Mittwoch, 4. November 2015

Raul Rekow gestorben

Am 1. November 2015 ist Raul Rekow im Alter von 61 Jahren von uns gegangen, nachdem im August bei ihm Lungenkrebs Stadium 4 festgestellt worden war. Raul spielte Congas und Percussion bei Santana von 1976 bis 2013. Damit ging für ihn ein Traum in Erfüllung, denn 1976 vertrat er den erkrankten Armando Peraza bei den Aufnahmen für das Album "Festivál". Armando kam zurück und Raul blieb in der Band – so lange wie kein anderer Musiker (außer Carlos selbst).

Für mich war Raul immer das Lächeln von Santana. Und seine Congas waren der Herzschlag dieser wunderbaren Musik. Ich möchte seiner gedenken mit einer Aussage von ihm zum Ende unseres Interviews vom 1. Juli 2014. Auf die Frage, was ihm die Percussion bedeute, antwortete er:


"Percussion ist mein Leben, meine Karriere, meine Leidenschaft. Sie ist alles für mich. Ich weiß nicht, wo ich ohne sie wäre. Sagen wir mal so: Ich glaube, egal was ich machte, ich wäre gut darin. Wie Armando, als er sich entschied, Bongos zu spielen. Das ist etwas, das ich auch meinen Kindern sage. Ihr müsst euch nicht nach mir richten. Richtet euch nach euren Vorstellungen, aber was immer ihr im Leben zu tun beschließt – seid gut darin. Findet eure Leidenschaft. Findet heraus, was ihr wirklich machen wollt. Und dann gebt euer Bestes. Wenn ihr liebt, was ihr macht, braucht ihr keinen Tag im Leben zu arbeiten. Wenn ich Straßen fegen müsste, wäre ich der beste Straßenfeger, der ich sein könnte. Und ich würde das mit Stolz und Würde machen. Es kommt nicht darauf an, was du machst – aber mache gut, was du machst. Das hab ich meinen Kindern beigebracht und sie bringen es ihren Kindern bei. Ich bin ein gutes Beispiel für sie. Darauf bin ich stolz, sehr stolz."



Das Foto zeigt Raul Rekow (rechts) mit seinem 2014 verstorbenen Freund und Mentor Armando Peraza (Bongos, links) und Graham Lear (Schlagzeug) während eines Konzerts in Hamburg 1987.

Donnerstag, 9. Juli 2015

Alex Ligertwood und Santana in Berlin 2015

Am 5. Juli 2015 gab Santana ein Konzert in der Berliner Mercedes-Benz-Arena. Auch Alex Ligertwood, Sänger bei Santana von 1979 bis 1994, war anwesend, wurde von Carlos auf die Bühne geholt und sang wie in alten Zeiten bei "Black Magic Woman/Gypsy Queen", "Oye Como Va" und "Toussaint l'Overture" (siehe das Video auf YouTube).

Carlos Santana und Alex Ligertwood (Foto: Gerd Schlüter)

Wie kam es zu diesem überraschenden Ereignis?

Alex besuchte das Konzert gemeinsam mit Gerd Schlüter, dem Gitarristen von The Magic of Santana. Vor dem Konzert wurde Alex von Karl Perazzo (Timbales und Percussion bei Santana) herzlich begrüßt und in den Backstagebereich geführt. Dort erhielt er einen VIP Pass umgehängt und wurde in Carlos Santanas Garderobe eingeladen. Carlos empfing ihn mit offenen Armen und die beiden unterhielten sich lange. Natürlich fragte Carlos ihn, ob er Lust hätte, einen Song zu singen. Sie verständigten sich auf "Black Magic Woman".

Als es soweit war, stellte Carlos Alex dem Publikum als Freund vor, für den er jederzeit eine offene Tür habe. Die meisten Fans dürften ihn sowieso erkannt haben. Die eigentlichen Sänvger Tony Lindsay und Andy Vargas überließen ihm "Black Magic Woman" aus Achtung ganz alleine und dann folgten noch "Gypsy Queen", "Oye Como Va" und "Toussaint l'Overture". Carlos schien sich darüber sehr zu freuen, denn er strahlte unentwegt.

