans Saxophon ein und unterstreicht diesen ruhevollen Eindruck, gefolgt von Tom Rutleys akustischem Bass. Daraus entwickelt sich ein jazziger Titel, der sanft vor sich hin swingt. Neal Schon zupft verträumte Akkorde. Carlos und James Mingo Lewis sorgen für leise Percussion – Chimes und Glöckchen lassen ein wenig von „Singing Winds, Crying Beasts“ [von „Abraxas“] durchschimmern. Und Michael Shrieve schafft mit seinen wunderbar zurückhaltend und doch abwechslungsreich gespielten Drums und Cymbals eine gewisse Struktur.

Original Album (1972)
Die Anregung für diesen Einstieg stammt vom atmosphärischen Eröffnungssong „Astral Traveling“ von Pharoah Sanders‘ Album „Thembi“. Hier sind ebenfalls Naturgeräusche hineingemischt. Carlos spricht mit dem Toningenieur Glen Kolotkin über seinen Wunsch, das Album mit Naturklängen beginnen zu lassen. Kolotkin: „Da hab‘ ich genau das Richtige – in meinem Garten geht ein Grillenchor ab. Du glaubst gar nicht, was für einen Lärm die veranstalten“. So kommen diese winzigen „Musiker“ zu ihrem ersten Engagement von immerhin fast zwei Minuten. Allerdings beansprucht Michael Shrieve die Idee gleichermaßen für sich. „Ich wollte Zikaden und den Klang nächtlicher Stille am Anfang der Platte haben. (…) Dann ließ ich Hadley Caliman für geraume Zeit spielen, einfach Harmonien und solche Dinge, die ich zu dem bearbeitete, was ihr hört. Allein dieses kleine Saxophon-Intro brauchte mehr als zwanzig Schnitte. Man musste das Band per Hand schneiden – Pro-Tools gab es noch nicht. Als Nächstes bestimmen Tom Rutleys Bass sowie die jazzig schwellenden Becken und sachte Metallklänge den Sound und Wendy Haas kommt rein am Fender Rhodes Piano mit Vibrato …“.

Digitally Remastered Edition (2003)
Clive Davis von Columbia Records hält das Album für Karriere-Selbstmord und versucht, Carlos zu überreden, „mit der Band eine andere Richtung einzuschlagen. Aber wir hatten ‚Caravanserai‘ vollendet, und es war zu spät, das Ruder herumzureißen. ‚Sorry, aber ich muss einfach fragen‘, sagte Clive. ‚Warum willst du das machen?‘ Ich muss hinzufügen, dass er geduldig und kein bisschen aggressiv war, einfach sehr nett. Ich fragte: ‚Warum will ich was machen?‘ Er sagte ‚Also, eins ist doch glasklar: Auf diesem Album ist weit und breit keine Single zu finden. Es ist nichts drauf, was im Radio ein Hit werden könnte. Man könnte meinen, ihr kehrt euch selbst den Rücken zu. Der Jazz ist großartig, aber es gibt bereits einen Miles Davis und einen Weather Report. Warum seid ihr nicht einfach Santana?‘ ‚Es bleibt, wie es ist, Mann‘, sagte ich. ‚Es ist ein Gesamtkunstwerk. Das ganze Ding ist eine Single‘“.

Hybrid-SACD (2011)
Carlos weiß selbst, dass das Album ein Drahtseilakt ist. Indes … „Ich muss die Musik spielen, die aus meinem Herzen kommt. Nachdem ich ‚Caravanserai‘ fertig hatte, nach den ersten drei Alben, haben einige Leute es schlecht gemacht. Jahre später haben viele von ihnen zugegeben, dass es sie lehrte, Musik auf eine andere Weise zu hören. Es war seiner Zeit voraus, aber ich kann nicht auf alle warten. Um dich weiterzuentwickeln, musst du eine Gelegenheit ergreifen und von allem lernen. Die Kritik interessiert mich nicht wirklich“.

Siehe auch: 50 Jahre „Song Of The Wind“ und Die Bedeutung des Albumtitels

Dienstag, 4. Oktober 2022

Floating Points, Pharoah Sanders & The London Symphony Orchestra – Promises (2021)

Floating Points (bürgerlich Sam Shepherd) ist ein britischer Musikproduzent und Musiker. Pharoah Sanders war ein amerikanischer Jazz-Saxophonist. The London Symphony Orchestra ist eine englische Bigband mit vielen Streichinstrumenten, die hier zum Einsatz kommen. „Promises“ wurde 2019 und 2020 aufgenommen. Das Album erschien am 26. März 2021.


Sam Shepherd hat die Musik geschrieben. Eigentlich sind es zwei kurze Notenfolgen – beinahe Akkorde, die mit Variationen die ganze Zeit über im Wechsel erklingen. Shepherd spielt sie auf Synthesizer, Klavier und Hapsicord. So geht es über neun verträumte Songs, die ineinanderfließen und „Movement 1“ bis „Movement 9“ heißen. Den bisweilen kaum hörbaren Klangteppich liefern die Violinen, Violas, Celli und Kontrabässe aus London. Pharoah Sanders setzt mit seinem Tenorsaxophon gefühlvolle, aber meist ruhige Akzente und summt zwischendurch auch nur. Das ist wunderbare Musik zum Entspannen.