Was für ein wunderbares Zusammentreffen…

Dienstag, 12. Mai 2015

Carlos Santana – Der Klang der Welt (2015)

"Der Klang der Welt" – im Original "The Universal Tone" – so heißt die Autobiographie von Carlos Santana. Gemeint ist das Om, der Urklang, aus dem nach hinduistischem Glauben das Universum entstand und der alle Wesen durchdringt. Man meint bisweilen, dass Carlos solche verzaubernden Töne auch seinem Instrument entlocken kann. Und so ist nicht verwunderlich, dass das Om-Symbol den Kopf seiner Paul-Reed-Smith-Gitarre ziert. Und dass der Titel seines Buches sich darauf bezieht. Denn Carlos fand 1972 zu fernöstlicher Spiritualität und Meditation und folgte viele Jahre lang einem indischen Guru. Jenem geistigen Weg blieb er bis heute treu.


Dieses wunderbare Buch mit 528 Seiten erzählt nicht allein vom Musiker, sondern vom Menschen Carlos Santana. Selbstredend nehmen seine Familie und seine spirituelle Entwicklung breiten Raum darin ein. Doch hauptsächlich geht es natürlich um Musik, um den Gitarristen Carlos, um die Band Santana, um Erlebnisse, Begegnungen, Freundschaften und Einflüsse, um Songs, Alben, Konzerte, Plattenfirmen und das Musikgeschäft.

Sehr langsam und weitgehend chronologisch entwickelt sich die Geschichte. Sie wächst und entfaltet sich fast wie eine Blume. Erstaunlich, an wie viele Einzelheiten seiner Kindheit Carlos sich erinnern kann und wie er sie vor uns ausbreitet. Auf Seite 63 kommt der zehn- oder elfjährige Carlos erstmals mit einem Instrument in Kontakt, mit seiner ungeliebten Violine. Und dann bewegt sich seine Karriere in unzähligen winzigen Schritten voran. Menschen kommen und gehen. Manche bleiben und wir können fast hautnah miterleben, wie er für seine Musik und mit ihr lebt und wie sich allmählich passende Musiker um ihn scharen, die als Santana Blues Band und dann weltweit als Santana Furore machen werden.

Erst auf Seite 219 landet Santana in Woodstock. Es ist 1969 und das Debütalbum erscheint demnächst. Auf Seite 297 wendet Santana sich dem Album "Caravanserai" zu. Es ist 1972. Die internationale Karriere währt zu dem Zeitpunkt gerade mal drei Jahre und wir befinden uns bereits in der zweiten Hälfte des Buches.

So gemächlich geht es folglich nicht weiter. Etwa ab Mitte der Siebzigerjahre zieht das Erzähltempo dann auch deutlich an. Schade eigentlich, denn die vielen Details gefallen mir wirklich gut – vor allem, sofern sie die Musik betreffen. Interessant ist beispielsweise, dass es zu "Samba Pa Ti" auch einen Text gibt (in Auszügen nachzulesen auf Seite 244), den Carlos immer im Sinn hat, wenn er das Lied spielt. Besonders berührend ist für mich freilich die schmerzhafte Trennung von seiner ersten Frau Deborah nach 34 Ehejahren und das tiefe Glück, welches aus der Asche entsteht, als er Cindy begegnet, die seine zweite Frau wird.

Nicht jeder Musiker, der in all den Jahrzehnten bei Santana gespielt hat, wird im Buch genannt. Das ist nachvollziehbar. Etwas befremdlich finde ich jedoch, dass Raul Rekow, der Carlos von 1976 bis 2013 mit Abstand am längsten von allen Musikern in der Band begleitet hat, nur dreimal am Rande erwähnt wird, außerdem auf einem Foto auftaucht. Dafür widmet Carlos sich ausgiebig den Charakteren, die ihm nahe standen und stehen wie Bill Graham, Michael Carabello, Gregg Rolie, Michael Shrieve, Armando Peraza, Wayne Shorter, Miles Davis, John Lee Hooker, Clive Davis und vielen mehr.

Carlos hat das Buch nicht selbst geschrieben. Dafür waren seine Weggefährten Hal Miller, der die vielen Erinnerungen aufnahm und ordnete, sowie Ashley Kahn, der sie gefühlvoll und leichtfüßig zu Papier brachte, zuständig. Sie haben ihren Job richtig gut gemacht. Heraus kam ein Buch voller Seele und Musik, welches ich mit großer Freude gelesen habe und jedem Fan sowie jedem Musikfreund wärmstens empfehlen kann.

Montag, 23. März 2015

The Magic of Santana mit Alex Ligertwood in Bochum

Am 20. März 2015 spielte The Magic of Santana mit ihrem Gastsänger Alex Ligertwood (Ex-Santana) in der Bochumer Zeche. Es gab zwei Stunden Santana-Musik vom Feinsten – von "Black Magic Woman/Gypsy Queen" über "Samba Pa Ti", "I Love You Much Too Much" und "Aqua Marine" bis "Incident At Neshabur" und "Jingo". Der volle Saal brodelte in heißer Musik und auch für's Herz war viel dabei. Die Band spielte mit großer Freude und Alex gelang es einmal mehr, sein Publikum mitzureißen. Ein magischer Abend. Sie wollen gerne wiederkommen…

Für eine vergrößerte Darstellung können die Fotos angeklickt werden.

Alex Ligertwood
Das Publikum in der Bochumer Zeche
The Magic of Santana featuring Alex Ligertwood
Gerd Schlüter
Jürgen Pfitzinger
Andreas Rohde
Chris Haertel
Martin "Wunz" Hohmeier
Jürgen Sosnowski
Oliver Steinwede
Weitere gelungene Fotos gibt es auf dem mir sehr eng verbundenen Blog dp-galerie.

Samstag, 14. März 2015

Die Symbolik von Abraxas (1970)

"Abraxas" das zweite Album von Santana, erschien 1970. Bemerkenswert ist das etwas mystische Cover, für das ein Werk des 1932 in Hamburg geborenen Künstlers Mati Klarwein ausgewählt wurde. Das Bild mit dem Titel "Annonciation" (Ankündigung) entstand 1962 und ist eine provokative Interpretation des Moments, in dem Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria die Geburt Jesu ankündigt. Da ich im Besitz eines großformatigen Kunstdrucks (plattensigniert, Auflage 9.800 Exemplare) bin, den ich einscannen konnte, lassen sich Details hier viel klarer erkennen als auf dem vergleichsweise grob gedruckten Plattencover.


"Annonciation" war zunächst Bestandteil des "Aleph Sanctuary", eines würfelförmigen, als Tempel aller Religionen gedachten Raumes mit 68 Bildern, darunter auch einigen biblischen Motiven wie diesem. Congaspieler Michael Carabello hatte sowohl die Idee für das Cover, als auch für den Albumtitel "Abraxas". Neben dem Cover für Miles Davis' "Bitches Brew" hat es wohl am meisten zu Klarweins internationalem Bekanntheitsgrad beigetragen.

"Annonciation" steckt voller Symbole und humorvoller Ideen. Auf einige von ihnen möchte ich in diesem Beitrag gerne einmal hinweisen.

Frauen und Mati


Klarwein verwendete keine Fotos als Vorlagen für seine Frauenbilder. Er brauchte die erotische Spannung echter Modelle in seinem Atelier. Für den roten, tätowierten Engel Gabriel posierte eine Frau mit ihrem linken Knie auf einem Stuhl, die sich an einem Band festhielt, welches von der Decke hing. Es war ein Bauernmädchen aus Guadeloupe, keine Tänzerin (wie der Maler betont). Durchtrainiert war sie vom Gemüse schleppen. Klarwein entdeckte sie in einer Kunstschule, wo sie für Studenten Modell saß.