Pharoah Sanders spielte Mitte der Sechzigerjahre schon mit John Coltrane und später mit Alice Coltrane, Leon Thomas, McCoy Tyner und vielen anderen. Auf Soloalben wie „Karma“ (1969) und „Thembi“ (1971) drifteten einzelne Songs immer wieder in wilde Free-Jazz-Passagen, bevor sie irgendwann zurück in melodisches Fahrwasser fanden. Auf „Promises“ bleibt Sanders einfach nur melodisch …

„Promises“ ist sein letztes Studioalbum. Pharoah Sanders starb am 24. September 2022 im Alter von 81 Jahren. Er „war in den 60er-Jahren eine der Schlüsselfiguren in der Avantgarde-Phase des Modern Jazz. Gemeinsam mit John Coltrane hatte er die ersten Formen des Free Jazz entwickelt. Sanders galt als einer der Begründer des Ethno-Jazz, wobei er den Islam und die spirituellen Traditionen Afrikas oft in seine Arbeiten einbezog und zum Thema seiner Musik machte“, heißt es in einem Nachruf bei Deutschlandfunk Kultur.


Auf „Karma“ befindet sich der gemeinsam mit Leon Thomas geschriebene und mehr als halbstündige Song „The Creator Has A Master Plan“, den Santana mit Leon Thomas 1973 live in Japan aufnahm und der 2017 endlich auf der Complete Edition von „Lotus“ veröffentlicht wurde.

Freitag, 16. September 2022

Santana Lineups

Die Band Santana hat im Laufe ihrer Geschichte viele personelle Wechsel durchgemacht. Über die Jahrzehnte gaben sich mehr als 80 Musiker plus unzählige Gäste die Klinke in die Hand. Manche Bandmitglieder blieben nur wenige Wochen, andere waren zwanzig, dreißig Jahre und länger dabei, teils mit Unterbrechungen. Die Abbildungen mit dem „Santana-Stammbaum“ – „Santana Changes“ genannt – habe ich dem Booklet zum Album „Viva Santana!“ (1988) entnommen. Sie erstrecken sich über sechs Seiten und visualisieren (mit kleinen Lücken) den Wandel der Band von 1966 bis 1987. Danach ging es natürlich ebenso weiter. Die dünn gedruckten Namen [Bilder zum Vergrößern anklicken] mögen schwer zu erkennen sein, aber man erhält doch einen Eindruck von der Vielfalt und der Fluktuation.






Ein Leser meines neuen Buches „Sechs Jahrzehnte SANTANA fragte mich nach meiner Lieblingsformation von Santana, worüber ich mir noch keine Gedanken gemacht hatte. Ich hole das hiermit nach, möchte aber betonen, dass es eine sehr subjektive Bewertung ist. Es würde wohl für jeden Fan eine große Rolle spielen, wann sie oder er sich für die Band zu interessieren begann und welche Musiker bei den ersten Konzerten auf der Bühne standen. So hätte das „Lotus“-Lineup weit oben auf meiner Liste landen können, wenn ich einige Jahre früher zu dieser Musik gefunden hätte. Habe ich aber nicht, und so sind Leon Thomas, Richard Kermode und Doug Rauch leider an mir vorbeigezogen. Außerdem hängt die Bewertung manchmal an einzelnen Musikern, die man sehr schätzt.

Nun aber zur Beantwortung der eigentlich kaum beantwortbaren Frage. Mein Lieblingsalbum ist „Caravanserai . Daher könnte dieses Lineup – es wäre Santana #7 – mein Favorit sein. 1972 erlebte Santana jedoch den ersten tiefgreifenden Umbruch. Wer gehörte zu Santana und wer nicht? Hier ist die Grenze zwischen aktuellen und künftigen Bandmitgliedern sowie Gastmusikern schwer zu ziehen. Daher lasse ich diese grandiose, doch kurzlebige Konstellation mal außen vor.

So ist meine Nummer Eins die Woodstock-Formation mit Carlos Santana, José „Chepito“ Areas, Michael Carabello, David Brown, Gregg Rolie und Michael Shrieve (siehe das Cover von „Tanglewood 1970“ – im Stammbaum ist es Santana #2). Dies war zwar nicht die älteste, aber dennoch sozusagen die Ur-Besetzung, welche die ersten beiden Alben eingespielt und den musikalischen und kommerziellen Durchbruch geschafft hat. Sie machte Santana weltweit bekannt.

Auch die „Moonflower“-Belegschaft (Carlos Santana, Tom Coster, Graham Lear, Raul Rekow, Greg Walker, David Margen, Pete Escovedo, José „Chepito“ Areas, Pablo Tellez, Tommy Coster Jr. = Santana #24) gefällt mir sehr gut. Die Musik des Albums überzeugt durch ihre warme, freundlich-entspannte Ausstrahlung.