Mit dem rechten Zeigefinger deutet der Engel zum Himmel auf das Aleph-Symbol, den ersten Buchstaben des hebräischen Alphabets, welches für den Anfang steht. Die Conga dient der Ankündigung, denn Trommeln benutzte man in Afrika seit jeher zur Kommunikation.


Die dunkelhäutige, nackte Maria – als Modell diente eine Muse Klarweins – ist umgeben von Zeichen der Fruchtbarkeit wie dem geöffneten Ei, aus dem Blumen sprießen, und üppigen Früchten. Die weiße Taube vor ihr steht für Reinheit, für die unbefleckte Empfängnis. Dass die Conga eine Linie zwischen dem Schoß der Maria und dem Kopf mit Hut (Josef) bildet, ist kein Zufall.


Dieser zeigt nämlich Mati Klarwein selbst, der nach eigenen Worten in dem Alter von Frauen besessen war.


Ein zweites Mal taucht sein Gesicht hinter der Mauerecke links von Marias Kopf auf.


Das Bild auf dem Tisch rechts von Maria zeigt den Kopf des Engels mit vertauschten Farben – blaue Haut und rote Tattoos – und auf dem Rahmen die Worte Abdul und Mati – so nannte Klarwein sich mit Vornamen. Die hebräische Inschrift rechts des Gesichts ist ein Zitat aus den Schriftrollen Salomons und lautet "Everything is Nonsense" (Buch Kohelet 1,2: "Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch.").

Die Wodaabe


Die drei herausgeputzten Menschen hinter dem linken Selbstporträt sind Wodaabe-Tänzer. Sie stehen für die Heiligen Drei Könige. Werner Herzog porträtierte sie 1990 im Dokumentarfilm "Wodaabe – Hirten der Sonne". Es handelt sich um ein Nomadenvolk, das überwiegend in Niger lebt.


Ihr traditioneller, jährlicher Höhepunkt ist ein mehrtägiges Brautwerbungsritual, bei dem die Männer sich aufwändig schminken und kleiden und in einem Tanzwettbewerb antreten, während die Frauen die Wahl haben. Besonders attraktiv sind Männer für die weibliche Jury, wenn sie ein Auge still halten und mit dem anderen rollen können, weshalb Klarwein sie mit entsprechenden Grimassen in Szene gesetzt hat.

Die Bucht


Unterhalb der Conga ist die Bucht von Deià (Cala de Deyà) auf Mallorca zu sehen.


Klarwein lebte mehrere Jahre lang auf der Insel (und starb dort 2002). Von seinem Atelier aus blickte er auf die hier eingefangene Bucht mit ihren Häusern und einem offenen Fischrestaurant sowie den Terrassenfeldern.

Der Name


"Abraxas" ist ein symbolträchtiger Begriff und der Name einer antiken Gottheit, nämlich des Herrn sämtlicher Himmel, von denen es nach gnostischem Glauben genau 365 gibt. Zu jedem gehört ein Tag des Jahreslaufs. Nicht zufällig hat das Wort "Abraxas" (vermutlich durch einen Buchstabendreher aus "Abrasax" entstanden) den Zahlenwert 365 im griechischen Alphabet (α + β + ρ + α + ξ + α + ς = 1 + 2 + 100 + 1 + 60 + 1 + 200 = 365) und besteht aus der magischen Menge von sieben Buchstaben.

"Abraxas" begegnet den Musikern in der Erzählung "Demian" von Hermann Hesse, einer damaligen Kultlektüre junger Amerikaner, die sie auf dem Cover sogar zitieren. Der Wortlaut im Original (6. Kapitel): "Ich stand davor und wurde vor innerer Anstrengung kalt bis in die Brust hinein. Ich fragte das Bild, ich klagte es an, ich liebkoste es, ich betete zu ihm; ich nannte es Mutter, ich nannte es Geliebte, nannte es Hure und Dirne, nannte es Abraxas". Mehrfach heißt es dort, dass Abraxas sowohl Gott als auch Teufel sei, dass er die lichte und die dunkle Welt in sich trage. Und indem Santana sich ausdrücklich auf dieses Buch und diese Gestalt bezieht, pflegt die Band unterschwellig ihr Image, aufregend anders, wild, exotisch, gar einen Hauch dämonisch zu sein – wie die afrikanischen Wurzeln ihrer Musik. Man kann es sich heutzutage kaum vorstellen, aber damals hat Santana tatsächlich dieses Flair um sich verbreitet.

Das Logo


Außerdem taucht auf "Abraxas" erstmals der ausdrucksvolle Santana-Schriftzug auf, fortan ein Erkennungszeichen der Band.


Er stammt von Robert Venosa, der später auch das Cover von "Oneness" und das Logo von Carlos Santanas kurzlebigem Plattenlabel "Guts & Grace" entwirft. Mehr darüber gibt es hier.

Dienstag, 10. Februar 2015

Carlos Santana – The Universal Tone (2014)

"The Universal Tone" – so heißt die Autobiographie von Carlos Santana. Der "Universal Tone" ist ein Klang, welcher alle Wesen berührt und verbindet, also eigentlich eine spirituelle Angelegenheit. Und man meint bisweilen, dass Carlos solche Töne seiner Gitarre entlocken kann.


Dieses wunderbare Buch mit über 500 Seiten erzählt nicht allein vom Musiker, sondern vom Menschen Carlos Santana. Und so nehmen seine Familie und seine spirituelle Entwicklung breiten Raum darin ein. Doch hauptsächlich geht es natürlich um Musik, um den Gitarristen Carlos, um die Band Santana, um Erlebnisse, Begegnungen, Freundschaften und Einflüsse, um Songs, Alben, Konzerte, Plattenfirmen und das Musikgeschäft.

Sehr langsam und weitgehend chronologisch entwickelt sich die Geschichte. Sie wächst und entfaltet sich fast wie eine Blume. Erstaunlich, an wie viele Einzelheiten seiner Kindheit Carlos sich erinnern kann. Auf Seite 57 kommt der zehn- oder elfjährige Carlos erstmals mit einem Instrument in Kontakt, mit seiner ungeliebten Violine. Und dann bewegt sich seine Karriere in unzähligen winzigen Schritten voran und wir können fast hautnah miterleben, wie er für seine Musik und mit ihr lebt und wie sich allmählich passende Musiker um ihn scharen, die als Santana weltweit Furore machen werden.

Erst auf Seite 215 landet Santana in Woodstock. Das war 1969 und das Debütalbum war noch immer nicht erschienen. Auf Seite 296 wendet Santana sich dem Album "Caravanserai" zu. Das war 1972. Die internationale Karriere währte zu dem Zeitpunkt gerade mal drei Jahre und wir befinden uns bereits in der zweiten Hälfte des Buches.

So gemächlich geht es folglich nicht weiter. Etwa ab Mitte der Siebzigerjahre zieht das Erzähltempo dann auch deutlich an. Schade eigentlich, denn die vielen Details gefallen mir wirklich gut – vor allem, sofern sie die Musik betreffen. Interessant ist beispielsweise, dass es zu "Samba Pa Ti" auch einen Text gibt (in Auszügen nachzulesen auf Seite 239), den Carlos immer im Sinn hat, wenn er das Lied spielt. Besonders berührt hat mich wegen größerer Parallelen zu meinem eigenen Leben freilich die Trennung von Deborah und das tiefe Glück, welches aus der Asche entstand, als er Cindy begegnete, die seine zweite Frau wurde.