An dritter Stelle folgt womöglich die „Zebop!“-Band (Carlos Santana, Alex Ligertwood, Richard Baker, David Margen, Graham Lear, Orestes Vilato, Raul Rekow, Armando Peraza = Santana #28), die ich bei meinem ersten Konzert 1980 erleben durfte (Alan Pasqua und Chris Solberg waren zu dem Zeitpunkt schon wieder weg). Mein erstes Santana-Konzert war halt ein einschneidendes Erlebnis, das mich beeindruckte und prägte.

Insgesamt spielten und spielen seit jeher viele herausragende und anerkannte Musiker bei Santana. Spätestens nach meinem ersten Konzert habe ich die Band freilich nicht mehr als stabile Formation wahrgenommen (was sie auch vorher nicht war), weil ich den ständigen Wandel nun von Tour zu Tour selbst miterlebte. Jede Besetzung zerrinnt zwischen den Fingern, wenn man sie festhalten möchte.

Und so ist Santana wie ein Fluss aus wunderbar klingender Musik, in den ich gern eintauche (am liebsten täglich), um ein musikalisches Bad zu nehmen, der aber nie wieder derselbe ist (Heraklit von Ephesos: „Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen …“). Deshalb will ich kein weiteres Lineup hervorheben. Auch die oben genannten sind letztlich nur Momentaufnahmen. Und Alben konservieren einzelne dieser Momente für den späteren Genuss.

Sonntag, 11. September 2022

The Magic of Santana & Guests – Live in Buchholz 2022

Endlich durften wir The Magic of Santana mal wieder live erleben, nachdem Konzerte 2020 und 2021 abgesagt worden waren. Wir sahen sie am 8. September 2022 in der Empore in Buchholz. Der zweieinhalbstündige Auftritt (plus Pause) war ein Genuss: Santana-Musik, präsentiert von großartigen Musikern mit sehr viel Spielfreude.

The Magic of Santana sind Gerd Schlüter (Gitarre), Martin Hohmeier (Bass), Olli Schröder (Gitarre), Jens Skwirblies (Keyboard, Hammondorgel), Pablo Escayola (Congas, Percussion), Heinz Lichius (Timbales, Percussion) und Michael „Mikel“ Nick (Schlagzeug). Als Special Guests gehören die ehemaligen Santana-Sänger Alex Ligertwood und Tony Lindsay (11 Grammys) schon seit vielen Jahren quasi zur Band. Als weiterer Gast war Tina Tandler (Saxophon) dabei, deren Instrument sich samtweich in die Musik einschmiegte und dabei eigene Akzente setzte [Fotos zum Vergrößern einfach anklicken].











Folgende Songs wurden gespielt: „Soul Sacrifice (Intro)“ – „Evil Ways“ – „Guajira“ – „Europa“ – „Why Can’t We Live Together“ – „Somewhere In Heaven“ – „Toussaint L’Overture“ – „She’s Not There“ – „Jingo“ – „No One To Depend On“ – „Maria, Maria“ – „Hold On“ – „Open Invitation“ – „Samba Pa Ti“ – „Black Magic Woman/Gypsy Queen/Oye Como Va“ und als Zugabe „Make Somebody Happy“. Alles in allem ein Programm, bei dem einem Fan nur das Herz aufgehen konnte.

Mit Alex Ligertwood und Tony Lindsay habe ich bereits 2011 und 2012 ausgedehnte Interviews geführt, die in meinem Buch „Santana-Musiker im Gespräch“ (2014) nachzulesen sind.

Samstag, 27. August 2022

Sondersendung über Santana am 15. September um 20 Uhr

Am 20. Juli feierte Carlos Santana seinen 75. Geburtstag. Es war ein heißer Tag mit über 35 Grad im Schatten. Moderator Thomas Parpart (am grünen Mikrofon) und ich verbrachten den Nachmittag im fast ebenso warmen Studio von Radio Rheinwelle in Wiesbaden, um eine Latin-Boogaloo-Sondersendung über Santana und mein neues Buch „Sechs Jahrzehnte SANTANA aufzunehmen. Die Sendung wird voraussichtlich am 15. September von 20–22 Uhr auf Radio Rheinwelle ausgestrahlt und ist dort per Webradio (Link anklicken) weltweit zu hören.



Darin erzähle ich beispielsweise, was hinter der Passage „I’ll never go back to Georgia“ steckt, die Santana zeitweise gerne in ihren Song „Oye Como Va“ einbaut. Außerdem präsentiere ich einen ganz besonderen Mix von „Black Magic Woman/Gypsy Queen“ sowie die wohl älteste Aufnahme eines Santana-Musikers aus einer Zeit, als Carlos & Co. noch nicht einmal geboren waren … und vieles mehr.

Die Musik der Sendung geht weit über Santana hinaus. Es werden auch Dizzy Gillespie, Willie Bobo, das Conjunto Kubavana, Fleetwood Mac, Jimi Hendrix, Gábor Szabó und Chico Hamilton zu hören sein – in Aufnahmen aus fast acht Jahrzehnten von den 1940ern bis 2021.

Die Fotos hat Dagmar Petermann geschossen.