Nicht jeder Musiker, der in all den Jahrzehnten bei Santana gespielt hat, wird im Buch genannt. Das ist nachvollziehbar. Etwas befremdlich finde ich jedoch, dass Raul Rekow, der Carlos von 1976 bis 2013 mit Abstand am längsten von allen Musikern in der Band begleitet hat, nur dreimal am Rande erwähnt wird, außerdem auf einem Foto. Ansonsten aber widmet Carlos sich ausgiebig den Charakteren, die ihm nahe standen und stehen wie Bill Graham, Michael Carabello, Gregg Rolie, Michael Shrieve, Armando Peraza, Wayne Shorter, Miles Davis, John Lee Hooker, Clive Davis und vielen mehr.

Carlos hat das Buch nicht selbst geschrieben. Dafür waren seine Weggefährten Hal Miller, der die vielen Erinnerungen aufnahm und ordnete, sowie Ashley Kahn, der sie gefühlvoll und leichtfüßig zu Papier brachte, zuständig. Sie haben ihren Job richtig gut gemacht. Heraus kam ein Buch voller Seele und Musik, welches ich mit großer Freude gelesen habe und jedem Fan, der des Englischen halbwegs mächtig ist, empfehlen kann.

"The Universal Tone – Bringing My Story To Light" von Carlos Santana ist im November 2014 bei Little, Brown and Company erschienen, hat 536 Seiten plus zwei Fotostrecken und kostet in der gebundenen Ausgabe 30 US-Dollar.

Montag, 10. November 2014

Santana-Musiker im Gespräch – Neues Buch

Santana-Fan bin ich seit 1979. Mein Buch "Carlos Santana und Band" erschien nach jahrelanger Recherche 2008. Seitdem folgten mehrere Treffen und Interviews mit aktuellen und ehemaligen Santana-Musikern, in denen ihre Liebe und Hingabe zur Musik spürbar wurde, während sie aus ihren Leben und über ihre musikalische Karriere erzählten und zahlreiche Anekdoten zum Besten gaben.

Es ist immer wieder eine Freude, diesen sympathischen und bei allem Erfolg so bescheiden gebliebenen Menschen zu lauschen und ihre Augen leuchten zu sehen, wenn sie plaudern und ihre Erfahrungen teilen. Eine Zeitreise von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart. Eine Inspiration für Musiker und Fans.


"Santana-Musiker im Gespräch" enthält drei umfangreiche, sorgfältig vorbereitete Interviews mit Alex Ligertwood, Tony Lindsay (11 Grammys) und Raul Rekow (ebenfalls 11 Grammys) in voller Länge sowie die Geschichte von Carlos Santana und Band.

Es ist im Format A5 (Softcover) erschienen, umfasst 100 Seiten, kostet 10,00 Euro und kann bei mir bestellt werden. Hier geht es zum Inhaltsverzeichnis. Obendrein ist es als Deluxe-Edition erhältlich. Die gibt es nur in sehr wenigen Exemplaren. Sie ist mit Hardcover und Farbfotos versehen, auf fast doppelt so schwerem Papier gedruckt und kostet 22,00 Euro.

Mittwoch, 20. August 2014

Interview mit Raul Rekow

On July 1, 2014, I had the opportunity for an extended interview with Raul Rekow, well known conguero with Santana for 38 years, whom I already met in 2010. We talked about his time with Santana, about Armando Peraza, about congas, the Chicano Scene in the Sixties which he was part of, about Bill Graham and other topics.

I hope that extracts of the interview will be published in German soon. If any American or English magazine is interested (the interview, of course, was held in English), just contact me.


Fotos: dp-galerie

Am 1. Juli 2014 hatte ich die Gelegenheit zu einem ausgedehnten Interview mit dem langjährigen Santana-Congaspieler Raul Rekow, den ich schon 2010 getroffen habe. Wir sprachen über seine 38 Jahre bei Santana, Armando Peraza, Congas, die Chicano-Szene, Bill Graham und viele andere Themen.

Für eine Veröffentlichung des Interviews bin ich mit einschlägigen Musikmagazinen im Gespräch. Allerdings ist es viel zu umfangreich für einen Artikel und wird womöglich aufgeteilt. In voller Länge ist das Gespräch hier nachzulesen.

Dienstag, 19. August 2014

Latin Boogaloo bei Radio Rheinwelle am 14. August 2014

Schon seit 2008 stehen Thomas Parpart, Moderator bei Radio Rheinwelle in Wiesbaden, und ich in Kontakt und haben uns häufiger getroffen. Ich habe bereits eine Reihe von Tonbeiträgen zu seiner Sendung "Latin Boogaloo" geliefert und konnte nun endlich mal seiner Einladung ins ferne Wiesbaden folgen, um eine komplette und extralange Sendung (Dauer: 110 Minuten) zu gestalten.

Die Sendung lief unter dem Motto "Originale und Cover von Santana-Songs". Teil 1 waren also Originale anderer Musiker, die von Santana gecovert und zum Teil erst durch Santana zu großen Hits wurden. Teil 2 waren Santana-Songs, die von anderen Musikern auf interessante Weise gecovert wurden.

Hier die Playlist:

Nr.
Songtitel
Komponisten
Interpret
Jahr
1
Evil Ways
Sonny Henry
Willie Bobo
1967
2
Fried Neckbones
Willie Bobo, Melvin Lastie, William Correa
Willie Bobo
1966
3
Black Magic Woman
Peter Green
1969
4
Gypsy Queen
Gabor Szabo
1966
5
Oye Como Va
Tito Puente
Tito Puente
1963
6
Them Changes
Buddy Miles
Jimi Hendrix
1970
7
Stone Flower
Antonio Carlos Jobim
Antonio Carlos Jobim
1970
8
A Love Supreme
John Coltrane
John Coltrane
1964
9
Xibaba
Airto Moreira
Airto Moreira & Flora Purim
1971
10
Maria Caracoles
Pello El Afrokán
Pello El Afrokán
1964
11
She's Not There
Rod Argent
The Zombies
1964
12
The Sensitive Kind
J. J. Cale
J. J. Cale
1979
13
Ich Hob Dich Zufil Lib (I Love You Much Too Much)
Chaim Towber, Alexander Olshanetsky
Nizza Thobi

1934/
2000
14
Soul Sacrifice
Carlos Santana, Gregg Rolie, Marcus Malone, David Brown
Mother Earth
1993
15
Samba Pa Ti
Carlos Santana
Ottmar Liebert feat. Carlos Santana
1992
16
Europa (Earth's Cry Heaven's Smile)
Devadip Carlos Santana, Tom Coster
Gato Barbieri
1976
17
Free As The Morning Sun
Devadip Carlos Santana
Mr. Hermano
2004
18
Black Magic Woman/Gypsy Queen
Peter Green/Gabor Szabo
Patricia Barber
1999

Und hier einige Fotos, die während der Sendung von dp-galerie im Studio aufgenommen wurden…








Samstag, 1. Februar 2014

Carlos Santana & John McLaughlin – Invitation To Illumination. Live At Montreux 2011 (2013)

Am 16. August 2013 erscheint ein Konzert auf DVD, welches am 1. Juli 2011 in Montreux stattgefunden hat.


Carlos Santana und John McLaughlin – da verwundert nicht, dass deren Album "Love Devotion Surrender" von 1973 eine gewichtige Rolle spielt. "A Love Supreme", "Naima", "The Life Divine" und "Let Us Go Into The House Of The Lord" sehen und hören wir in intensiven Versionen, wobCindyei "The Life Divine" bedauerlicherweise endet, als David K. Mathews die Orgeltöne am schönsten ganz im Originalsound von Khalid Yasin (Larry Young) schweben lässt.

Das Medley "Peace On Earth/A Hard Rain's Gonna Fall/Stairway To Heaven/Our Prayer/SOCC" ist eine Verbeugung vor geschätzten Musikern wie John Coltrane, Bob Dylan, Jimmy Page und Robert Plant.

Von Miles Davis und Teo Macero stammen "Right Off" und "Black Satin". Tony Williams und Carly Bley werden mit "Vuelta Abajo" und "Vashkar" gewürdigt und so bewegt sich die Musik wie weiland 1973 souverän meist zwischen Rock und Jazz im Fusion-Genre. Mit Latinrock hat das eher wenig zu tun.

Herausragend finde ich das wunderbare "The Creator Has A Master Plan" von Pharoah Sanders' Album "Karma", geschrieben gemeinsam mit Leon Thomas, der 1973 bei Santana sang und auf "Welcome" und "Lotus" zu hören ist. Wie Carlos und John ihre Gitarren im Dialog erklingen lassen, wie die Drums von Dennis Chambers und Cindy Blackman Santana mit den Congas von Raul Rekow harmonieren, dazu der Bass von Etienne M'Bappé (der auch schon mit Joe Zawinul gespielt hat), die Orgel von David K. Mathews und die Stimme von Tony Lindsay, später auch von Andy Vargas – das geht unter die Haut und ist trotz etwas mehr als elf Minuten viel zu kurz.

Bei "Naima" wechseln Carlos und John zu den akustischen Gitarren und treffen sich zum bekannt heiteren Stelldichein, welches sich im hübsch melancholischen, flamenco-artigen "Lotus Land Op. 47, No. 1" fortsetzt.

"Downstairs" von Elvin Lee Jones ist zur Abwechslung ein erster, richtig schöner Bluestitel, gefolgt von "Venus/Upper Egypt", einem weiteren Song von Pharoah Sanders und Leon Thomas. Hier legt Carlos ein wildes Gitarrensolo hin, welches Pharoah möglicherweise so ähnlich per Saxophon hätte spielen können.

"Let Us Go Into The House Of The Lord" lässt besonders Raul Rekow mit dem Percussionteppich glänzen, den 1973 sein Vorbild und Lehrer Armando Peraza erzeugt hat. Neben ihm kommen David K. Mathews, Etienne M'Bappé, Carlos und John zu eigenen Soli, wodurch der Song recht kurzweilig wird, wenngleich die beiden Gitarrenmeister dem Rhythmus nicht immer ganz zu folgen scheinen. Ähnlich turbulent mit hohem Spaßfaktor geht es in "Black Satin" weiter, bevor Cindy zu einem Schlagzeugsolo kommt. Als Frau von Carlos ist sie natürlich für die Kameras besonders interessant und ist daher im Vergleich zu Dennis Chambers doch unverhältmismäßig oft zu sehen (kleine Kritik an die Regie).

"A Love Supreme" kommt durch seine ungewohnte Gesangslastigkeit ein wenig die Intensität abhanden, bedaure ich. Das Potenzial dazu hätte der Song dank feiner Congas und Orgel durchaus gehabt. Er klingt insgesamt jedoch etwas unausgewogen.

"Shake It Up And Go" von John Lee Hooker setzt zum Schluss ein besonderes Zeichen. Claude Nobs, Organisator der Montreux-Festivals seit dessen Anfängen (1967), kommt mit Mundharmonika auf die Bühne und begleitet den Blues mit beachtlichen Soloeinlagen. Am 10. Januar 2013, noch vor dem Erscheinen der DVD, stirbt er einige Tage nach einem Skiunfall. Er ist übrigens der "Funky Claude" in Deep Purples Hit "Smoke On The Water", in dem es um den Brand des Casinos von Montreux 1971 geht. Santana tritt dort seit 1970 auf…

Die DVD enthält ein Booklet mit interessanten Informationen zum Konzert. Kleiner Schwachpunkt: Raul Rekow wird nicht nur von Claude Nobs als Paul Rekow vorgestellt, sondern ebenso auf der Rückseite des Booklets genannt.